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23.10.2011

09:40 Uhr

Export-Schlager

Deutsche Verkehrsschilder in der Türkei

Als eine kleine türkische Schwarzmeergemeinde neue Verkehrsschilder an ihren Straßen anbrachte, machte sie damit landesweit Schlagzeilen. Denn Dereköseler erhielt deutsche Verkehrsschilder, zusätzlich zu den türkischen.

IstanbulViele der rund tausend Deutsch-Türken, die jedes Jahr im Sommerurlaub die alte Heimat ihrer Familien in der Gegend besuchten, fänden sich dank der deutschen Schilder viel besser zurecht als vorher, sagte Bürgermeister Cemil Kanoglu jetzt der Nachrichtenagentur AFP. „Die haben es dadurch mit der Orientierung leichter und sind sehr froh." Die deutschen Schilder sind ausrangierte Exemplare aus der Bundesrepublik, die von den Deutsch-Türken gekauft und mitgebracht wurden. „Jetzt hängen sie neben den türkischen Schildern."

Die ungewöhnliche Initiative in Dereköseler ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr die vor 50 Jahren begonnene Arbeitsmigration aus der Türkei nach Deutschland das Land zwischen Bosporus und Ararat geprägt hat. Ob man in Istanbul mit dem Taxifahrer, dem Krämer an der Ecke oder dem Tankwart spricht - fast jeder hat Verwandte oder Bekannte, die in „Almanya" waren oder noch dort sind.

Alles begann 1961. Nach der Unterzeichnung des m deutsch-türkischen Anwerbeabkommens am 30. Oktober rollten damals die ersten Züge mit türkischen Arbeitern aus Istanbul nach Deutschland - sie alle wollten bald wieder heimkehren, „mit Geld für einen Acker, einen Traktor oder ein Haus", wie es das türkische Magazin „Aksyion" kürzlich formulierte. Niemand konnte sich damals vorstellen, dass die Bundesrepublik zu einer neuen dauerhaften Heimat für Millionen Türken werden würde. Weder auf türkischer, noch auf deutscher Seite.

Ausrangierte Verkehrsschilder aus Deutschland sollen deutschen Urlaubern in der Türkei helfen, sich zurecht zu finden. dpa

Ausrangierte Verkehrsschilder aus Deutschland sollen deutschen Urlaubern in der Türkei helfen, sich zurecht zu finden.

Ein halbes Jahrhundert später wissen Normalbürger und Politiker beider Länder - vom türkischen Dorfbürgermeister Kanoglu bis zum deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff - dass alles ganz anders gekommen ist. Die „Gastarbeiter" sind geblieben. Heute leben rund 1,8 Millionen Türken und etwa 700.000 türkischstämmige Deutsche in der Bundesrepublik. Der türkische Präsident Abdullah Gül rief sie erst kürzlich wieder auf, sie sollten fleißig Deutsch lernen. „Ein Mensch kann zwei Muttersprachen haben."

Dieses relativ distanzierte Verhältnis der Türkei zu ihren Bürgern im Ausland ist neu. Lange Zeit betrachteten die Türken die Auswanderer als wichtige Devisenbringer für die alte Heimat, selbst Türken mit deutschem Pass wurden als Fußsoldaten Ankaras gesehen. So fanden türkische Politiker vor der Bundestagswahl 1998 nichts dabei, die Deutschtürken offen zur Stimmabgabe gegen die CDU/CSU aufzurufen, weil die damalige Regierung von Helmut Kohl gegen einen EU-Beitritt der Türkei war. Heute sind Gül und andere davon überzeugt, dass eine gute Integration der Türken in Deutschland langfristig der Türkei selbst nützt.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

23.10.2011, 13:37 Uhr

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"Und wenn sie im Sommer in den Ferien in die Türkei kommen."

Ich befürchte daß sie demnächst noch ein Visum beantragen müssen, im Gegensatz zu ihre deutschen Mitbürger.
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manfred

23.10.2011, 17:54 Uhr

Ich habe dazu eine Frage:

Welchen Unterschied haben deutsche Verkehrszeichen zu den türkischen?

Gruß manfred

Account gelöscht!

23.10.2011, 18:58 Uhr

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Ein Politiker würde jetzt sagen,
diese Frage kann nicht abschließend beantwortet werden.

Man könnte aber auch antworten,
wer aus Deutschland kommt und wenig Hirn besitzt, meint gerade aus dem Paradies zu kommen. Also denkt er auch, alles was er mitnimt entstammt dem Paradies.
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