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23.05.2015

11:08 Uhr

Eurovision Song Contest in Wien

Es gibt kein Entkommen

VonKai-Hinrich Renner, Hans-Peter Siebenhaar

Spanien, Australien und Schweden gelten als Favoriten für einen Sieg in Wien. Die deutsche Kandidatin Ann Sophie gibt sich bescheiden. Die größte Unterhaltungsshow der Welt euphorisiert Wien und den ORF.

Die Titelverteidigerin des Eurovision Song Contests, Conchita Wurst, steigt von der Decke herab: In Wien herrscht Ausnahmestimmung. AFP

Die Wurst hängt von der Decke

Die Titelverteidigerin des Eurovision Song Contests, Conchita Wurst, steigt von der Decke herab: In Wien herrscht Ausnahmestimmung.

WienEin Entkommen vom Eurovision Song Contest (ESC) gibt es in Wien nicht. Fans ziehen mit Nationalflaggen durch die Zwei-Millionen-Metropole, vor dem Rathaus treffen sich Tausende um ihre Kandidaten zu feiern. Am Samstagabend treten in der Wiener Stadthalle die Finalisten aus 27 Nationen in der größten Unterhaltungsshow der Welt an, um die Nachfolge von Conchita Wurst anzutreten.

Unter Experten gelten Spanien, Australien und Schweden als die Favoriten für den begehrten Titel. Während die Iberer mit der schönen Sängern Edurne mit ihrem Lieg „Amanecer“ (Morgengrauen) auftrumpfen,  bieten der Australier Guy Sebastian eine sympathische Ballade und der Schwede Mans Zelmerlöw die besten Bühnenshow.

Die deutsche Kandidatin Ann Sophie gibt sich unterdessen bescheiden. „Ich würde mich sehr wünschen, unter den ersten Zehn zu landen“, sagte sie. Die Hamburgerin startet mit ihrem Song „Black Smoke“ für Deutschland in Wien, weil der Rocksänger Andreas Kümmert auf eine Teilnahme versichert hat.  „Bei deinem Potenzial bin ich überzeugt, dass du uns europaweit ganz viele Punkte einsammeln wirst!“, sagte der Musikkollege an die Adresse von Ann Sophie.  Sie wird am Samstagabend auf Platz 17 zwischen Montenegro und Polen mit ihrem Song antreten.

Kleine Regelkunde zum ESC

Immer dabei

Einen garantierten Startplatz im Finale haben traditionell die größten Eurovisions-Geldgeber Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien sowie der jeweilige Gastgeber beziehungsweise Titelverteidiger: in diesem Jahr Österreich.

Ausnahmsweise dabei

Beim Jubiläums-ESC 2015 gibt es allerdings eine Besonderheit: Ausnahmsweise darf Australien - bekannt für seine besonders treuen und engagierten Fans - teilnehmen. Das Land ist gleich für die Endrunde gesetzt worden. Sollte der Kandidat von „Down Under“ auf Platz eins landen, wird die zuständige dortige Rundfunkanstalt im kommenden Jahr den Grand Prix als Mit-Veranstalter in einer europäischen Stadt zusammen mit einem Mitgliedsland der European Broadcasting Union (EBU) organisieren.

Liedlänge

Jeder Wettbewerbssong darf maximal drei Minuten lang sein. Die Sprache kann frei gewählt werden.

Werbung

Politische Botschaften etwa auf T-Shirts oder Bannern, per Handzeichen oder im Songtext sind verboten. Ebenso darf keine Werbung für Produkte oder Unternehmen gemacht werden.

Bühnenshow

Bis zu sechs Menschen ab 16 Jahren, aber keine Tiere, dürfen auf der Bühne sein. Es wird live gesungen, die Musik kommt vom Band.

Punkte

Alle Teilnehmer-Länder dürfen im Finale ihre Punkte vergeben, auch diejenigen, die bereits in den Halbfinals ausgeschieden sind.

Zuschauer

Die Zuschauer können erst dann für ihren Favoriten anrufen oder eine SMS schicken, wenn alle Finalisten gesungen haben.

Wertung

Die Zuschauerwertung eines Landes wird jeweils mit der Wertung einer nationalen fünfköpfigen Fachjury 50:50 verrechnet.

Sieger

Der Sieger des Wettbewerbs steht gegen Mitternacht fest. Sollten mehrere Teilnehmer die gleiche Punktzahl haben, dann gewinnt derjenige, der häufiger die Höchstwertung bekommen hat.

Die Musiktalentshow ist mit erwarteten 100 Millionen Zuschauern die größte Unterhaltungssendung der Welt, die in fünf Kontinente übertragen wird. Eine 43 breite Bühne wird von einem Art Auge aus rund 1300 Einzelstelen umspannt, die per LED die unterschiedlichsten Lichtstimmungen produzieren.

Das Motto des Wettbewerbs ist „Building Bridges“, das für Toleranz und Vielfalt steht. Das angesehene österreichische Institut für Höhere Studien (IHS) schätzt den Werbewert des Sangeswettbewerbs für Österreich auf 100 Millionen Euro. Die Bruttowertschöpfung betrage laut Studie über 38 Millionen Euro.

Ein Sieger des Song Contest steht bereits fest: es ist der ORF. „Der ESC ist das größte Ereignis, das der ORF je organisiert hat. Er ist eine Riesenchance für uns“, sagte Senderchef Alexander Wrabetz dem Handelsblatt in Wien. „Die Veranstaltung wird auf unser Image beim österreichischen TV-Publikum, bei der Medienpolitik, bei den Werbekunden und bei der internationalen TV-Branche einzahlen. Der ESC sie Unterhaltung, die auch zum öffentlich-rechtlichen Auftrag gehört. Aber es sei Unterhaltung mit einer „gewissen Haltung“.

In diesen Tagen sind der ORF und seine Chefetage geradezu euphorisiert. „Wir sind der erfolgreichste öffentlich-rechtliche Sender in Europa. Wir sind die Nummer Eins im Fernsehen, im Radio und im Internet bei den nationalen Angeboten“, verkündet Wrabetz stolz. „Wir haben nicht nur den Oscar, sondern auch den Eurovision Song Contest gewonnen.“

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