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03.10.2013

17:33 Uhr

Flüchtlingsdrama

Mehr als 130 Flüchtlinge ertrinken vor Lampedusa

Vor der italienischen Insel Lampedusa sind nach einem Schiffbruch mindestens 133 Menschen ertrunken. Zahlreiche weitere Migranten werden noch vermisst. Die Flüchtlinge hatten versucht die europäische Küste zu erreichen.

Tragödie im Mittelmeer

Flüchtlingsboot kentert vor Lampedusa

Tragödie im Mittelmeer: Flüchtlingsboot kentert vor Lampedusa

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RomNach dem Flüchtlingsdrama vor der italienischen Insel Lampedusa sind weitere 40 Leichen entdeckt worden, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Küstenwache berichtete. Damit steigt die Zahl der Opfer auf mindestens 133. Zahlreiche weitere Migranten wurden nach dem Schiffbruch am Donnerstag noch vermisst. Unter den Toten seien auch Kinder, sagte Bürgermeisterin Giusi Nicolini.

Das Boot mit etwa 500 Menschen an Bord hatte vor der Nachbarinsel Isola dei Conigli Feuer gefangen und war gekentert. Die Zahl der Geretteten wurde zunächst mit 151 angegeben. Außenministerin Emma Bonino nannte den Tod von Migranten eine „endlose Tragödie“. Dem UN-Flüchtlingshilfswerk zufolge waren alle Passagiere Eritreer, die in Libyen an Bord gegangen waren.

Lampedusa – die Flüchtlingsinsel

Geographie

Die kleine italienische Mittelmeerinsel Lampedusa südlich von Sizilien ist wegen ihrer Nähe zu Afrika seit Jahren für Bootsflüchtlinge das Tor nach Europa. Die Küste Tunesiens ist nur 130 Kilometer entfernt. Mit etwa 20 Quadratkilometern ist Lampedusa die größte der Pelagischen Inseln. Das Eiland hat etwa 5000 Einwohner.

Flüchtlinge

Immer wieder wagen Migranten aus Nordafrika die gefährliche Überfahrt nach Europa. Ihre Boote sind oft kaum seetüchtig, viele Menschen sind schon ertrunken. Zwischen Juli 2008 und Juli 2009 erreichten mehr als 20 000 Einwanderer aus Nordafrika Lampedusa. Dann ließ die rigide Abschiebepolitik der damaligen Regierung von Silvio Berlusconi die Zahlen stark zurückgehen.

Arabischer Frühling

Nach dem Beginn der Umwälzungen in den arabischen Ländern schwoll der Flüchtlingsstrom 2011 erneut drastisch an. Zehntausende landeten auf Lampedusa. Die Lage eskalierte, als zeitweise bis zu 6000 Immigranten unter unerträglichen Bedingungen auf der Insel festsaßen.

Aufnahmezentrum

Das offene Durchgangslager - es gibt kein geschlossenes Aufnahmezentrum mehr - hat nach Angaben des italienischen Flüchtlingsrates CIR knapp 400 Bettstellen. Manchmal sind dort aber mehr als 1000 Menschen. Vor zwei Jahren hatte ein Feuer einen Teil des Zentrums zerstört, der nur teilweise wiederaufgebaut wurde.

Verschärfung

Nach einem Rückgang 2012 strandeten in der ersten Jahreshälfte 2013 nach offiziellen Zahlen 3648 Menschen auf Lampedusa - mehr als dreimal so viele wie im gleichen Vorjahreszeitraum. In den vergangenen Wochen verschärfte sich die Lage weiter.

„Es ist ein Horror“, sagte Bürgermeisterin Nicolini. Die Flüchtlinge sollen Medienberichten zufolge aus Eritrea und Somalia stammen. Sie waren etwa zwölf Stunden vor dem Unglück an der libyschen Küste aufgebrochen. Möglicherweise hatten die Migranten selbst Feuer an Bord gemacht, um auf sich aufmerksam zu machen.

Zunächst sei der Motor des Flüchtlingsbootes ausgefallen und Wasser eingedrungen, schilderte Innenminister Angelino Alfano die Vorgänge an Bord. Die Passagiere hätten daraufhin ein Laken angezündet, um auf sich aufmerksam zu machen. Dadurch sei aber ein Brand ausgebrochen. Alle Menschen hätten sich auf eine Seite des Bootes geflüchtet, wodurch dieses untergegangen sei. „Hätten sie ein Telefon benutzen können, hätten sie gerettet werden können“, sagte Alfano. Die Mannschaft eines Fischerbootes alarmierte Behördenangaben zufolge am Morgen als erste die Küstenwache und begann damit, Menschen aus dem Wasser zu ziehen.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

03.10.2013, 15:10 Uhr

Tja, ohne Namen nennen zu wollen, sage auch ich, diese Spezies von Kommentatoren würde genauso argumentieren, wenn es darum ginge, Menschen, insbesondere Juden & Kommunisten vor dem KZ zu bewahren. Von wegen selbstverantwortlich, Menschenrechte im 3.Reich und so.

schluchz

03.10.2013, 15:19 Uhr

Man könnte ersticken vor der Selbstgerechtigkeit gepaart mit Verlogenheit von Europäern: wenn man Krieg führt (Gott bewahre, Europa führt ja gar keinen Krieg) gibts halt Flüchtlinge.
Aber statt zu sagen, was interessieren uns diese blöden Flüchtlinge, wird die kollektives Taschentuchzücken verordnet.

Soviel Verlogenheit verdient, nein lechzt nach, doch nachgeradezu den/m Friedensnobelpreis.

Kotzen klänge demnach noch vergleichsweise zivilisiert.

NichtzuFassen

03.10.2013, 15:26 Uhr

Sie vergleichen allen Ernstes die Situation von illegalen Wirtschaftsflüchtlingen mit NS-Verfolgten und KZ Opfern ??!!
Man on man. Sie sind wirklich der lebende Beweis dafür, dass in diesem Land mehr in die Bildung investiert werden muss.

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