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20.01.2009

10:18 Uhr

Finanzkrise

„Notleidende Banken“ ist Unwort des Jahres

"Freiwillige Ausreise", "Gotteskrieger", "Humankapital", so lauten die Unworte der vergangenen Jahre. Jetzt musste eine Jury erneut ein Unwort bestimmen. Trotz vieler Einsendungen fiel die Wahl nicht schwer. Es wurde Wort aus dem Bereich der Finanzkrise ausgewählt.

Eine "notleidende Bank" erster Güte: die Hypo Real Estate. Foto: ap Quelle: ap

Eine "notleidende Bank" erster Güte: die Hypo Real Estate. Foto: ap

HB FRANKFURT/MAIN. „Notleidende Banken“ ist zum Unwort des Jahres 2008 gekürt worden. Die Formulierung stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf, begründete der Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser am Dienstag in Frankfurt die Entscheidung der Jury: „Während die Volkswirtschaften in ärgste Bedrängnis geraten und die Steuerzahler Milliardenkredite mittragen müssen, werden die Banken mit ihrer Finanzpolitik, durch die die Krise verursacht wurde, zu Opfern stilisiert.“

Auf Platz zwei landete „Rentnerdemokratie“. Hier kritisierte die Jury, dass Altbundespräsident Roman Herzog mit dem Begriff das Schreckbild eines Staates gemalt habe, in der die Alten die Jungen ausplünderten. Ein „bedenkliches Verständnis der Grundrechte“ attestierten die Wissenschaftler schließlich dem Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt: Er habe Bürger als „Karlsruhe-Touristen“ diffamiert, die wegen Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen schon einmal vor das Bundesverfassungsgericht gegangen seien und dies beim neuen BKA-Gesetz noch einmal tun könnten.

Die Jury hatte das Unwort aus rund 1 000 Einsendungen ausgewählt. Unter den Vorschlägen war beispielsweise auch der Begriff „intelligente Wirksysteme“ für Artilleriemunition. Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gekürt. Unwörter der vergangenen Jahre waren unter anderem „freiwillige Ausreise“, „Gotteskrieger“, „Humankapital“, „Ich-AG“, „sozialverträgliches Frühableben“ und „Entlassungsproduktivität“. Im vergangenen Jahr war der von Kritikern des Betreuungsgeldes verwendete Begriff „Herdprämie“ als Unwort erkoren worden.

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