Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.08.2013

16:05 Uhr

Fastenmonat Ramadan

Über den Wert eines Tropfens Wasser

VonBelit Nejat Onay

Während des Ramadan dürfen Muslime tagsüber weder essen noch trinken – eine echte Bewährungsprobe. Gerade dann, wenn es im Fastenmonat so heiß ist wie in diesem Jahr. Belit Onay berichtet von der Zeit des Verzichts.

Erst wenn die Sonne untergeht, dürfen die Muslime während des Ramadan wieder Nahrung zu sich nehmen. Viele treffen sich hierfür in einer Moschee, um gemeinsam das „Fastenbrechen“ zu feiern. Danach wird zusammen gebetet.

Erst wenn die Sonne untergeht, dürfen die Muslime während des Ramadan wieder Nahrung zu sich nehmen. Viele treffen sich hierfür in einer Moschee, um gemeinsam das „Fastenbrechen“ zu feiern. Danach wird zusammen gebetet.

Es ist zwei Uhr morgens in Hannover. Schnell hole ich noch ein frisches, warmes Brot vom türkischen Bäcker - und dann geht’s ab zum Frühstück zu Freunden. Es ist einer der letzten Tage des Ramadan, dem islamischen Fastenmonat. Noch bis zum 7. August verzichten die Fastenden so lange auf Essen und Trinken, wie die Sonne am Himmel steht.

Wenn der Ramadan wie in diesem Jahr auf die heißeste Zeit des Sommers fällt, ist die Hitze eine echte Herausforderung. Der Fastenmonat errechnet sich auf Grundlage des Mondkalenders. Jedes Jahr rutscht er zehn Tage im Kalender nach vorne.

Die Tage im August sind lang. Keinen Schluck trinken zu dürfen, erfordert dann besonders viel Selbstdisziplin. Trotzdem ist Ramadan eine Zeit, die ich genieße.

Beim Fasten merke ich mal wieder, wie viel Platz der beiläufige Konsum von Essen in meinem Tagesablauf einnimmt - und wie viel Wert ein einziger Tropfen Wasser an diesen heißen Tagen bekommt. Man fängt an, die kleinen Dinge wieder zu schätzen. Selbst der Kaffee am Mittag, den man sonst im Vorbeigehen runterkippt, gewinnt plötzlich an Bedeutung. Er ist eben nicht - wie sonst immer – etwas Selbstverständliches.

Belit Nejat Onay ist Landtagsabgeordneter in Niedersachsen. Foto: privat

Belit Nejat Onay ist Landtagsabgeordneter in Niedersachsen.

Foto: privat

Das Fasten verlangt meine volle Aufmerksamkeit und Hingabe, „Nebenher-Fasten“ ist kaum möglich. Das Fasten krempelt mein Leben für diesen einen Monat total um. Diese Tage sind so intensiv und verlangen einem so viel ab, dass zum Beispiel Kranke, Schwangere und Reisende von der religiösen Pflicht befreit sind.

Mein Tagesrhythmus verändert sich zwangsläufig. Alles wird langsamer. Kein Sport, kein Stress, keine Aufregung. Ansonsten kann man das nicht durchhalten. Meistens schläft man auch weniger als an normalen Tagen, das entschleunigt automatisch.

Um 21 Uhr etwa geht in Deutschland gerade die Sonne unter; Zeit für das Fastenbrechen mit Familie, Freunden und Bekannten. Wir sitzen dann alle zusammen, essen, reden und lachen viel. Um Mitternacht treffen wir uns dann mit anderen in der türkischen Patisserie, dazu kommt das gemeinsame Frühstück um 2 Uhr morgens.

Hannover bekommt dann plötzlich etwas Mediterranes. Das Gefühl, nach einem Tag wie heute einen Schluck kühles Wasser zu trinken, ist unbeschreiblich – so gut wie Bayram, Weihnachten und Chanukka zusammen.

Der Autor ist gläubiger Muslim. Er ist Landtagsabgeordneter in Niedersachsen für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Er ist Sprecher für Kommunalpolitik, Sportpolitik, Netzpolitik, Datenschutz und Justizvollzug.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×