Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.05.2015

11:37 Uhr

Eurovision Song Contest

Griechin schreit mit einem Lied um Hilfe

VonStefan Kreitewolf

Ein politisches Signal beim Eurovision Song Contest. Griechenland liefert den Soundtrack der Krise: In „One Last Breath“ geht es um die Misere des Landes. Die Ballade ist ein versteckter Hilfeschrei an Europa.

Maria Elena Kyriakou repräsentiert Griechenland beim ESC. dpa

Kraftvoll

Maria Elena Kyriakou repräsentiert Griechenland beim ESC.

DüsseldorfDie große Show beginnt: Conchita Wurst eröffnete am Montagabend in der österreichischen Hauptstadt den 60. Eurovision Song Contest (ESC). Am Samstag kämpfen in Wien 40 Nationen um die ESC-Krone. Der offizielle „Hashflag“ (Zusammensetzung aus „Hashtag“ und „flag“: englisch für Flagge) wurde bereits am Dienstag eingeführt: Jeder Teilnehmer bekommt einen eigenes Twitter-Zeichen in Herzform.

Doch nicht nur die Twitter-Herzen sorgen für Aufmerksamkeit im Vorfeld der großen Show: Das erste Halbfinale hatte es bereits in sich – auch in politischer Hinsicht. Der griechische Beitrag von Maria Elena Kyriakou greift offenbar die aktuelle Krise ihres Landes rhetorisch versteckt auf.

Mit dem Song „One Last Breath“ will Kyriakou anscheinend die Verhältnisse in ihrem Land anprangern. Schon der Titel passt zur Situation im Land. Die griechische Regierung um Ministerpräsident Alexis Tsipras steht international unter Druck und muss, trotz anders lautender Wahlversprechen, weiterhin eisern sparen.

Kleine Regelkunde zum ESC

Immer dabei

Einen garantierten Startplatz im Finale haben traditionell die größten Eurovisions-Geldgeber Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien sowie der jeweilige Gastgeber beziehungsweise Titelverteidiger: in diesem Jahr Österreich.

Ausnahmsweise dabei

Beim Jubiläums-ESC 2015 gibt es allerdings eine Besonderheit: Ausnahmsweise darf Australien - bekannt für seine besonders treuen und engagierten Fans - teilnehmen. Das Land ist gleich für die Endrunde gesetzt worden. Sollte der Kandidat von „Down Under“ auf Platz eins landen, wird die zuständige dortige Rundfunkanstalt im kommenden Jahr den Grand Prix als Mit-Veranstalter in einer europäischen Stadt zusammen mit einem Mitgliedsland der European Broadcasting Union (EBU) organisieren.

Liedlänge

Jeder Wettbewerbssong darf maximal drei Minuten lang sein. Die Sprache kann frei gewählt werden.

Werbung

Politische Botschaften etwa auf T-Shirts oder Bannern, per Handzeichen oder im Songtext sind verboten. Ebenso darf keine Werbung für Produkte oder Unternehmen gemacht werden.

Bühnenshow

Bis zu sechs Menschen ab 16 Jahren, aber keine Tiere, dürfen auf der Bühne sein. Es wird live gesungen, die Musik kommt vom Band.

Punkte

Alle Teilnehmer-Länder dürfen im Finale ihre Punkte vergeben, auch diejenigen, die bereits in den Halbfinals ausgeschieden sind.

Zuschauer

Die Zuschauer können erst dann für ihren Favoriten anrufen oder eine SMS schicken, wenn alle Finalisten gesungen haben.

Wertung

Die Zuschauerwertung eines Landes wird jeweils mit der Wertung einer nationalen fünfköpfigen Fachjury 50:50 verrechnet.

Sieger

Der Sieger des Wettbewerbs steht gegen Mitternacht fest. Sollten mehrere Teilnehmer die gleiche Punktzahl haben, dann gewinnt derjenige, der häufiger die Höchstwertung bekommen hat.

Und auch der Inhalt des griechischen ESC-Liedes spiegelt die Lage im Land wider: Sie singt von Betrug, Schmerz und Überlebenskampf. Viele Griechen fühlen sich abgehängt und von der Politik, der Europäischen Union (EU) und den internationalen Kreditgebern des Landes betrogen.

Im Text heißt es, passend zu den zähen Verhandlungen Athens mit der EU: „Ich flehe Dich an, mich aus der brennenden Hölle zu retten.“ Mit „was passiert ist, ist nicht fair“ könnte das strikte Spardiktat der internationalen Troika gemeint sein. Am Ende folgt ein langgezogenes „All that I have is one last breath“.

Der Text erscheint wie ein versteckter Hilfeschrei, stellvertretend für das gesamte griechische Volk. Gleichzeitig ist die Ballade ein geschickt getarnter Appell an die Solidarität aller Europäer. Und der Erfolg gibt dem Song recht: Am Dienstagabend qualifizierte sich Kyriakous Song für das ESC-Finale am Samstag in Wien.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Ich Kritisch

20.05.2015, 11:55 Uhr

Zitat: "Sie singt von Betrug, Schmerz und Überlebenskampf"
Das alles passt auch sehr gut zu einer betrogenen Ehefrau :-)

und
es war Griechenland das die Schulden vor Jahren gemacht hat. Für was auch immer der griechische Staat das Geld damals ausgegeben hat, es war eine demokratisch gewählte Regierung. Nun muss das ganze Volk darunter leiden.

Auch die Deutschen leiden seit Jahrzahnten unter einer Regierung die durch Putsch an die Macht kam 1933.

Herr Alexander von Obert

20.05.2015, 12:37 Uhr

Die Griechen haben sich ihre Regierungen selber gewählt. Entweder sie stehen dazu, das als Erwachsene getan zu haben und die Konsequenzen ihres Tuns aushalten. Oder sie sollten danach rufen, wie Kinder an der Hand genommen zu werden.

Ansonsten: Die Griechenland-Krise gibt es seit 5 Jahren. Zeit genug, seinen Kindern ausreichend Deutsch-Unterricht angedeihen zu lassen und sie zur Ausbildung nach Deutschland zu schicken. Wie es hier zugeht, können sie bei ihren Großeltern erfahren. Oder beim Onkel, der schon seit Jahrzehnten hier lebt.

So lange es bei uns weniger als 30.000 griechische Lehrlinge gibt, nehme ich die Klagen aus Griechenland nicht wirklich ernst.

Doro Mann

20.05.2015, 18:37 Uhr

Das ist mit Sicherheit kein Hilfeschrei an Europa, sondern wieder einmal eine neue unverschämte Finte, um billig anderen Leuten ihr Geld aus der Tasche zu ziehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×