Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.05.2013

09:32 Uhr

Eurovision Song Contest

Dänemark triumphiert und Deutschland patzt

Die dänische Sängerin Emmelie de Forest gewinnt den Eurovision Song Contest, Lena patzt bei der Punktevergabe und Deutschlands Cascada kommt nur auf Platz 21. Ist Angela Merkel an der Schlappe schuld?

Die dänische Sängerin Emmelie de Forest war bereits seit Wochen als eindeutige Favoritin gehandelt worden. Reuters

Die dänische Sängerin Emmelie de Forest war bereits seit Wochen als eindeutige Favoritin gehandelt worden.

MalmöBarfuß und mit dem Charme der kleinen Meerjungfrau zum Favoriten-Sieg: Die 20 Jahre alte dänische Sängerin Emmelie de Forest hat erwartungsgemäß den Eurovision Song Contest 2013 gewonnen. Damit gewann Dänemark nach 1963 und 2000 zum dritten Mal den Liederwettbewerb. Deutschland landete mit dem Disco-Lied „Glorious“ von Cascada-Sängerin Natalie Horler abgeschlagen auf Rang 21 - das schlechteste Abschneiden seit den No Angels im Jahr 2008, die auf Platz 23 gekommen waren.

Die deutschen Verantwortlichen mutmaßten, die Schlappe könne auch mit der Sparpolitik der deutschen Regierung zusammenhängen, die in Europa viel Kritik erntet. Häme erntete auch Lena, die sich bei der deutschen Punkte-Präsentation verhaspelte.

Das im Vergleich zu den Vorjahren eher bescheiden gestaltete Finale in Malmö, das vor geschätzten 125 Millionen Fernsehzuschauern über die Bühne ging, glänzte mit schwedischer Selbstironie und der witzigen Moderatorin Petra Mede.

Weniger gut gelaunt zeigte sich der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber nach dem Wettbewerb, bei dem die Siegerin 281 Punkte holte und Deutschland lediglich 18 Zähler bekam: „Es gibt sicher auch eine politische Lage. Ich will nicht sagen "18 Punkte für Angela Merkel". Aber man muss eben auch sehen, da stand nicht nur Cascada, sondern da stand auch Deutschland auf der Bühne.“

Sängerin Natalie Horler gab sich gefasst: „Es war die geilste Woche meines Lebens, meiner Karriere“, sagte sie nach der Show in einer Live-Schaltung nach Hamburg. „Ich find's superschade, aber ich habe auch die ganze Woche gesagt: man steckt da nicht drin, man weiß nicht, wie die Leute voten...“

Siegerin Emmelie, die mit Landsknecht-Trommlern wie aus einem Andersen-Märchen auftrat, war bereits seit Wochen als eindeutige Favoritin gehandelt worden. Damit dürfte der Grand Prix im kommenden Jahr in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen ausgetragen werden, nur wenige Kilometer von Malmö entfernt.

Eurovision Song Contest : Das sind die Finalisten

Eurovision Song Contest

Das sind die Finalisten

Riesen, Elfen und Wikinger: Der ESC wirkt dank einiger skurriler Teilnehmer fast wie ein Fabelbuch. Ein Großteil der Musiker hat aber einen wenig märchenhaften Hintergrund: Sie begannen ihren Werdegang in Castingshows.

26 Lieder konkurrierten beim ESC-Finale um den Sieg. Am Ende lag Dänemark vor Aserbaidschan und der Ukraine. Norwegen landete auf Platz vier, Russland auf fünf. Eine dicke Überraschung glückte Griechenland: Für den wilden Ska-Punk-Song „Alcohol Is Free“ gab es Platz sechs. An Großbritannien glaubten nicht so viele: Die 61-jährige Bonnie Tyler kam mit „Believe In Me“ auf den 19. Platz.

Insgesamt 39 Länder nahmen am ESC teil. 13 Teilnehmer waren bereits in den Halbfinals ausgeschieden, darunter Israel, Österreich und die Schweiz. Deutschland hat bisher nur 1982 mit Nicole („Ein bisschen Frieden“) und 2010 mit Lena („Satellite“) gewonnen.

Lena verkündete als Jurypräsidentin Deutschlands Punkte von Hamburg aus und verhaspelte sich dabei: Sie gab zehn Punkte zunächst nach Norwegen statt nach Dänemark, wo sie hin sollten. Dafür erntete sie einigen Spott. „Lena. Norwegen oder Dänemark, Hauptsache Schweden“, twitterte die NDR-Satiresendung „Extra 3“.

Deutschlands „Twelve Points“ gingen nach Ungarn für den verträumten Sänger ByeAlex und dessen Indie-Popsong „Kedvesem“.

Beim letzten ESC 2012 in Baku hatte die Schwedin Loreen mit „Euphoria“ gewonnen. Dem diesjährigen deutschen Beitrag wurde immer wieder eine Nähe zum Siegertitel 2012 vorgeworfen.

Der 59. Eurovision Song Contest soll nach Angaben der European Broadcasting Union (EBU) am 17. Mai 2014 stattfinden, die Halbfinals am 13. und 15. Mai.

Von

dpa

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RumpelstilzchenA

19.05.2013, 11:47 Uhr

"...Dänemark triumphiert und Deutschland patzt.."

Der dänische Triumph war gerechtfertigt. Andere Positionierungen fanden nicht meine Zustimmung. Deutschland hat nicht gepatzt. Deutschland wird gehasst. Die deutsche Außenpolitik ist einfach zu dämlich, wobei wir immer noch kein freies Land sind und unsere Politik von den Amerikanern vorgegeben wird. Leider!

Account gelöscht!

19.05.2013, 12:50 Uhr

Mein Eindruck ist, dass dieses Jahr ein starker Wettbewerb ausgetragen wurde. Alle Länder haben starke Teilnehmer entsendet.
Vergleicht man Cascadas Stimme und ihre Show-Performance mal ganz nüchtern mit z.B. der ukrainischen Teilnehmerin, dann muss man einfach anerkennen, dass die Ukrainerin um Welten besser war.
Hier jetzt wieder Politik und Deutschenhass anzuführen ist aus meiner Sicht unfair und falsch. Die Anderen waren wirklich besser. Als Trost sollten wir nach Frankreich und Gross-Britanien schauen. Die haben auch schlecht abgeschnitten, aber dort kommt wohl keiner auf die Idee, dieses zu politisieren.
Armes Deutschland!

Christin

19.05.2013, 13:32 Uhr

..........was wollen wir Deutschen? Was erwarten wir? Ich komme gerade aus dem hohen Norden, in dem ich seit Jahrzehnten einen 2. Wohnsitz habe und kann hier nur mitteilen, was man von Deutschland erwartet. Nun, man erwartet von uns, daß wir zu zahlen haben, wenn wir wieder einmal drann sind. Das Song-Spektakel in Malmö für uns ein Nullspiel? Ja, war doch klar. Eine Farce für uns? Ja. Brauchten erst garnicht hinfahren, so sagten es mir die Schweden. Deutschland also unbeliebt? Ja, so ist es. Europa ohne Deutschland? Wenn möglich wäre, ja. Warum ist das so? Wir sind einfach unbeliebt, weil wir von unseren Nachbar-Völkern etwas verlangen, was sie garnicht liefern können. Also wirkt sich das auch in solch einem Musikspektakel aus? Ja, so ist es. Was ist zutun? Die Schotten öffnen und zahlen. Und vor allen Dingen, die Klappe halten und das tun, was andere von uns wollen. Das ist ja für uns unheimlich? Ja, die Suppe muß gelöffelt werden bis zum Nimmerlandstag. Also ein Ende ohne Ende? Ja, so ist es.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×