Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.03.2014

18:29 Uhr

Fall Oscar Pistorius

Medien bedrängen Zeugen vor Prozessauftakt

Alle wollen sie dabei sein, wenn am Montag der Mordprozess gegen den Paralympics-Star Oscar Pistorius beginnt. Ein eigener TV-Kanal nimmt die Arbeit auf, derweil fühlen sich Zeugen durch ausländische Medien bedrängt.

Mord-Anklage

Oscar Pistorius vor den Richter

Mord-Anklage: Oscar Pistorius vor den Richter

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

PretoriaKurz vor Beginn des spektakulären Mordprozesses gegen den Paralympics-Star Oscar Pistorius an diesem Montag hat der Medienrummel mit voller Wucht begonnen. Der südafrikanische Kabelanbieter Multi-Choice nahm am Sonntag auf einem eigens geschaffenen Pistorius-Kanal seine Berichterstattung rund um die Uhr auf. Mehrere Fernseh- und Radiostationen wollten ab Montag live aus dem Gerichtssaal in Pretoria übertragen.

Das Oberste Gericht der Provinz Gauteng hatte dem trotz der Einwände von Pistorius zugestimmt. Es ist das erste Mal in der Geschichte Südafrikas, dass ein solcher Prozess live übertragen wird. Etwa 300 Journalisten aus aller Welt haben sich angekündigt. Aus den USA und Großbritannien sind mehr als ein Dutzend Medien vertreten, zahlreiche Reporter kommen auch aus Deutschland, Frankreich oder Japan.

Aufstieg und Fall des Oscar Pistorius

Anfänge

Oscar Pistorius wird mit einem Gendefekt geboren, wodurch er keine Wadenbeine besaß. Deshalb wurden ihm im Alter von elf Monaten beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Durch eigens für ihn angefertigte Karbon-Stelzen kann er aber dennoch laufen.

Erste Erfolge

2004 gewinnt Pistorius bei den Paralympics in Athen Gold über 200 Meter und Bronze über 100 Meter. 2008 möchte er an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen, ein Gutachten bescheinigt ihm aber zu viele Vorteile durch seine Karbon-Stelzen. Sechs Wochen vor den Spielen wird das Gutachten durch den Sportgerichtshof CAS aufgehoben, doch Pistorius verpasst durch die kurze Vorbereitungszeit alle Qualifikationsnormen. Bei den Paralympics im gleichen Jahr gewinnt er drei Mal Gold.

Leichtathletik-Weltmeisterschaften

2011 qualifiziert sich Pistorius als erster Behinderter für Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Mit der 4-mal-400-Meter-Staffel gewinnt er die Silbermedaille. Im Halbfinale läuft er südafrikanischen Landesrekord. Im Finale wird er allerdings nicht eingesetzt.

Olympia 2012

2012 durfte Pistorius als erster beidseitig amputierter für Olympische Sommerspiele nominiert. Er durfte in London in der 4-mal-400-Meter-Staffel starten. Bei den Paralympics gewann er Gold über 400 Meter und in der 4-mal-100-Meter-Staffel.

Blitzlichtgewitter

Seit Herbst 2012 war Pistorius mit dem südafrikanischen Model Reeva Steenkamp zusammen. Die beiden werden zu einem Glamour-Paar des Sports. Sie ist unter anderem auf dem Titel der FHM.

Mordverdacht

Am 14. Februar 2013 wird Reeva Steenkamp tot in Pistorius' Haus in Pretoria aufgefunden. Sie erlag vier Schüssen in Kopf und Arme. Der „Blade Runner“ gerät unter Mordverdacht und wird verhaftet. Daneben gibt es auch die Theorie, dass Pistorius seine Freundin irrtümlich für einen Einbrecher hielt und sie deshalb erschoss. Sie wollte ihn angeblich zum Valentinstag überraschen. Der Mord-Prozess beginnt ein Jahr später: am 3. März 2014.

Journalisten ausländischer Medien haben der „Sunday Times“ zufolge Zeugen im Pistorius-Prozess drangsaliert. Reporter hätten versucht, im Kreis von Angehörigen und Freunden der Zeugen „schmutzige Wäsche“ auszugraben, zitierte die Zeitung einen Polizeioffizier. Mehrere Zeugen der Anklage, unter ihnen Polizisten, haben sich demnach über solche Belästigungen bei der Staatsanwaltschaft beschwert.

Der behinderte Sportstar hatte in der Nacht zum 14. Februar 2013 seine Freundin, das Model Reeva Steenkamp, in seiner Wohnung durch eine verschlossene Badezimmertür erschossen. Der 27-Jährige sagt, er habe einen Einbrecher in der Wohnung vermutet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gezielten Mord an der 29-Jährigen vor. Seit Ende Februar 2013 ist Pistorius gegen Kaution in Freiheit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×