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20.01.2014

12:23 Uhr

Ex-Liebhaber bleibt in Haft

Die späte Rache der Susanne Klatten

Deutschlands reichste Frau zwingt ihren Verführer in Beugehaft, obwohl er die reguläre Haftstrafe verbüßt hat. Denn Helg Sgarbi verrät nicht, wo das Geld ist, das er sich von Quandt-Erbin Susanne Klatten erschlichen hat.

Sie will wissen wo ihre Millionen sind: Deutschlands reichste Frau Susanne Klatten. dpa

Sie will wissen wo ihre Millionen sind: Deutschlands reichste Frau Susanne Klatten.

Eigentlich sollte er längst frei sein. Seine sechs Jahre Haft wegen Erpressung hatte der frühere Liebhaber von Deutschlands reichster Frau, Susanne Klatten, im Dezember 2013 abgesessen. Doch Helg Sgarbi hat bislang nicht preisgegeben, wo das Geld geblieben ist, das er sich von der Quandt-Erbin erschlichen hat. Einem Bericht des Spiegels zufolge muss Sgarbi deswegen länger in Haft bleiben.

Klatten hat demnach einen Haftbefehl gegen ihren früheren Liebhaber erwirkt. Sie verhinderte damit, dass der als „Gigolo-Erpresser“ bekannt gewordene Schweizer aus der Haft entlassen wurde. Eigentlich sollte Sgarbi am 12. Dezember 2013 freikommen.

Wie das Magazin weiter berichtet, hatte die 51 Jahre alte Klatten zuvor per Gerichtsvollzieher eine Vermögensauskunft von Sgarbi verlangt, um damit in Erfahrung zu bringen, wo das Geld ist, das er sich von ihr und zwei anderen Frauen erschlichen hatte.

Die Quandt-Dynastie

Emil Quandt

Die Erfolgsgeschichte der Familie begann mit Emil Quandt, dem zielstrebigen Geschäftsführer der Tuchfabrik Draeger. Dank harter Arbeit und der Ehe mit einer Tuchmacher-Tochter galt er zwar als gesellschaftlich arriviert, dennoch war seine Karriere eher unspektakulär. Aber durch eine präzise Nachfolgeregelung legte Emil den Grundstein für den heutigen Familienbesitz.

Günther Quandt (1881-1954)

Günther Quandt war der älteste Sohn von Emil und ein ganz anderes Naturell als sein Vater. Wo der vorsichtig agierte, griff Günther zu. Er trat energisch auf und wirkte sehr bestimmend auf seine beiden jüngeren Brüder. Der Rahmen eines brandenburgischen Textilherstellers wurde ihm rasch zu eng. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg erweiterte er das Unternehmen und danach dehnte er es vor allem durch geschickte Aktiengeschäfte immer weiter aus.

Antonie Ewald (1884-1918)

Günther Quandts erste Ehefrau, die weit ihrer Zeit verschied. Sie zeugte ihm die Kinder Herbert und Hellmut.

Magda Ritschel (1901-1945)

Günthers zweite Ehefrau. Sie ließ sich 1929 scheiden und heiratete zwei Jahre später Joseph Goebbels. Aus der Ehe mit Günther entsprang ein Kind, Harald Quandt. Seine sechs Halbgeschwister tötete Magda 1945 im Führerbunker, damit sie den Untergang der Nazis nicht erleben mussten.

Joseph Goebbels

Mit vielen Nazis pflegte Günther Quandt gute Kontakte, aber Joseph Goebbels hasste er. Die Feindschaft der beiden gründete sich in der Tatsache, dass Goebbels Quandts erste Ehefrau Magda Ritschel geheiratet hatte und es nun einen Rosenkrieg um Harald Quandt gab, den gemeinsamen von Günther und Magda.

Hellmut Quandt (1908-1927)

Günther Quandt hatte seinen ältesten Sohn Hellmut für die Unternehmensnachfolge vorgesehen. Als dieser 1927 unerwartet starb, musste Herbert in die Bresche springen.

Herbert Quandt (1910-1982)

Herbert war als jüngerer Bruder Hellmuts ursprünglich nicht für die Unternehmensnachfolge vorgesehen gewesen, musste 1927 dann aber umso eiliger vorbereitet werden. Er litt unter einem Augenleiden. Dennoch übernahm er seit Kriegsbeginn zunehmend unternehmerische Verantwortung und stand mit dem talentierten Horst Pavel im Machtkampf um die zukünftige Führung. Auch Herbert trat der NSDAP bei und gab sich opportunistisch. Er erbte das Konglomerat 1954 gemeinsam mit seinem Bruder Harald.

Harald Quandt (1921-1967)

Harald war der Sohn von Günther Quandt und Magda Ritschel, wurde aber nach der Scheidung und ihrer Hochzeit mit Joseph Goebbels 1931 im Haus des Reichspropagandaministers erzogen. Als Harald volljährig wurde, ging er zur Wehrmacht. Nach Verwundung und Kriegsgefangenschaft schlug er die vorgezeichnete Berufslaufbahn in den Quandt-Fabriken erst nach dem Kriegsende ein.

Ursel Müstermann

Herbert Quandts erste Ehefrau, sie ließen sich 1940 scheiden. 1937 wurde ihre Tochter Silvia Quandt geboren.

Liselotte Blobelt

Von seiner zweiten Ehefrau ließ sich Herbert Quandt 1959 scheiden. Sie hatten gemeinsam drei Kinder: Sonja Quanft-Wolf (geboren 1951), Sabina Quandt (1953) und Sven Quandt (1956).

Johanna Bruhn

Die 1926 geborene Johanna Bruhn war Herbert Quandts dritte Ehefrau und blieb es bis zu seinem Tod 1982. Mit ihr hatte er die Kinder Susanne Klatten (1962) und Stefan Quandt (1966).

Susanne Klatten

Susanne Klatten gilt als die reichste Frau Deutschlands, weltweit führt sie Forbes auf Rang 44. Ihr Vermögen wird auf knapp 15 Milliarden Dollar geschätzt. 1982 erbten sie das Vermögen von ihrem Vater Herbert – gemeinsam mit ihrer Mutter.

Stefan Quandt

Auch Stefan Quandt gehört zu den reichsten Deutschen. Sein Vermögen wird auf knapp elf Milliarden Dollar geschätzt. In der Forbes-Liste liegt er weltweit auf Rang 72. Der gelernte Wirtschaftsingenieur bündelt seine Aktivitäten in der 1993 gegründeten Holding Delton.

Weil Sgarbi dazu nicht bereit war, erließ das Amtsgericht Landsberg am Lech auf Klattens Antrag Erzwingungshaft. Sollte Sgarbi weiter schweigen, muss er noch sechs Monate lang im Gefängnis bleiben. Zurzeit sitzt der 48-Jährige in der Haftanstalt Lörrach, von wo aus er eigentlich in die Schweiz abgeschoben werden sollte.

Susanne Klatten, Erbin der Industriellenfamilie Quandt, war 2007 bei intimen Treffen mit Helg Sgarbi in einem Münchner Hotel fotografiert und gefilmt worden, mit dem Material sollte die Milliardärin dann erpresst werden.

Der Schweizer war im Januar 2008 in Österreich festgenommen worden. Klatten, verheiratete Mutter dreier Kinder, hatte Strafanzeige erstattet, wie ein Sprecher Klattens damals bestätigte. Sie habe sich zu der Anzeige entschieden, weil sie erkannt habe, dass die Beziehung zu dem mutmaßlichen Erpresser einen ausschließlich kriminellen Hintergrund gehabt habe. Das Ziel sei von Anfang an gewesen, „sie zu betrügen und Geld zu erpressen“.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ damals berichtete, war die damals 46-Jährige über Monate hinweg mit Filmen von ihren erotischen Zusammenkünften mit einem Schweizer Gigolo erpresst worden. Das Umfeld der Quandt-Familie habe bestätigt, dass es laufende Ermittlungen nach einer Anzeige von Klatten gegeben habe. Vorher seien 7,5 Millionen Euro an das Netz italienisch-schweizerischer Erpresser geflossen, das jedoch immer mehr Geld gefordert habe.

Kommentare (23)

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Anonym

20.01.2014, 13:05 Uhr

Respekt, Frau Klatten.

Ich ziehe meinen Hut vor so viel Mut und Konsequenz.

Schön zu sehen, dass die charakterlosen Täter weitere Zeit bekommen, über ihr niederträchtiges Verhälten nachdenken zu dürfen.

So werden hoffentlich andere Frauen vor diesen Typen geschützt.

Account gelöscht!

20.01.2014, 14:14 Uhr

1 Jahr Knast für eine Million, ein gutes Geschäft. Dem Kerl gehört lebenslange Beugehaft. Verhörmethoden vom CIA würden Abhilfe schaffen.

maximilian@baehring.at

20.01.2014, 14:19 Uhr

Was hat das wohl wieder gekostet?

Ich erinnnere mich noch an die Justitia der man 2002 das Schild "Ich bin käuflich" umgehängt hatte am Juridicum der Unversität Frankfurt a.M.! Im OLG Bezirk Frankfurt a.M. wird ja nicht mal mehr ermittelt wenn man nicht in Vorauskasse tritt. (AZ: 992 Bs 7/13 AG Frankfurt a.M.)

~~~

"Wenn fünf Füchse und ein Hase abstimmen, was es zum Abendessen geben soll, ist das 'vielleicht Demokratie', aber die Hasenrechte werden dabei unter den Tisch gekehrt." - http://www.zeit.de/2012/01/Martenstein

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