Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.06.2016

17:46 Uhr

Fanschminke im Test

Der Fan lebt gefährlich

VonNoah Gottschalk

Die Deutschlandflagge auf der Wange, das EM-Tattoo auf dem Oberarm: Stiftung Warentest warnt, kurz vor dem Start der Fußball-EM, vor gesundheitskritischen Stoffen in Fan-Artikeln. Alle getesteten Produkte waren belastet.

In allen getesteten Tattoos und Schminkstiften fanden die Tester gesundheitskritische Stoffe. dpa

Fanprodukte mit Schadstoffen belastet

In allen getesteten Tattoos und Schminkstiften fanden die Tester gesundheitskritische Stoffe.

Berlin/KölnPünktlich zu Beginn der Fußball-Europameisterschaft am Freitagabend hat die Stiftung Warentest Klebe-Tattoos und Fan-Schminke genauer unter die Lupe genommen. Die Tester prüften die Artikel auf gesundheitskritische Schadstoffe – und wurden bei allen Produkten fündig. Teilweise entdeckten die Experten sogar verbotene Inhaltsstoffe.

Sieben Schminkstifte und fünf Tattoos wurden geprüft, gekauft bei Kik, Real, Woolworth, Lidl und Tedi. Drei Testprodukte kamen von Internet-Kaufhäusern. Mit „befriedigend“ erhielten der Schminkstift des Einzelhändlers Lidl und Tattoos von Kik noch die beste Note.

Kein zufriedenstellendes Ergebnis, zumal die Lidl-Schminke offiziell von der Uefa lizenziert wurde. „Welche qualitativen Vorgaben an ein Produkt mit einer solchen Lizenzierung verbunden sind, wissen wir aber nicht“, sagt Sara Waldau, Redakteurin im Kosmetik-Team der Stiftung Warentest. „Dass wir so oft ein 'mangelhaft' vergeben mussten und kein gutes Produkt fanden, hat uns überrascht.“

Welche Schadstoffe die Tester fanden

PAK

Poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe sind in Kosmetika generell uner­wünscht. Einige PAK sind in kosmetischen Produkten verboten, darunter auch das krebs­verdächtige Naph­thalin. Wir konnten es in vier Schminken und vier Tattoos im Test nach­weisen. Die Tattoos von Elasto form sind mit Abstand am stärksten mit Naph­thalin belastet. PAK können etwa über schwarze Farb­stoffe in die Produkte kommen. (Quelle: Stiftung Warentest)

Weichmacher

Benzylbutylph­thalat (BBP), Dibutylph­thalat (DBP), Diethylhex­ylph­thalat (DEHP) und Diisobutylph­thalat (DIBP) gelten als fort­pflan­zungs­gefähr­dend. Diese Weichmacher sind in Kosmetika verboten. Eintrags­quellen können zum Beispiel Farb­stoffe oder PVC-Schläuche im Produktions­prozess sein. Hohe Mengen an zwei beziehungs­weise drei dieser Stoffe enthalten die Tattoos von Tattoo­drucker.de und Tedi.

Moah

In allen Schminken fanden wir aromatische Mineralöl-Kohlen­wasser­stoffe. Moah, das Kürzel steht für Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons, gelten als potenziell krebs­er­regend. Sie können über Inhalts­stoffe, die auf Mineralöl basieren, in die Produkte gelangen. Der Schmink­stift von Fries ist mit Abstand am stärksten mit Moah belastet.

Lösemittel

Isophoron steht im Verdacht, krebs­er­regend zu sein. Es ist in Kosmetika verboten. Die Tattoos von Fries sind als einziges Produkt damit belastet, in hohen Mengen. Das Löse­mittel Toluol ist erlaubt – aber nur in Nagel­produkten. Es steht im Verdacht, die Fort­pflan­zungs­fähig­keit zu beein­trächtigen. Geringe Mengen sind in den Tattoos von Funny Products nach­weisbar. Beide Löse­mittel können etwa über nicht für Kosmetika geeignete Rohstoffe in die Produkte kommen.

Dabei sind gar nicht die offensichtlich in den Produkten enthaltenen Farbstoffe das Problem, vielmehr Weichmacher und sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Acht Produkte enthielten, den Testern zufolge, das verbotene PAK Naphthalin, vier zudem verbotene Weichmacher.

Naphthalin kann zu starken Haureizungen und Dermatitis führen und die roten Blutkörperchen schädigen. Auch Mineralöl-Kohlenwasserstoffe konnten die Experten in allen sieben Fan-Schminken nachweisen. Sie gelten als potenziell krebserregend.

Besonders tückisch seien Produkte mit fehlenden Inhaltsangaben, „da sollte man hellhörig werden“, sagt Waldau. „Hersteller sind dazu verpflichtet, alle Inhaltsstoffe in Kosmetika anzugeben. Bei einem Produkt fehlten die komplett, das darf nicht sein. Ein buntes Tattoo wird wohl auch Farbstoffe enthalten“, so die Expertin.

Ein unmittelbares Gesundheitsrisiko bestünde aber nicht, so die Tester, denn Fan-Schminke werde nicht täglich benutzt. Trotzdem empfehlen die Tester wenigstens zu den mit „befriedigend“ bewerteten Produkten zu greifen.

Die getesteten Produkte im Überblick

Schminkstifte - ProduktnamePreisNote der Tester
Uefa official licensed product - Schminkstift1,59 €befriedigend (3,4)
KTN Dr. Neuberger - Schminkstift1,99 €ausreichend (3,6)
Out of the blue - Deutschland Fan-Schminke1,00 €ausreichend (3,6)
Tedi - It's football time 3 in 1 Schminkstifte1,25 €ausreichend (3,6)
Metamorph - Fan Colour Make-Up3,90 €ausreichend (4,2)
Riethmüller - Schminkstift2,99 €ausreichend (4,3)
Fries Party-Chic International - 3 in 1 Schminkstift1,99 €

mangelhaft (4,8)

Tattoos - ProduktnamePreisNote der Tester
Funny Products - Fußball-Tattoo1,99 €befriedigend (3,0)
Tattoodrucker.de - Deutschlandfahne Tattoo4,00 €

mangelhaft (4,7)

Fries Party-Chic International - Fan Tattoo2,29 €

mangelhaft (5,0)

Tedi - Temporary Fußball Tattoos1,50 €

mangelhaft (5,1)

Elasto form - Temporäres Tattoo0,36 €

mangelhaft (5,5)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×