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03.05.2017

14:01 Uhr

Fall Niklas

Gericht spricht Angeklagten frei

Die Aufklärung der Prügelattacke auf den Schüler Niklas steht nahezu wieder am Anfang. Das Gericht spricht den Angeklagten von dem Vorwurf frei, den 17-Jährigen derart geschlagen und getreten zu haben, dass er starb.

Im Prozess um die tödliche Prügelattacke gibt es einen überraschenden Freispruch. dpa

Fall Niklas

Im Prozess um die tödliche Prügelattacke gibt es einen überraschenden Freispruch.

BonnIm Fall des zu Tode geprügelten Schülers Niklas hat das Landgericht Bonn den Angeklagten freigesprochen. Dagegen verurteilte das Gericht den 21-Jährigen am Mittwoch im Zusammenhang mit einer ganz anderen Schlägerei wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von acht Monaten. Dabei ging es um eine in dem Prozess mitangeklagte Tat und nicht um die Prügelattacke auf Niklas.

Der Fall des 17 Jahre alten Schülers, der bundesweit für Bestürzung gesorgt hat, bleibt nach dem Freispruch des Angeklagten vorerst ungeklärt. „Wir können nicht beweisen, dass er geschlagen hat und dass er am Tatort war“, sagte Richter Volker Kunkel bei der Urteilsbegründung. Es gebe vielmehr Anhaltspunkte, dass der Angeklagte die Tat tatsächlich nicht begangen habe.

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten in ihren Plädoyers im Kernvorwurf den Freispruch gefordert. Es sei nicht zweifelsfrei sicher, dass der Angeklagte Niklas in der Tatnacht attackiert habe, hatte Staatsanwalt Florian Geßler seine überraschende Kehrtwende begründet. Das habe die Beweisaufnahme nicht ergeben. Es komme auch ein anderer Mann als Täter in Betracht.

Niklas' Mutter zeigte sich dagegen von der Täterschaft des 21-Jährigen überzeugt. Das sagte ihr Anwalt kurz vor der Urteilsverkündung. Seit der Attacke auf ihren Sohn vor rund einem Jahr sei sie „durch die Hölle gegangen“.

Der Fall Niklas

7. Mai 2016

Niklas und Freunde geraten nach einem Konzertbesuch in Bonn an eine Männergruppe. Niklas wird geschlagen und – auf dem Boden liegend – getreten.

13. Mai 2016

In der Nacht auf den 13. Mai erliegt Niklas im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

17.Mai 2016

Die Polizei nimmt den mutmaßlichen Haupttäter fest. Er soll Niklas geschlagen und getreten haben. Er bestreitet die Tat. Nach zwei weiteren möglichen Mittätern wird gesucht.

21. Mai 2016

Niklas wird unter großer Anteilnahme im Bonner Stadtteil Bad Godesberg beigesetzt.

2. Juni 2016

Der Innenausschuss des NRW-Landtags debattiert über Konsequenzen aus dem Fall. Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagt, dass jugendliche Intensivtäter früher identifiziert werden müssten.

20. Juni 2016

Die Polizei nimmt einen zweiten Verdächtigen fest, der zu der Männergruppe gehört haben soll.

27. Juni 2016

Ein Jugendlicher wird verhaftet, weil er in einer anderen Sache nicht zu einem Gerichtstermin erschienen war. Die Ermittler vermuten: Er könnte einer von mehreren sein, die als dritter Tatverdächtiger in Frage kommen.

8. Juli 2016

Der zweite Verdächtige wird aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Verteidiger des jungen Mannes hatte eine Haftprüfung beantragt.

3. August 2016

Auch der dritte Verdächtige wird wieder auf freien Fuß gesetzt.

21. August 2016

Es wird bekannt, dass Niklas laut einem Gutachten Vorschädigungen im Gehirn hatte. Ein Schlag, der im Normalfall keine derart schwerwiegenden Folgen gehabt hätte, habe zum tödlichen Riss einer Ader geführt. Die Staatsanwaltschaft rückt vom Vorwurf des Totschlags gegen den Hauptverdächtigen ab. Der Haftbefehl wird auf Körperverletzung mit Todesfolge abgeändert.

15. September 2016

Der im Juli aus der Untersuchungshaft entlassene zweite Verdächtige wird erneut festgenommen. Er soll einen Belastungszeugen angegriffen haben.

20. Oktober 2016

Die Staatsanwaltschaft Bonn erhebt Anklage gegen den Hauptverdächtigen und den anderen jungen Mann. Letzterem wirft sie vor, eine Begleiterin von Niklas geschlagen zu haben.

20. Januar 2017

Der Prozess am Landgericht Bonn beginnt.

Niklas, der zuletzt in Bad Breisig in Rheinland-Pfalz wohnte, war im Mai 2016 im Bonner Stadtteil Bad Godesberg auf offener Straße mit einem Schlag gegen die Schläfe niedergestreckt worden. Anschließend wurde ihm gegen den Kopf getreten. Er starb wenige Tage später im Krankenhaus.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Der Beschuldigte bestritt die Tat allerdings von Anfang an. Er sei gar nicht am Tatort gewesen. Verurteilt wurde er nun wegen einer Schlägerei in einem ganz anderen Zusammenhang, die in dem Prozess eine Nebenrolle gespielt hatte. Der 21-Jährige hatte seine Beteiligung daran auch eingeräumt.

Der Prozess gestaltete sich für die Strafkammer äußerst schwierig. Viele Zeugen gaben an, sie könnten sich nicht richtig erinnern oder hätten die eigentliche Tat nicht beobachtet. Ein Freund von Niklas, der den Angeklagten als Täter wiedererkannt haben wollte, reichte auch der Staatsanwaltschaft letztlich nicht aus. Es sei möglich, dass es sich um eine Verwechslung handele. Es gebe eine sehr große Ähnlichkeit mit einem anderen jungen Mann, der ebenfalls am Tatort gewesen sein soll – der aber nicht auf der Anklagebank saß.

Den anderen Mann hatte die Staatsanwaltschaft zuletzt ebenfalls als Beschuldigten in dem Fall geführt. Man wolle das Urteil abwarten und dann prüfen, ob es neue Ermittlungsansätze gebe, hieß es bei der Behörde.

Von

dpa

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