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21.10.2014

12:55 Uhr

Fahrlässige Tötung

Fünf Jahre Gefängnis für Oscar Pistorius

Ein monatelanger Strafprozess ist vorerst abgeschlossen. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit wurde der Paralympics-Star Oscar Pistorius zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt.

Gerichtsurteil

Fünf Jahre Haft für Pistorius

Gerichtsurteil: Fünf Jahre Haft für Pistorius

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PretoriaWegen der fahrlässigen Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp ist Südafrikas Paralympics-Star Oscar Pistorius zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Richterin Thokozile Masipa verkündete das Strafmaß am Dienstag in Pretoria. Außerdem verurteilte sie Pistorius zu drei Jahren Haft wegen rücksichtsloser Benutzung einer Waffe. Dieser Teil der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Pistorius folgte der mehr als einstündigen Verlesung mit ausdruckslosem Gesicht. Nach dem Urteilsspruch wischte er sich Tränen aus dem Gesicht. Beide Seiten können gegen die Entscheidung noch Berufung einlegen. Sie haben dafür bis zu zwei Wochen Zeit. Ein Berufungsverfahren würde die Vollstreckung der Gefängnisstrafe bis zur Entscheidung durch das Oberste Gericht Südafrikas aussetzen.

Pistorius akzeptiert allerdings nach Auskunft seiner Familie die Verurteilung. „Oscar wird diese Möglichkeit nutzen, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben“, sagte sein Onkel Arnold Pistorius. Die Anklage hatte zuvor eine mindestens zehnjährige Haftstrafe verlangt. Die Verteidigung hatte gefordert, dem 27-jährigen Behindertensportler wegen aufrichtiger Reue das Gefängnis zu ersparen und ihm lediglich Hausarrest aufzuerlegen.

Der Fall Pistorius – eine Chronologie

14./ 15. Februar 2013

Nach tödlichen Schüssen auf seine Freundin Reeva Steenkamp wird Pistorius festgenommen. Wegen Mordverdachts erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage.



19. Februar

Er habe geglaubt, auf Einbrecher zu schießen, beteuert der behinderte Profisportler. „Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten“, heißt es in einer Erklärung.

Der 26-jährige beinamputierte Paralympics-Star erschoss - so viel ist unumstritten - am Valentinstag seine Freundin Reeva Steenkamp durch die geschlossene Badezimmertür. Er selbst gibt an, sie versehentlich getötet zu haben, da er sie für einen Einbrecher gehalten habe. Die Staatsanwaltschaft sieht hingegen einen vorsätzlichen Mord nach einem Streit des Paares.

20. Februar

Die Ermittler hätten das Dopingmittel Testosteron und mehrere Spritzen in Pistorius' Schlafzimmerschrank gefunden, teilt die Polizei mit. Sein Anwalt beteuert, es handele sich um pflanzliche Arzneimittel.

Dem jungen Athleten wird noch ein weiterer Anklagepunkt vorgehalten, nämlich illegaler Besitz von Munition. Vorab waren in südafrikanischen Medien auch noch andere Vorwürfe genannt worden. So soll Pistorius zwei Mal in der Öffentlichkeit eine Waffe benutzt haben. Einmal schoss er demnach aus dem offenen Verdeck eines Autos in die Luft und ein anderes Mal ging eine Waffe versehentlich in einem Restaurant los.

21. Februar

Der leitende Polizeiermittler Hilton Botha steht selbst unter dem Verdacht des versuchten Mordes, wie die Polizei bestätigt. Er wird von seinen Aufgaben entbunden.

22. Februar

Pistorius kommt gegen Kaution und Auflagen überraschend frei. Der Richter kritisiert Staatsanwaltschaft und Polizei: Es gebe keine klaren Beweise für eine vorsätzliche Tat. Aber auch Pistorius' Aussage sei widersprüchlich. Der Prozess soll am 4. Juni beginnen.

14. April

Der mordverdächtige Paralympics-Star vergnügt sich nach Berichten südafrikanischer Medien wieder auf Partys.

4. Juni

Der Prozess wird auf den 19. August vertagt. Weitere Ermittlungen seien notwendig, erklärt das Magistratsgericht in Pretoria. Pistorius bleibt auf freiem Fuß.

14. August

Die Polizei schließt ihre Ermittlungen ab. Polizeisprecher Generalleutnant Solomon Makgale teilte mit, Ermittler, Experten für Forensik und Ballistik, Psychologen und Techniker seien mit dem Fall betraut gewesen und seien zuversichtlich, genügend Beweise gegen Pistorius gesammelt zu haben.
Zu den wichtigsten Beweismitteln dürften Telefondaten sowie die Ergebnisse einer Untersuchung der Badezimmertür sein, durch die Pistorius seine Freundin mit mehreren Schüssen getötet hatte. Vor allem die Einschusswinkel dürften Aufschluss darüber geben, ob Pistorius auf seinen Beinstümpfen stand, wie er selbst behauptet, oder ob er seine Prothesen trug, wovon die Anklage ausgeht.

19. August

Der Richter gibt bekannt, dass Pistorius sich ab dem 3. März 2014 wegen vorsätzlichen Mordes vor Gericht verantworten muss.

3. März 2014

Prozessauftakt: Der High Court in der Hauptstadt Pretoria befasst sich mit dem Fall. Sollte das Gericht Pistorius schuldig sprechen, droht dem Sportler lebenslang - was in Südafrika eine Mindesthaftstrafe von 25 Jahren bedeutet. Damit dürfte er frühestens mit Anfang 50 aus dem Gefängnis entlassen werden. In Südafrika gibt es keine Todesstrafe.

10. März

10. und 13. März: Pistorius übergibt sich bei der Verlesung des Autopsieberichts und als auf dem Bildschirm im Gerichtssaal eine Aufnahme von Steenkamps Leiche erscheint.

7. bis 15. April

Pistorius beginnt seine Aussage mit einer Entschuldigung bei Steenkamps Familie. Immer wieder bricht er im Kreuzverhör in Tränen aus und verwickelt sich auch in Widersprüche. Er bleibt aber dabei, dass er zwar geschossen hat, jedoch nicht wusste, dass sich Steenkamp in der Toilette aufhielt.

30. Juni

Nach sechswöchiger Unterbrechung, in der sich Pistorius psychiatrischen Untersuchungen unterziehen musste, erklären drei Psychiater und ein Psychologe übereinstimmend, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig war.

11. und 12. September

Richterin Thokozile Masipa spricht Pistorius von den Vorwürfen des Mordes und des Totschlags frei. Er wird wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässigen Waffengebrauchs in einem Fall schuldig gesprochen, das Strafmaß wird noch nicht verkündet. Es liegt allein im Ermessen der Richterin.

17. Oktober

Nach viertägigen Anhörungen zum Strafmaß fordert die Staatsanwaltschaft mindestens zehn Jahre Haft. Die Verteidigung plädiert auf Hausarrest sowie gemeinnützige Arbeit.

21. Oktober

Richterin Thokozile Masipa verurteilt Pistorius wegen der tödlichen Schüsse zu fünf Jahren Haft. Für den fahrlässigen Gebrauch einer Waffe in einem anderen Fall verhängt sie außerdem drei Jahre Haft auf Bewährung gegen den 27-Jährigen. Er wird nach der Strafmaßverkündung sofort ins Gefängnis gebracht.

Pistorius hatte seine 29-jährige Freundin in der Valentinsnacht 2013 durch eine geschlossene Toilettentür seiner Villa bei Pretoria erschossen. Vor Gericht beteuerte er später, die Person hinter der Tür für einen Einbrecher gehalten zu haben.

Die Richterin akzeptierte diese Erklärung des beinamputierten Sportlers und wies die Mordanklage der Staatsanwaltschaft zurück. Stattdessen befand sie ihn am 12. September lediglich der fahrlässigen Tötung schuldig.

Von

dpa

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