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14.10.2016

04:10 Uhr

Fall Peggy

DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt am Leichenfundort entdeckt

Was haben der Rechtsterrorist Uwe Böhnhardt und das 2001 verschwundene Mädchen Peggy miteinander zu tun? Im Juli dieses Jahres wurde die Leiche des Mädchens gefunden – und am gleichen Ort nun auch die DNA von Böhnhardt.

Fall Peggy

DNA von NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt am Leichenfundort entdeckt

Fall Peggy: DNA von NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt am Leichenfundort entdeckt

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MünchenErmittler haben DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt an einem Gegenstand in der Nähe des Skeletts der getöteten Peggy gefunden. Das sagte Oberstaatsanwalt Harald Potzel am Donnerstagabend in Bayreuth bei einer Verlesung einer Erklärung der Ermittler. Fragen waren nicht zugelassen. Nach „Spiegel“-Informationen handelt es sich dabei um ein Stück Stoffdecke. Der Bayerische Rundfunk berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, dass es sich um ein Stück Stoff von der Größe eines Fingernagels handele.

Die Polizei hatte mehrfach den Fundort abgesucht, weil das Skelett nach Angaben der Ermittler nicht vollständig gewesen war. Bei der Untersuchung war nach BR-Informationen am Donnerstagnachmittag nach einem Abgleich von Datenbanken durch die Rechtsmedizin ein entsprechender Treffer gemeldet worden.

Fünf Verschwörungstheorien zum NSU

Der „Inside-Job“

Der Geheimdienst steckt mit dem NSU unter einer Decke, Akten wurden absichtlich geschreddert und die Flucht der Terroristen Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe wurde von den Behörden geplant.

Die „Neoschutz-Staffel“

Der NSU konnte nicht ohne Helfer auskommen. Die kürzlich aufgedeckte baden-württembergische „Neoschutz-Staffel“ (NSS), angeführt von dem ehemaligen Soldaten Matthias K. – Spitzname „Matze“ –, hat die Mord- und Anschlagserie mitgeplant und -durchgeführt.

Das große „Zeugensterben“

Florian H. kündigte 2012 an, zum NSU und der NSS auszusagen. Im September 2013 nimmt er sich das Leben. Bevor der V-Mann „Corelli“, der seit 2005 CDs mit dem Kürzel NSU vertrieb, umfangreich aussagen konnte, stirbt er im April 2014 einen natürlichen Tod. Das Gleiche geschieht bei Florian H.’s Freundin im März 2015. Die Theorie hinter dem „Zeugensterben“: Zeugen mussten sterben, weil sie zu viel wussten.

Der „Tag X“

Laut einer Zeugenaussage habe der NSU mit einem Zusammenbruch der Bundesrepublik gerechnet und sich schließlich für den „Tag X“ und die zu erwartenden „bürgerkriegsähnlichen Zustände“ wappnen wollen. „Waffen wurden verherrlicht, jeder wollte sie haben, jeder hat darüber gesprochen. Das gehörte zum guten Ton und galt als Statussymbol“, sagte der ehemalige V-Mann „Piatto“ im NSU-Prozess.

Die Polizei hat Böhnhardt und Mundlos getötet

Ein Obduktionsbericht lässt Zweifel an der offiziellen Selbstmordversion der beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen aufkommen. Nach einem missglückten Banküberfall sollen die beiden Neonazis Selbstmord begangen haben. Dem Bericht zufolge fanden sich weder Rußpartikel in der Lunge Böhnhardts noch in der von Mundlos. Eine Interpretation dieser Ungereimtheit: Die Polizei hat sie exekutiert.

Die damals neunjährige Peggy war am 7. Mai 2001 im nordbayerischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Am 2. Juli dieses Jahres hatte ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis in Thüringen gefunden - nur rund 15 Kilometer vom Heimatort des Mädchens entfernt.

Am Fundort der Leiche in einem Waldgebiet an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen seien zahlreiche Spurenträger sichergestellt worden, teilten die Behörden weiter mit. Bei der Untersuchung sei DNA festgestellt worden, „die Uwe Böhnhardt zuzuordnen ist“.

Allerdings: „In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen“, teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth mit. Die Anwältin von Peggys Mutter äußerte sich am Donnerstagabend nicht.

Der 34-jährige Rechtsextremist Böhnhardt gehörte dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) an. Zusammen mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe soll er laut Bundesanwaltschaft jahrelang unerkannt gemordet haben. Die Gruppe erschoss zwischen 2000 und 2007 nach Erkenntnissen der Ermittler neun türkisch- und griechischstämmige Kleinunternehmer und eine Polizistin.

Mundlos und Böhnhardt töteten sich im November 2011 nach einem Banküberfall in einem Wohnmobil, um einer drohenden Festnahme zu entgehen. Zschäpe stellte sich der Polizei. Seit Mai 2013 muss sie sich vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten.

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