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10.01.2006

20:36 Uhr

Erstes Interview

Magda Gohar-Chrobog zeigt Verständnis für Entführer

Die Frau des Ex-Staatssekretärs Jürgen Chrobog hat erstmals über ihre Geiselnahme im Jemen erzählt. Von Groll oder Verachtung gegenüber ihren Peinigern keine Spur. Sie wolle sogar wieder in den Jemen zurück. Parallelen zum Fall Osthoff? Magda Gohar-Chrobog wiegelte ab.

Magda und Jürgen Chrobog nach ihrer Freilassung. Foto: dpa dpa

Magda und Jürgen Chrobog nach ihrer Freilassung. Foto: dpa

HB KÖLN. Den Entführern der deutschen Familie Chrobog droht nach den Worten von Magda Gohar-Chrobog die Todesstrafe. Nach ihren Informationen seien fünf Männer gefasst worden und müssten im Jemen mit der Höchststrafe rechnen, sagte sie am Dienstag in der ARD-Sendung „Menschen bei Maischberger“. Sie persönlich hoffe jedoch auf ein mildes Urteil für ihre Kidnapper. Magda Gohar-Chrobog gab bei Maischberger ihr erstes Interview nach der Freilassung. Das Ehepaar Chrobog war Ende Dezember mit den drei Söhnen im Jemen entführt und erst nach drei Tagen freigelassen worden.



Gohar-Chrobog sagte, im Verlauf ihrer dreitägigen Entführung habe sie Vertrauen zu ihren Kidnappern gefasst. Einige der Beduinen, denen es darum gegangen sei, inhaftierte Familienmitglieder freizupressen, seien „unglaublich liebenswürdig“ zu ihr gewesen. Für deren Anliegen habe sie Verständnis, nicht jedoch für die Maßnahmen. „Die Entführer haben gesagt: Habt keine Angst, wir werden euch nichts antun“, sagte sie: „Wenn ich jemandem von dort in die Augen schaue, weiß ich ob er ehrlich ist oder nicht.

Im Gespräch mit Sandra Maischberger machte die aus Ägypten stammende Islamwissenschaftlerin einen ruhigen und gelösten Eindruck. Angst habe sie ausgestanden, als sie von den Entführern überfallen worden sei. Dabei hätten diese mehrfach in die Luft geschossen. Für kurze Zeit habe sie geglaubt, dass ihr Mann oder einer ihrer Söhne tot sein könnten. Später sei die Familie zeitweise von bis zu 40 Männern mit Maschinengewehren umgeben gewesen.

Die Entführung sei während einer Autofahrt völlig überraschend passiert. „Plötzlich strömten Leute auf uns zu und klopften mit Maschinengewehren gegen die Fenster“, erzählte die in Ägypten aufgewachsene Chrobog: „Wir haben gebetet: Ich auf Arabisch, mein Sohn auf Deutsch.“

Sie wehrte sich gegen Vorwürfe, die Jemen-Reise ihrer Familie sei Leichtsinn gewesen. „Mein Mann hätte seine Familie niemals in Gefahr gebracht, wenn er nicht überzeugt davon gewesen wäre, dass die Reise sicher ist“, sagte sie. Sie sehe keine Parallelen zu der zuvor im Irak entführten Susanne Osthoff: „Der Irak ist nicht der Jemen.“ Nun träume sie davon, irgendwann erneut in den Jemen zu reisen: „Denn den schönsten Teil der Reise konnten wir leider nicht machen.

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