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30.10.2013

16:17 Uhr

Fall Kachelmann

Kein schnelles Ende im Schadenersatzprozess in Sicht

Jörg Kachelmann und seine Ex-Geliebte sind im Zivilverfahren nach rund einem Jahr wieder aufeinandergetroffen. Nach zwei gescheiterten Einigungsversuchen geht der Streit um Schadensersatz in eine weitere Runde.

Vor dem Landgericht in Frankfurt am Main beginnt der Schadenersatzprozess von Jörg Kachelmann gegen seine Ex-Geliebte Claudia D. dpa

Vor dem Landgericht in Frankfurt am Main beginnt der Schadenersatzprozess von Jörg Kachelmann gegen seine Ex-Geliebte Claudia D.

Frankfurt/MainIm Schadenersatzprozess zwischen TV-Moderator Jörg Kachelmann und seiner Ex-Geliebten ist ein schnelles Ende nicht absehbar. Das Landgericht Frankfurt hörte im Zivilverfahren am Mittwoch die beiden Parteien an und räumte ihnen eine Frist zu weiteren schriftlichen Stellungen ein. Nach Einschätzung von Claudia D.s. Anwalt Manfred Zipper könnte es zu einer neuen Beweisaufnahme über die Vergewaltigungsvorwürfe kommen. Am 17. Dezember will die Kammer eine Entscheidung verkünden, wie es in dem Verfahren weiter geht. Kachelmanns Anwälte wollten sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern.

Das Frankfurter Landgericht hatte die Öffentlichkeit kurz nach Verhandlungsbeginn ausgeschlossen. Bei der persönlichen Anhörung könnten auch „absolut geschützte Dinge aus der Intimsphäre“ zur Sprache kommen, sagte der Vorsitzende Richter am Mittwoch. Kachelmann erschien in Begleitung seiner drei Anwälte. Die Beklagte Claudia D. kam zusammen mit einem Anwalt. In einem Strafverfahren war Kachelmann 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden, jetzt will er zivilrechtlich Schadenersatz.

Kachelmann wollte sich am Mittwoch zu dem Verfahren nicht äußern. Auf die Frage, warum er den Prozess führe, antwortete er nur: „Raten Sie mal!“ Der Anwalt von Claudia D., Manfred Zipper, hatte vor Verhandlungsbeginn gesagt, dass es keine neuen Anhaltspunkte für eine angebliche Lüge seiner Mandantin gebe. „Es gibt nichts Neues, was nicht schon im Strafprozess vorgelegt worden ist.“

Der Fall Kachelmann

9. Februar 2010

Die Radiomoderatorin Claudia D. berichtet der Polizei, ihr Freund Jörg Kachelmann habe sie vergewaltigt. Dieser fliegt am selben Tag zu den Olympischen Spielen, bei seiner Rückkehr am 20. März wird er auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen und kommt in Untersuchungshaft.

20. März 2010

Bei seiner Rückkehr wird Kachelmann am Frankfurter Flughafen festgenommen. Er kommt in Untersuchungshaft.

19. Mai 2010

Die Staatsanwaltschaft Mannheim erhebt Anklage wegen des Verdachts der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung.

29. Juli 2010

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hebt den Haftbefehl gegen Kachelmann auf. Es bestehe kein dringender Tatverdacht.

6. September 2010

Der Prozess vor dem Landgericht Mannheim beginnt. Laut Staatsanwaltsanwaltschaft soll Kachelmann seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben.

13. September 2010

Die Staatsanwaltschaft verliest die Anklage. Demnach soll Kachelmann seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben.

20. Dezember 2010

Laut einem Experten des Landeskriminalamts waren weder an der Messerspitze noch am Rücken der Klinge DNA-Spuren.

9. März 2011

Kachelmann heiratet seine Freundin Miriam, eine Psychologie-Studentin.

31. März 2011

Zwei Staatsanwälte berichten, dass Kachelmanns Ex-Geliebte die Ermittler zunächst hartnäckig in einem Punkt belogen hat. Am Tatverdacht ändert das für die Staatsanwälte nichts.

31. Mai 2011

Freispruch - nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten, die Verteidigung Freispruch beantragt.

9. Juni 2011

Kachelmann gibt der „Zeit“ ein Interview. Er betont, dass er unschuldig sei - und kündigt juristische Schritte gegen alle an, die etwas anderes behaupten.

8. Oktober 2012

Das Buch „Recht und Gerechtigkeit“ erscheint. Kachelmann hat es gemeinsam mit seiner Frau Miriam geschrieben. Sie berichten darin über ihre Sicht auf den Prozess.

31. Oktober 2012

Kachelmann fordert in einem Zivilprozess vor dem Frankfurter Landgericht von seiner Ex-Geliebten mehr als 13 000 Euro Schadenersatz für Gutachten, mit denen er sich im Strafprozess verteidigt hat. Dieser und ein zweiter Gütetermin scheitern.

10. Oktober 2012

Das Landgericht Mannheim erlässt eine einstweilige Verfügung gegen den Vertrieb des Buchs, solange Claudia D. mit vollem Namen genannt wird. Kurz darauf wird die Verfügung aufgehoben.

6. November 2012

Das Oberlandesgericht Köln bestätigt in einem Berufungsverfahren ein Verbot bestimmter Äußerungen von Kachelmanns Ex-Freundin.

19. März 2013

Der Bundesgerichtshof weist eine Klage Kachelmanns gegen einen Bericht über Details aus seinem Strafverfahren ab.

23. Dezember 2013

In erster Instanz scheitert Kachelmann vor dem Frankfurter Landgericht. Er fordert wegen Falschaussage 13.000 Euro Gutachterkosten von seiner Ex-Geliebten als Schadenersatz zurück.

13. Januar 2014

Das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) teilt mit, dass Kachelmann Berufung gegen das Urteil eingelegt hat.

Das Landgericht Mannheim hatte Kachelmann im Strafverfahren nach mehr als 40 Verhandlungstagen im Mai 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen, weil auch nach der umfangreichen Beweisaufnahme nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, was in der angeblichen Tatnacht geschehen ist. Das Gericht hatte jedoch auch betont, dies sei „nicht mit dem Nachweis einer intentionalen Falschaussage“ der Ex-Geliebten verbunden.

In dem Frankfurter Zivilverfahren sind zwei Versuche der gütlichen Einigung gescheitert. Der Fernsehmoderator fordert mehr als 13.000 Euro Schadenersatz von seiner Ex-Geliebten für Gutachten, mit denen er sich im Strafprozess verteidigt hatte.

In der Klageschrift argumentiert Kachelmanns Anwältin, Claudia D. habe den Wetterexperten zu Unrecht beschuldigt, um ihn verhaften zu lassen. Deshalb habe sie ihm den daraus resultierenden Schaden zu ersetzen. Sollte Kachelmann Erfolg haben, könnten weitere Forderungen auf seine Ex-Geliebte zukommen. Anders als im Strafprozess liegt die Beweislast nun allerdings bei Kachelmann: Er muss darlegen und beweisen, dass Claudia D. die Unwahrheit gesagt hat.

Von

dpa

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