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05.06.2015

14:50 Uhr

Fahrradfahren in London

„Nur“ 13 Todesfälle im letzten Jahr

VonKatharina Slodczyk

Erstmals sind Todesfälle und Verletzungen unter Fahrradfahrern in London gesunken. Laut Aktivisten ist die Unfallstatisktik aber dennoch „inakzeptabel hoch“. Der Bürgermeister setzt auf neue „Cycle Superhighways“.

Londons Bürgermeister Boris Johnson am Westminster Boating Base in London: „Diese Zahlen sind ungemein motivierend.“ ap

Boris auf dem Bike

Londons Bürgermeister Boris Johnson am Westminster Boating Base in London: „Diese Zahlen sind ungemein motivierend.“

Strubbelige blonde Haare, ein abgetragener Rucksack auf dem Rücken und ein Fahrradhelm in der Hand, zuletzt in knallgrün – so lässt sich Boris Johnson, Londons Bürgermeister, gerne fotografieren. Und so unterstreicht er gerne die Botschaft, für die er seit seinem Amtsantritt 2008 steht: Johnson will die Stadt für Menschen auf zwei Rädern sicherer machen.

Er ist im vergangenen Jahr dabei offenbar ein Stück vorangekommen, wie neue Statistiken zeigen. Allerdings reicht das noch lange nicht. So ist die Zahl der tödlich verunglückten und schwer verletzten Fahrradfahrer 2014 auf 432 gefallen – ein Rückgang von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie jetzt veröffentlichte Zahlen des Nahverkehrsbetreibers Transport for London (TfL) zeigen. Darunter waren 13 Todesfälle, ein Fall weniger als im Jahr zuvor.

Gleichzeitig sind so viele Fahrradfahrer auf Londons Straßen unterwegs wie noch nie. Täglich gibt es 610.000 Fahrten. Das ist laut TfL ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2013. „Diese Zahlen sind ungemein motivierend“, sagte Johnson , „und sie werden noch mehr Menschen das Selbstvertrauen geben, aufs Rad zu steigen.“

Organisationen, die sich für mehr Fahrradwege und bessere Bedingungen in Londons Verkehr stark machen wie die London Cycling Campaign sehen das bei weitem nicht so positiv. Sie halten die Zahl der Todesfälle noch immer für „inakzeptabel hoch“. So ist diese Woche eine Fahrradfahrerin tödlich in der britischen Hauptstadt verunglückt, was die Zahl der Todesfälle auf sechs erhöht.

Die wichtigsten Infos zum Fahrrad-Navi

Zielgruppe

Radfahrer mit sportlichen Ambitionen (Rennrad, Mountainbike), auch für mehrtägige Radreisen geeignet.

Funktionen

Navigationsgerät und Fahrradcomputer in einem. Zeigt zum einen den Weg an, zum anderen Geschwindigkeit, Distanz, Höhenmeter, Steigung und mehr (über 70 Werte). Zubehör ermöglicht die Aufzeichnung von Puls, Trittfrequenz und Leistung. Mehr braucht auch ein Profi nicht.

Internet-Verbindung

Die wahrscheinlich wichtigste Verbesserung zum Vorgängermodell: Das Gerät ist online. Verbindung per Bluetooth zu PC oder Smartphone. Touren und Trainingsdaten lassen sich über Garmin Connect Mobile automatisch hochladen und weitergeben, zum Beispiel auf Facebook und Twitter. Live Tracking ermöglicht anderen, eine Tour in Echtzeit mitzuverfolgen. Umgekehrt lassen sich z.B. Wetterdaten unterwegs abrufen.

Bedienung

Der Touchscreen funktioniert auch mit Handschuhen und bei Nässe. „Wischen“ durch die Menüs wie beim Smartphone, allerdings ist der Touchscreen weniger empfindlich – im Guten wie im Schlechten. Vorteil: sehr robust, spritzwassergeschützt. Nachteil: erfordert stärkeren Druck.

Menüführung

Im Vergleich zum Vorgängermodell verbessert, deutlich aufgeräumter, allerdings an manchen Punkten immer noch nicht intuitiv. Die Fülle an Funktionen kann Einsteiger schnell überfordern. Unbedingt die Anleitung studieren.

Bildschirm

Auflösung und Kontrast sind okay, aber auch nicht mehr. Kein Vergleich zu einem Smartphone in der Preisklasse. Bei direkter Sonneneinstrahlung spiegelt das Display des Garmin Edge.

Karten

Eine Karte ist nicht vorinstalliert. Man kann eine vom Hersteller dazukaufen (z.B. Topo Deutschland). Eine sehr gute Alternative sind Open Street Maps (OSM), die es kostenlos um Internet gibt.

Akku

Der Hersteller gibt die Laufzeit mit 17 Stunden an. Mit eingeschaltetem Bluetooth und Live Tracking hält das Gerät einige Stunden weniger durch. Das reicht aber locker für eine Tagestour ohne Nachladen. Manches Smartphone macht bei durchgehend eingeschaltetem Display und GPS früher schlapp.

Größe

Das Gerät wirkt auch an einem filigranen Rennrad nicht klobig, ein klarer Vorteil gegenüber einem Smartphone. Display: 2,6 Zoll. Abmessungen: 93x53x25mm. Gewicht: 98 Gramm.

Halterung

Die Halterung lässt sich schnell und unkompliziert montieren, entweder am Vorbau des Rades oder mit Aero-Lenkerhalterung weiter vorne im Sichtfeld. Das Gerät hält bombenfest.

Preis

Laut Hersteller kostet das Gerät 449 Euro (ohne Zubehör), im Internet zurzeit ab 389,90 Euro. Mit Zubehör (z.B. Herz- oder Trittfrequenz-Sensor) und Kartenmaterial von Garmin sind es mehr als 500 Euro.

Fahrradaktivisten kritisieren auch den aufsteigenden Trend bei Unfällen mit leichten Verletzungen. So ist diese Zahl im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 4.714 gestiegen. Londons Bürgermeister räumte daher ein: „Ja, wir müssen noch mehr tun.“

Dazu gehört etwa sein Vorhaben, den Bau von Fahrradschnellstraßen, den so genannten „Cycle Superhighways“, voranzutreiben. Für zwei besonders wichtige Trassen, die den Norden und Süden der Stadt verbinden sowie den Osten und Westen, hat er im Frühjahr den Startschuss gegeben. Umgerechnet mehr als 200 Millionen Euro lässt er sich das Projekt kosten.

Was Fahrradfahren in London bisher im Vergleich zu Städten wie etwa Amsterdam und Kopenhagen deutlich unangenehmer macht, ist der Mangel an Fahrradwegen. Häufig teilen sich Radler die Straße mit Bussen und Lastwagen, Taxis und allen anderen Autos. Dennoch hat die Zahl der täglichen Fahrradfahrten sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Der Anteil derer, die auf ihren zwei Rädern zur Arbeit fahren, liegt mit zwei Prozent aber im Durchschnitt noch vergleichsweise niedrig. Nur in Stadtteilen wie Hackney im Osten von London leben mehr Menschen, die mit dem Rad zum Job pendeln. Dort sind es neun Prozent.

In Amsterdam fällt die Zahl mit mehr als 40 Prozent aber deutlich höher aus. In Kopenhagen liegt der Anteil bei mehr als 30 Prozent.

Die Cycle Superhighways in London sollen das Radfahren sicherer machen, indem sie Radler stärker von Autos und Lastwagen abtrennen. Dafür werden auch etliche Kreuzungen neu gestaltet und einige Parkplätze abgeschafft, um Platz für die Fahrradschnellstraßen zu schaffen. Auch andere Städte wie etwa New York haben in den vergangenen Jahren ähnliche Pläne verwirklicht, um attraktiver für Radfahrer zu werden – vor allem für die weiblichen und die älteren Radler. Dasselbe Ziel verfolgt Londons Bürgermeister, denn das Gros der Radfahrer in der britischen Hauptstadt sind bisher jüngere Männer.

Die wichtigsten Tipps zur Fahrrad-Wartung

Gutes Werkzeug, gute Arbeit

Fahrräder sind in den vergangenen Jahren viel besser, aber damit auch komplexer geworden, sagt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). "Richtigen Laien würde ich nur empfehlen, die Kette zu ölen und die Luft aufzupumpen." Neben Schrauberwissen sind meist auch spezielle Werkzeuge für die Reparatur nötig. "Ohne einen präzisen Drehmomentschlüssel geht zum Beispiel bei modernen Rädern nichts."

Prüfstellen

Die wichtigsten Prüfstellen bei der Wartung sind Räder, Bremsen, Licht und Schaltung. Die Bremsen müssen gut greifen, Felgenflanken und Bremsscheiben ausreichend dick sein.

Bei der Lichtanlage können die Kabel brüchig und die Lampengläser trüb werden oder die Kontakte oxidieren.

Die Gänge der Schaltung müssen sauber einrasten, die Kette sollte geschmeidig laufen. Außerdem sollte nichts klappern, Rost oder Schmutz sind ebenfalls schlecht.

Risse?

Für technikaffine Radler haben Fahrrad-Experten Tipps für die systematische Wartung. Nach gründlicher Reinigung steht erst einmal die Suche nach Rissen, Verformungen oder anderen Auffälligkeiten am Fahrrad an.

Danach am besten prüfen, ob alle Schrauben fest sitzen. Bei Bedarf wird vorsichtig nachgezogen.

Anschließend die Beleuchtung testen: Sitzen die Stecker des Lichtkabels an den Leuchten und am Dynamo fest? Sind alle Reflektoren an ihrem Platz und intakt?

Räder

Der optimale Reifendruck steht auf der Reifenflanke. Ist er zu niedrig, erhöht das den Verschleiß des Materials. Oft vernachlässigt wird das seitliche Karkassengewebe. Die Karkasse ist das tragende Gerüst im Gummireifen. Werden die Reifen mit zu wenig Luftdruck gefahren, besteht die Gefahr, dass das Gewebe aufreißt. Wenn die Reifenflanke Längsrisse hat, ist Vorsicht geboten - dann droht der Reifen zu platzen.

Kette

Besonderes Augenmerk gilt der Kette. Sie muss von grobem Schmutz befreit und mit Kettenöl oder -fließfett von innen an den Laschen geschmiert werden. Am Antrieb verschleißen auch Ritzel und Kettenblätter. Ihr Austausch ist nur etwas für geübte Schrauber.

Bremse

Den Zustand von Bremsbelägen können auch Laien beurteilen: Sind die Querrillen der Bremsklötze nicht mehr deutlich zu erkennen, müssen die Klötze erneuert werden. Eine durchgebremste Felge bleibt dagegen oft unbemerkt. Durch den Druck im Reifen kann sich eine verschlissene Felgenflanke so weit nach außen wölben, dass die Bremse schleift oder bricht.

Bremszüge gehören zu den besonders sensiblen Fahrradbauteilen. Werden die Bremsinnenzüge beim Einbauen nicht gut gefettet, können sie an der Außenhülle stark reiben. Dann nutzen sich die Drahtzüge schnell ab, können reißen - und die Bremse fällt plötzlich aus.

Schaltung

Außenhüllen und Seilzüge der Schaltung sollten wie die der Bremsen ohne Knicke und Beschädigungen verlaufen. Die Drehgriffe oder Schalthebel müssen sich leicht betätigen lassen.

Lager

Außerdem muss das Steuerlager in der Lenkgabel - auch Steuersatz genannt - einwandfrei funktionieren. Das lässt sich folgendermaßen testen: Die vordere Handbremse anziehen und das Rad vor und zurück bewegen. Wenn das Lager lose ist, ist ein deutliches Ruckeln im Lenker zu spüren. Dann sollte das Lager nachjustiert werden - am besten vom Profi.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wer sich diese handwerklichen Arbeiten nicht komplett zutraut, kann in eine Selbsthilfewerkstatt fahren. Dort können Radler eigenständig an ihrem Fahrrad schrauben. Das nötige Werkzeug wird gestellt - und ein paar Tipps vom Fachpersonal gibt es in der Regel noch dazu, wenn Laien bei der Reparatur an die Grenzen ihrer Fähigkeiten geraten.

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