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21.09.2015

17:55 Uhr

Flüchtlinge verwechseln Pilze

Syrer stirbt nach Pilzvergiftung in Uniklinik Münster

Er sammelte wilde Pilze – und vergiftete sich: Weil er einen Knollenblätterpilz verzehrte, starb ein 16-jähriger Junge aus Syrien in der Uniklinik Münster. Das passiert immer wieder – auch Einheimischen.

Dieser Pilz kann leicht mit Champignons verwechselt werden. dpa

Grüner Knollenblätterpilz

Dieser Pilz kann leicht mit Champignons verwechselt werden.

MünsterEin 16 Jahre alter syrischer Flüchtling ist in der Uniklinik Münster an den Folgen einer schweren Pilzvergiftung gestorben. Der Jugendliche war in der vergangenen Woche nach dem Verzehr giftiger Knollenblätterpilze eingeliefert worden. Laut Mitteilung der Uniklinik von Montag fand sich für den 16-Jährigen kein passendes Spenderorgan. Er starb in der Nacht auf Montag an Leberversagen. „Aufgrund der Schwere der Vergiftung war eine Transplantation letztendlich die einzige Chance“, erklärte Hartmut Schmidt, Direktor der Klinik für Transplantationsmedizin.

Vier weitere Patienten, darunter die Mutter des Jungen, sind derzeit ebenfalls wegen einer Pilzvergiftung in Münster in Behandlung. Drei von ihnen können die Klinik in den nächsten Tagen geheilt wieder verlassen. Bei einem vierten Patienten ist die Lage kritisch, hier wird eine Spenderleber gesucht.

Der Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Er wird immer wieder mit Champignons verwechselt. In Hannover und Münster sind in der letzten Woche über 50 Fälle von Vergiftungen durch den Knollenblätterpilz aufgetreten. Betroffen waren meist Flüchtlinge aus Syrien.

Rekordzahlen zur Flüchtlingskrise

500.000

Mehr als 500.000 Menschen haben nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex zwischen Januar und August dieses Jahres bereits die Europäische Union erreicht. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 280.000 Menschen.


Von den in der EU angekommenen Flüchtlingen haben dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zufolge mehr als 411.000 das Mittelmeer überquert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nannte sogar die Zahl von mehr als 600.000 Bootsflüchtlingen. Mehr als 3100 kamen demnach bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

466.000

So viele Flüchtlinge kamen der IOM zufolge in diesem Jahr bereits in Griechenland an.

137.000

Rund 137.000 Menschen landeten nach einer Überfahrt über das Mittelmeer in Italien.

200.000

Die ungarischen Behörden gaben die Zahl der seit Jahresbeginn in Ungarn angekommenen Flüchtlinge zuletzt mit 200.000 an. Die Schutzsuchenden kamen vor allem über die sogenannte Balkanroute ins Land.

160.000

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, 160.000 Asylsuchende aus den Haupt-Ankunftsländern Griechenland, Ungarn und Italien auf die 28 EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Juncker fordert eine verbindliche Quotenregelung für die künftige Flüchtlingsverteilung.

63.000

Rund 63.000 Flüchtlinge trafen seit Ende August am Münchner Hauptbahnhof ein - davon jeweils 20.000 an den beiden vergangenen Wochenenden.

1.000.000

Eine Million Flüchtlinge könnte Deutschland nach Aussage von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Jahr aufnehmen. Das Bundesinnenministerium geht offiziell weiterhin von 800.000 Asylbewerbern aus.

12.000.000

Offiziellen Schätzungen zufolge sind zwölf Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon gelten acht Millionen als im eigenen Land vertrieben, weitere vier Millionen flüchteten ins Ausland. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Ausbruch des Konflikts 2011 getötet.

Dem UNHCR zufolge sind die Hälfte der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge Syrer. Die zweitgrößte Gruppe sind demnach Afghanen mit 13 Prozent, gefolgt von Eritreern mit acht Prozent. In Griechenland sind 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge Syrer und 19 Prozent Afghanen.

Von

dpa

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