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24.10.2014

14:54 Uhr

Feuergefecht

Tunesische Polizei erschießt Islamisten

Islamisten verschanzten sich in einem Haus, das die tunesische Polizei stürmte. Beim anschließenden Feuergefecht starben sechs Islamisten. Der Kampf gegen Terrorismus hat in Tunesien neue Ausmaße angenommen.

Tunesische Soldaten unterstützen die Polizei. Der Kampf gegen militante Islamisten hat in Tunesien vor den Wahlen eine große Bedeutung. dpa

Tunesische Soldaten unterstützen die Polizei. Der Kampf gegen militante Islamisten hat in Tunesien vor den Wahlen eine große Bedeutung.

Oued ElilKurz vor der Parlamentswahl in Tunesien haben Sicherheitskräfte bei einem Feuergefecht mit militanten Islamisten sechs Menschen getötet. Nach Angaben der Behörden vom Freitag handelte es sich bei den Toten um fünf Frauen und einen Mann. Der Vorfall habe sich in Oued Ellil westlich der Hauptstadt Tunis ereignet, wo sich in einem Haus mindestens zwei Islamisten und mehrere Frauen und Kinder verschanzt hätten.

Als die Polizei das Gebäude gestürmt habe, sei es zu dem Schusswechsel gekommen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Am Mittwoch war in dem Ort bei einem Zusammenstoß mit Islamisten ein Polizist getötet worden.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Im Vorfeld der Wahl am Sonntag gehen die tunesischen Sicherheitskräfte verstärkt gegen mutmaßliche Extremisten vor. Der Urnengang gilt als wichtiger Test für das nordafrikanische Land auf dem Weg zur Demokratie. Der arabische Frühling hatte 2011 mit dem Sturz des autokratischen Herrschers Zine el-Abidine Ben Ali in Tunesien seine Ausgang genommen. Seither vollzieht das Land den Wandel zur Demokratie, während andere Staaten der Region wie Syrien zunehmend in Chaos und Bürgerkrieg versinken.

Von

rtr

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