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22.02.2012

17:19 Uhr

Facebook-Richtlinien

Brüste verboten, Blut erlaubt

VonTina Halberschmidt, Désirée Linde

Brüste sind verboten, tiefe Wunden nicht: Facebook hat Richtlinien niedergeschrieben, was nicht gezeigt werden darf. Gerade wurde die Seite des Branchendienstes Meedia zensiert. Grund: Er zeigte ein „Titanic"-Cover.

Wegen des legendären „Titanic"-Covers „Zwei gute Gründe für Hamm-Brücher" löschte Facebook die Meedia-Seite. screenshot/Meedia

Wegen des legendären „Titanic"-Covers „Zwei gute Gründe für Hamm-Brücher" löschte Facebook die Meedia-Seite.

DüsseldorfDas Foto einer Mutter, die ihr Kind mit blanker Brust stillt, ist anstößig und wird gelöscht, aber tiefe Fleischwunden dürfen gezeigt werden: Facebooks Richtlinien sind ständig im Wandel und enthüllen die amerikanische geprägte Weltanschauung des größten sozialen Netzwerks.

Hey, Facebook, Stillen ist nicht obszön!“ So nennt sich eine Facebook-Gruppe, in der sich fast 6.000 Nutzer international organisiert haben. Gemeinsam wehren sich die Mütter (und auch) Väter gegen die Vorgaben des weltweit größten sozialen Netzwerks.

Denn das mag keine Profilfotos, auf denen Babys mit blanker Brust gestillt werden. Entsprechende Schnappschüsse seien als „obszön“ gemeldet und daraufhin entfernt, die User aufgefordert worden, keine Baby-und-Brust-Bilder mehr online zu stellen, heißt es auf der Gruppenseite.

Tatsächlich verstoßen Fotos stillender Mütter, deren Brustwarzen deutlich zu erkennen sind, gegen die Facebook-Richtlinien. Erlaubt sind indes Abbildungen von gebrochenen Körpergliedern, wenn keine „Insides“ herausschauen, Bilder tiefer Fleischwunden und zerquetschter Köpfe. So jedenfalls steht es in einem 13-seitigen, internen Manual, das unlängst auf dem US-Blog gawker.com auftauchte.

Das Regelwerk mit dem Titel „Abuse Standards 6.2“ gibt Mitarbeitern eines Social-Media-Dienstleisters, der für Facebook arbeitet, die aktuellen Kriterien vor, nach denen Bilder, Videos und Postings gelöscht werden können, sobald sich Nutzer beschweren. Nach Meinung des britischen Journalisten Charles Arthur („The Guardian“) enthüllt es die durch und durch amerikanisch geprägte Weltanschauung Facebooks: Sex verboten, Blut akzeptiert.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

22.02.2012, 19:19 Uhr

Das Amt des Zensors - oder, der Rausch der Macht

Ich verweise dazu nur auf das Videoportal 'youtube' und deren Community Richtlinien: da werden manchmal schon Videos mit nackten Damen Oberschenkeln zensiert, weil es 'sexuellen Content' enthält.

Im übrigen sind Zensoren Menschen mit Neigungen und Prägungen, die ihre persönliche Weltanschauung gerne mal über den Zensor-Button (mit)herrschen lassen.

Wie sonst sollte man es sich erklären, dass Videos gleichen Inhalts, einmal gelöscht ohne Kontowarnung, einmal gelöscht mit Kontowarnung, sowie einmal nur mit Altersbeschränkung versehen werden?

Ich weiss, wovon ich rede, denn ich habe den Test mehrmals gemacht, über einen langen Zeitraum hinweg.

Eben genau wegen dieser Zensur Willkür, die mir auffiel - ich wollte es einfach mal wissen.

Community Richtlinien sind in Ordnung, nicht aber nach Lust und Laune des Zensors.

Ein Zensor ist ein Richter - und genau so sollte er auch seine Arbeit verrichten und nicht wie ein Student, der mal eben eingewiesen wurde und mit dem schnellen Finger über Leben und Tod eines Online Nutzers entscheiden darf.

nonprofit

22.02.2012, 19:48 Uhr

vermutlich stören die Ti**en die Gesichtserkennung...

ratio_legis

22.02.2012, 20:22 Uhr

Als ich in Indonesien war, hat man ständig stillende Frauen gesehen. EInmal saß mir in einem kleinen Angkutan eine direkt gegenüber und hat "blank gezogen" um ihr Kind zu stillen und das im größten moslemischen Land der Welt...aber man kennt sie ja die berühmte Doppelmoral der Amis.

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