Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.04.2015

07:05 Uhr

Flüchtlingsboot im Mittelmeer

Polizei nimmt Kapitän und Steuermann fest

Fahrlässige Tötung, Menschenhandel und Schiffbruch: Zwei Überlebende des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer, mutmaßlich Steuermann und Kapitän des Bootes, sind verhaftet worden. Die Uno korrigiert die Todeszahlen nach oben.

Tragödie im Mittelmeer

Zwei Überlebende der Flüchtlingsschiff-Katastrophe festgenommen

Tragödie im Mittelmeer: Zwei Überlebende der Flüchtlingsschiff-Katastrophe festgenommen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

CataniaNach der Flüchtlingstragödie vor der Küste Libyens sind die wenigen Überlebenden auf Sizilien eingetroffen. 27 Menschen kamen am Montagabend im Hafen von Catania an, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Sie wurden vom italienischen Verkehrsminister Graziano Delrio, einem Vertrauten von Regierungschef Matteo Renzi, empfangen.

Zunächst wurden die Flüchtlinge für eine erste Gesundheitsuntersuchung in Zelte geleitet. Danach sollten sie in eine Unterkunft gefahren werden, deren Standort geheim gehalten wurde. Die zahlreichen Medienvertreter am Hafen wurden auf Distanz zu den Flüchtlingen gehalten.

Nach Angaben des italienischen Innenministers Angelino Alfano wurden zwei Überlebende festgenommen: der tunesische Kapitän des Flüchtlingsschiffes und der syrische erste Steuermann. Ihnen wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehrfache fahrlässige Tötung, Menschenhandel und Schiffbruch vorgeworfen, berichtete Ansa weiter. Die beiden seien von überlebenden Flüchtlingen identifiziert worden.

Tod im Mittelmeer: Flüchtlingstragödien

EU im Kreuzfeuer der Kritik

Nach den jüngsten Flüchtlingstragödien im Mittelmeer mit hunderten Toten steht die EU im Kreuzfeuer der Kritik. Hilfsorganisationen werfen ihr Untätigkeit angesichts der dramatischen Lage vor. Die EU-Außenminister setzten bei ihrem Treffen in Luxemburg nun ein Krisengespräch an.

Wie viele Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nach Europa? (1)

Wegen gewaltsamer Konflikte wie in Syrien, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen machen sich immer mehr Menschen auf den Weg nach Europa, wo sie sich Schutz und Hilfe erhoffen. Nach Angaben der EU-Grenzbehörde Frontex gab es 2014 rund 278.000 illegale Grenzübertritte – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Wie viele Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nach Europa? (2)

170.000 Menschen kamen dabei von Libyen aus über das Mittelmeer. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR starben im vergangenen Jahr 3500 Menschen bei dem Versuch, über den Seeweg nach Europa zu gelangen.

Wie viele Flüchtlinge werden dieses Jahr erwartet?

Frontex-Chef Fabrice Leggeri rechnet mit einer neuen Rekordzahl von Flüchtlingen, vor allem aus Libyen. „Unsere Quellen berichten uns, dass zwischen 500.000 und einer Million Migranten bereit sind, Libyen zu verlassen“, sagte Leggeri Anfang März.

Woran entzündet sich die Kritik an der EU?

Amnesty International beschuldigt die EU, das Leben tausender Flüchtlinge zu gefährden, weil sie Ende 2014 die italienische Seenotrettungsoperation „Mare Nostrum“ auslaufen ließ, die sich bis vor die Küste Libyens erstreckte. Auch Organisationen wie Pro Asyl kritisieren, dass der EU-Nachfolgeeinsatz „Triton“ unter Leitung von Frontex primär der Grenzsicherung dient und nur die Gewässer 30 Seemeilen (55,6 Kilometer) vor der italienischen Küste überwacht.

Was tut die EU bisher?

Angesichts weiter steigender Flüchtlingszahlen hat die EU im Februar die „Triton“-Mission bis Jahresende verlängert. Im März zog die EU-Kommission den Termin für ihre neue Flüchtlingsstrategie von Juni auf Mitte Mai vor. Sie setzt neben verstärkter Grenzsicherung und besseren Möglichkeiten für legale Einwanderung auch auf die Zusammenarbeit mit Transit- und Herkunftsländern bei der Bekämpfung der Fluchtursachen und beim Vorgehen gegen Schlepper.

Könnten Aufnahmezentren in Afrika eine Lösung bieten?

In der EU wird seit Monaten kontrovers über die Frage diskutiert, ob Aufnahmezentren für Flüchtlinge direkt in Afrika eingerichtet werden sollen. Dort könnten Flüchtlinge einen Asylantrag stellen, ohne sich auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer zu machen. Bei einer Ablehnung könnten sie Anreize – etwa Geldzahlungen – bekommen, um in ihre Heimat zurückzukehren. Kritiker halten die Pläne jedoch nicht für praktikabel und verweisen auch auf fehlende Garantien für rechtsstaatliche Verfahren in den in Frage kommenden Ländern.

Warum kommen die meisten Flüchtlinge über Libyen? (1)

Von der libyschen Küste bis zur vorgelagerten italienischen Insel Lampedusa sind es nur rund 300 Kilometer. Zudem fehlt es in Libyen an einer Regierung, die willens oder in der Lage wäre, den Schleppern das Handwerk zu legen.

Warum kommen die meisten Flüchtlinge über Libyen? (2)

Im Sommer vergangenen Jahres eroberten islamistische Milizen die Hauptstadt Tripolis. Die international anerkannte Regierung floh nach Tobruk im Osten des Landes. Die chaotische Lage hat sich nochmals verschärft, seitdem sich auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen ausbreitet.

Was planen die EU-Außenminister im Falle Libyens?

Die EU will die Stabilisierung des Landes unterstützen, auch wegen des Flüchtlingsproblems. Diskutiert wird auch ein ziviler oder auch begrenzter militärischer Einsatz. Mögliche Einsatzgebiete sind die Überwachung einer vereinbarten Waffenruhe, eine Marinemission vor der Küste Libyens oder Hilfe bei der Grenzkontrolle. Voraussetzung ist aber, dass sich die Konfliktparteien auf eine Regierung der nationalen Einheit einigen. Entsprechende Gespräche unter UN-Vermittlung führen aber seit Wochen nicht zum Erfolg.

Nach Gesprächen mit Überlebenden des Unglücks vom Wochenende geht die Uno mittlerweile von etwa 800 Todesopfern aus, sagte eine Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Dienstag im sizilianischen Catania. Der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio Di Giacomo, bestätigte diese Schätzung. Nach dem Kentern des Flüchtlingsboots vor Libyen in der Nacht zum Sonntag hatte das UNHCR zunächst von etwa 700 Todesopfern gesprochen.

Unter den mehr als 800 Menschen an Bord, seien „Kinder von zehn, zwölf Jahren“, berichtete die Uno-Sprecherin nun. Es habe sich um Syrer, rund 150 Eritreer und Somalier gehandelt. Die Überlebenden stammten aus Mali, Gambia, Senegal, Somalia, Eritrea und Bangladesch.

Flüchtlinge im Mittelmeer: 1000 Euro für die Fahrt in den Tod

Flüchtlinge im Mittelmeer

1000 Euro für die Fahrt in den Tod

Sie rufen um Hilfe. Dann kentert das Fischerboot vor der Küste Libyens. Hunderte Menschen ertrinken. Das Entsetzen in Europa ist groß, obwohl das Drama nicht das erste ist. Fragen und Antworten zum Unglück in Mittelmeer.

Durch die erneute Flüchtlingstragödie geriet die Europäische Union in die Kritik. Die EU-Außen- und Innenminister einigten sich als Konsequenz am Montag auf einen Zehn-Punkte-Plan, der unter anderem eine "Stärkung" der Seenotrettung im Mittelmeer vorsieht. Anlässlich der Ankunft der Überlebenden in Catania demonstrierten einige Dutzend Menschen für die Abschaffung eines italienischen Gesetzes, dass illegal eingewanderte Menschen kriminalisiert.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr peter Spirat

21.04.2015, 08:00 Uhr

Ginge es um das ÖL, hätte der Westen die entsprechenden Regierungen schon lange "weg gebomt".

Aber hier geht es ja nur um Menschen, also kann man die menschen-verachtenden Regierungen der Staaten wie Mali,... ruhig weitermachen lassen, wie bisher. Menschenrechte sind offensichtlich nur dafür da, um Terror im Interesse der wirtrschaftlichen Intweressen zu begründen.

Wenn es wirklich um Menschen geht, sieht man weg.

Herr never mind

21.04.2015, 08:38 Uhr

die Probleme müssen in den Ursprungsländern gelöst werden. Dieses kann aber nur geschehen wenn die Ursprungsländer als Länder existieren. Meistens sind dieses nämlich "failed states", die überhaupt keine Struktur mehr haben. Gründe dafür ? Vielleicht fehlgeschlagene Politik des Westens ? Egal ! Geschehenes kann man nicht rückgängig machen. Die Lösung liegt darin das wieder in die Bahn zu bringen. Das kostet Geld, Geld und Geld. Aber ist ist der einzige Weg.

Herr erich esopherah

21.04.2015, 08:45 Uhr

Seit die Linksgrünen dafür gesorgt haben, dass jedes havarierte Schiffe gerettet werden muss und jeder Minderjährige automatisches Bleiberecht hat, werden diese Boote mit Kinders als Kapitäne absichtlich zur Havarie gebracht! Die selben Verantwortlichen für ALLE Seetoten, haben vor 30 Jahren die Auffanglager vor Ort verhindert, bis heute! Sie machen seither GESCHÄFTE mit den Illegalen Einwanderen und deren provoziertem Elend! Eine ganze Asylmissbrauchsindutrie von Werber mit falschen Versprechen in Afrika, über die mörderischen Schleuser an den Küsten, zu den hier sitzenden integrations Gutmenschen, verschlingt abermilliarden! Wenn das Geld als Hilfe für die Länder aufgebracht werden würde, müsste keiner seine Heimat verlassen und sich chancenlos, als unterste Schicht, in fremdartigen Ländern, mit fremder Kultur, unter fremdsprachigen und fremden Klima "integrieren"! Die Menschen wollen nicht nach Deutschland, sie würden gerne bleiben! Aber unsere Gutmenschen verhindern das, sie zerstören deren Länder zur Demokratisierung, verseuchen ihnen die Gegend, fischen ihnen die fische von den Küsten, nehmen einzelne aus den Dörfern, die dann ihre Familien mit Geld versorgen und die Nachbarssöhne zur Wanderung nötigen..... Es reicht, die Verantwortlichen sind bekannt, Linksgrüne Einwanderungsforderer! Stoppt sie endlich, sie töten Menschen und zwingen uns zuzusehen! Australien hat es vorgemacht, dort gibt es keine Toten mehr!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×