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25.02.2014

10:59 Uhr

Filmkritik

Präsident Wulff beim Scheitern zuschauen

VonChristian Bartels

Der Sat.1-Spielfilm um den langsamen, aber unaufhaltsamen Abstieg des Bundespräsidenten Christian Wulff strapaziert am Anfang die Geduld. Der Film ist aber dennoch sehenswert, weil er in die Gegenwart hineinragt.

Mit Kai Wiesinger und Anja Kling in den Hauptrollen hat SAT.1 Christian Wulffs letzte 68 Tage im Amt als Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland als Doku-Drama verfilmt. obs

Mit Kai Wiesinger und Anja Kling in den Hauptrollen hat SAT.1 Christian Wulffs letzte 68 Tage im Amt als Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland als Doku-Drama verfilmt.

„Das Staatstragende nicht vergessen!“, wird Christian Wulff (Kai Wiesinger) am Anfang des Sat.1-Spielfilms „Der Rücktritt“ zugerufen. Da posiert der Bundespräsident noch gerne für Fotos. Doch so dynamisch ist er bald nicht mehr zu sehen. Denn der Film zeichnet in Form eines Dokudramas die letzten 68 Amtstage des Präsidenten nach. Nach dem Vorspann geht's bergab.

Dokudrama bedeutet: originale Fernsehaufnahmen von 2011/ 12 wurden mit Spielszenen zusammenmontiert. Die Konstellation – der Privatsender Sat.1 zeigt eine fiktionale Bearbeitung eines noch aktuellen Politskandals, produziert vom bekanntesten deutschen TV-Produzenten Nico Hofmann – ist die gleiche wie bei der Satire „Der Minister“ um Karl-Theodor zu Guttenbergs Aufstieg und Fall vor nicht ganz einem Jahr.

Der Film aber ist das diametrale Gegenteil: Keine einzige Szene lädt zum Lachen ein. Bloß bitteres Auflachen über die grauen Herren im Schloss Bellevue, die oft blaue Anzüge tragen und eisige Blicke zu werfen verstehen, ohne eine Miene zu verziehen, ist im Verlauf möglich.

Tatsächlich erfordert der Film Geduld, insbesondere am Anfang, wenn langatmige Erklär-Dialoge dem Publikum genau darlegen sollen, wie die Lage und wer wer ist. Sehr oft fällt der Name der „Bild“-Zeitung. Das wirkt beinahe etwas werblich. Es dauert über eine Viertelstunde, bis Wulff im Film den Anruf unternimmt, der seinen Sturz wahrscheinlich schon unabwendbar machte.

Dann endlich spricht er die Sätze über „Krieg führen“ und den überschrittenen „Rubikon“ auf die Mailbox des „Bild“-Zeitungs-Chefredakteurs Kai Diekmann, die dank der geschickten Veröffentlichung über die Bande anderer Zeitungen noch gut bekannt sind.

Christian Wulff: Ein Steckbrief

Geburt

Christian Wulff ist am 9. Juni 1959 in Osnabrück als Christian Wilhelm Walter Wulff geboren.

Ausbildung

Sein Abitur bestand Wulff 1980 mit der Note 1,9. Danach studierte Wulff bis 1986 Jura in seiner Heimatstadt Osnabrück.

Beruf

1990 Niederlassung als Rechtsanwalt in Osnabrück .

Partei

1975 CDU-Eintritt, 1978-1980 Bundesvorsitzender Schüler-Union, 1994-2008 Landesvorsitzender in Niedersachsen, seit 1998 stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender.

Abgeordneter

Von 1986 bis 2001 im Rat der Stadt Osnabrück, von 1994 bis 2010 im niedersächsischen Landtag

Wahlen

Niederlagen: 1994 und 1998 erfolglose Kandidatur gegen Gerhard Schröder (SPD) um das Amt des Ministerpräsidenten in Hannover.

Wahlsiege: 2003 Gewinn der Landtagswahl und Ministerpräsident Niedersachsens bis 2010, im gleichen Jahr wird Wulff im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten und somit zum Staatsoberhaupt gewählt.

Familie

Verheiratet: Von 1988 bis 2006 mit Rechtsanwältin Christiane; von 2008 bis 2013 mit Journalistin Bettina.

Kinder: aus erster Ehe Tochter Annalena (geb. 1993), gemeinsam mit Bettina Sohn Linus Florian (geb. 2008); Bettina Wulff hat aus früherer Beziehung Sohn Leander (geb. 2003).

Im Sat.1-Film ist diese Szene als Limousinen-Kammerspiel inszeniert: In einem geräumigen Auto unter befremdeten Blicken arabischer Scheichs aus dem Golfstaat, in dem er gerade auf Staatsbesuch ist, telefoniert Wulff sich um Kopf und Kragen.

Regisseur Thomas Schadt, eigentlich ein Dokumentarfilmer, hat seinen Spielfilm künstlerisch ambitioniert in Szene gesetzt. Er konzentriert sich streng auf die Zeitspanne von Dezember 2011 bis Februar 2012, zeigt keinerlei Vorgeschichte und baut keinerlei Fallhöhe auf.

Auch sonst macht der Film es den Zuschauern zunächst schwer. Anfangs mag der kantige Wulff-Sprecher Glaeseker (Holger Kunkel) eine Art Stellvertreter des Publikums sein. Zumindest spricht er das Offensichtliche aus, das in Wulffs Umgebung sonst verschwiegen wird. Er ist im Film aber nur solange vertreten, bis Wulff ihn feuert.

Anja Kling wirft in der Rolle als Bettina Wulff traurige, womöglich wissende Blicke, greift aber kaum ins Geschehen ein. Die Kinder der Wulffs kommen zwar im Dialog einmal vor. Da heißt es, sie seien wegen ihres Vaters in der Schule gehänselt worden. Aber zu sehen sind sie nicht. So wenig Identifikationspotenzial gibt es selten in Fernsehspielfilmen. Die permanent dräuende Untermalungsmusik ist der einzige Kompromiss ans Genre.

Was ebenfalls fehlt: großes Drama und komplexe Intrigen, die Wulff zu Fall gebracht haben könnten. Mitunter, etwa wenn Bettina Wulff ihrem Mann ankündigt, dass sie „alle verklagen will, die mir diese angebliche Rotlicht-Vergangenheit anhängen wollen“, klingen Dialogsätze eher so, als hätten Justiziare sämtliche denkbaren Angriffspunkte ausradiert, als nach gesprochener Sprache eines Ehepaars.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

25.02.2014, 14:20 Uhr

Aber, aber. Das hat Saythetruth auch nicht nötig! Ihm reicht es schon, dass ein Privatsender einen Film dreht um über die zwangsgebührenfinanziertelinksgrünsozialistischideologischepropagandaGEZ zu motzen. Das entbehrt zwar jedweder Logik, macht aber nichts in diesem Forum!
Davon mal abgesehen, wer schaut sich sowas an? Montags laufen die Simpsons...

Politikmuede

26.02.2014, 11:04 Uhr

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