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18.11.2011

10:13 Uhr

Erste O-Töne aus Verhören

Breiviks sieht Minister als „Verräter der Kategorie A“

Wesentliche Teile von Polizeiverhören mit dem Massenmörder Anders Behring Breivik sind erstmals veröffentlicht worden. Sie geben einen Einblick in die Denkweise des Rechtsradikalen, der 77 Menschen getötet hatte.

Anders Behring Breivik (Archivfoto von Juli 2011)- dpa

Anders Behring Breivik (Archivfoto von Juli 2011)-

OsloDemnach wollte der 32 Jahre alte Rechtsradikale bei seinen Anschlägen am 22. Juli das Regierungshochhaus mit dem Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg zum Einsturz bringen. Nur weil er mit diesem Vorhaben scheiterte, brach er zur Insel Utøya auf, berichtete Osloer Zeitung „VG“ am Freitag.

Hier tötete der rechtsradikale Islamhasser 69 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugendlagers. Zuvor waren im Osloer Regierungsviertel acht Menschen durch die von ihm platzierte Autobombe gestorben. Norwegens größte Boulevardzeitung widmete den Aussagen Breiviks elf Seiten. Details über die Tötung der Opfer auf Utøya seien aber weggelassen worden, hieß es.

Vor der Polizei hat Breivik bisher bei 18 Verhören über 130 Stunden lang ausgesagt. Die Polizei wollte sich zu der Veröffentlichung nicht äußern. Redaktionschef Torry Pedersen schrieb über die Gründe: „Dies ist das erste Mal, dass die Öffentlichkeit Breiviks eigene Stimme und Wortwahl hört“. Das sei ein wichtiges Element, um „Klarheit über den tatsächlichen Hergang zu bekommen“.

Blick auf die Insel Utøya. Reuters

Blick auf die Insel Utøya.

Nach den Angaben von „VG“ gab Breivik an, er habe vor allem Norwegens frühere Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland sowie Außenminister Jonas Gahr Støre und den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF, Eskil Pedersen, töten wollen. Diese habe er als „Verräter der Kategorie A“ eingestuft. Angehörige der Opfer und Überlebende haben seit dem Sommer mehrfach kritisiert, dass Medien Breivik breiten Platz einräumen. Bei einem Haftprüfungstermin unterband der Richter den Versuch des Attentäters, eine „Erklärung“ an anwesende Hinterbliebene und Überlebende abzugeben.

Von

dpa

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