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20.11.2015

13:37 Uhr

ESC 2016

SPD attackiert NDR wegen Xavier Naidoo

VonDietmar Neuerer

Der NDR hat entschieden, dass der Sänger Xavier Naidoo Deutschland beim Eurovision Song Contest 2016 vertreten soll. Die SPD hält das für einen schweren Fehler und fordert eine Rücknahme der Entscheidung.

Er soll Deutschland beim Eurovision Song Contest 2016 vertreten. dpa

Der umstrittene Sänger Xavier Naidoo

Er soll Deutschland beim Eurovision Song Contest 2016 vertreten.

Der Sprecher des Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, hat die Entscheidung der ARD, den Sänger Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest zu schicken, scharf kritisiert und Konsequenzen gefordert.

„Ich weiß nicht, was die Verantwortlichen beim NDR genommen haben, legal kann es nicht gewesen sein. Die Begründung der Entscheider macht die Sache noch schlimmer und zeugt von einer unglaublichen Abgehobenheit und Arroganz“, sagte der Bundestagsabgeordnete dem Handelsblatt.

Kahrs sprach von einer „suboptimalen“ Entscheidung, die politisch und gesellschaftspolitisch ein Fehler sei. „Ich erwarte, dass diese Entscheidung kassiert wird“, forderte der SPD-Politiker. „Statt jemanden zu bestimmen, sollten wieder die Gebührenzahler gefragt werden, und es sollte daher eine Abstimmung geben.“

Die Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Eva Högl, reagierte ebenfalls mit Unverständnis darauf, dass die ARD bei einem europäischen Wettbewerb einen Künstler wie Xavier Naidoo ins Rennen für Deutschland schicken will, der so umstritten sei.

Xavier Naidoo beim ESC: Ein Kandidat mit seltsamen Ansichten

Xavier Naidoo beim ESC

Ein Kandidat mit seltsamen Ansichten

Xavier Naidoo wird Deutschland beim Eurovision Songcontest 2016 in Stockholm vertreten. Der Sänger gilt manchen als Rechtspopulist und Schwulenhasser. Für die ARD ist das offensichtlich kein Problem.

„Seine homophoben Äußerungen und seine Nähe zu den 'Reichsbürgern' finde ich abstoßend“, sagte Högl der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Hätte man die deutsche Bevölkerung gefragt, wäre die Entscheidung wohl nicht auf ihn gefallen.“

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der den Wettbewerb für die ARD betreut, hatte am Donnerstag seine Entscheidung für Xavier Naidoo bekanntgegeben. Die deutschen Zuschauer sind demnach diesmal an der Auswahl des Künstlers nicht beteiligt. Sie dürfen bei der Show „Unser Song für Xavier“ am 18. Februar nur über das Lied abstimmen.

Kritiker werfen dem Sänger aus Mannheim eine Nähe zu Verschwörungstheorien sowie Schwulenfeindlichkeit vor. Der Lesben-und Schwulenverband (LSVD) erklärte, die Entscheidung sei schwer nachzuvollziehen.

Die ARD lässt die Kritik bisher kalt. „Für uns war es wichtig, mit jemandem anzutreten, der über eine hervorragende Bühnenpräsenz verfügt, der ein sehr guter Sänger ist und der mit uns auf die Suche nach einem Lied geht“, sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber der Nachrichtenagentur dpa.

Naidoo selbst wehrte sich in einer vom NDR verbreiteten Mitteilung: „Mit meinem ganzen Wesen stehe ich für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland und einen respektvollen sowie friedlichen Umgang miteinander.“ „Xavier Naidoo ist weder rechtspopulistisch noch homophob oder antisemitisch“, sagte ARD-Mann Schreiber. „Dass Xavier Naidoo polarisiert, wussten wir.“

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