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06.08.2015

12:31 Uhr

Flug MH370

Was das Wrackteil beweist – und was nicht

Die Hinweise verdichten sich, dass das angeschwemmte Wrackteil zum verschollenen Flug MH370 gehört. Die Ermittler erhoffen sich entscheidende Hinweise. Was die eindeutige Identifizierung der Wrackteile bedeuten würde.

Was bedeuten die Wrackteile für die Ermittlungen? dpa

Wrackteil stammt von Flug MH370

Was bedeuten die Wrackteile für die Ermittlungen?

Canberra Die malaysische Regierung sieht es als erwiesen an, dass das vor einer Woche auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean angeschwemmte Wrackteil zum vor 17 Monaten verschollenen Flug MH370 gehört. Als Beleg dafür nennt sie den verwendeten Dichtstoff und die Farbe auf dem Querruder, die mit den Wartungsunterlagen von Malaysia Airlines übereinstimmten. Auch wurden nach malaysischen Angaben mittlerweile noch andere Trümmer wie ein Flugzeugfenster gefunden. Ermittler aus Frankreich, den USA und Australien wollen aber zunächst weitere Untersuchungen abwarten.

MH370 stürzte ab

Die Behörden waren schon länger von einem Absturz der Maschine mit 239 Insassen ausgegangen. Da seit dem Verschwinden des Flugzeugs am 8. März 2014 aber keinerlei Trümmer oder Leichen gefunden worden waren, blieben letzte Zweifel, nicht nur bei Angehörigen der Vermissten, sondern auch bei einigen Unfallermittlern. Das gefundene Querruder wäre der erste konkrete Beweis für einen Absturz, nicht alle würden es aber wohl als eindeutigen Beleg anerkennen.

Verschwörungstheorien rund um Flug MH370

Wurde die Maschine von Terroristen entführt?

Die Ermittler haben alle Passagiere und Besatzungsmitglieder unter die Lupe genommen. Niemand hatte Terror-Sympathien oder -Verbindungen, auch die beiden Iraner nicht, die mit gefälschten europäischen Pässen an Bord waren. Sie träumten vom besseren Leben in Europa. Keine Terrororganisation hat sich je zu einem Anschlag bekannt.

Steckt ein Schurkenstaat dahinter?

Das behauptet der Amerikaner Christopher Green in einem auf YouTube populären Video, allerdings ohne jedwede Indizien. Ein Schurkenstaat habe die Maschine gekapert, wolle sie mit Atomwaffen ausstatten und eines Tages auf eine US-Stadt lenken. Der US-Autor Jeff Wise vermutet die Maschine dagegen in russischen Händen, ebenfalls ohne irgendwelche konkreten Anhaltspunkte.

Was ist mit dem FBI?

Das FBI taucht immer bei Verschwörungstheorien auf: Die USA seien hinter etwas her gewesen, das an Bord war, meint der chinesische Blogger He Xin. Die US-Botschaft in Kuala Lumpur sah sich sogar genötigt zu dementieren, dass das Flugzeug auf dem US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean landete. Ex-Airline-Chef und Buchautor Marc Dugain kombiniert diese Theorien zu seiner Version: Hacker manipulierten die Bordcomputer von außen und lenkten die Maschine in Richtung des US-Stützpunkts, wo sie vom US-Militär abgeschossen wurde.

Kann die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein?

Das behauptet der britische Autor Nigel Cawthorne in einem Buch. Bei einer damals stattfindenden thailändisch-amerikanischen Militärübung im Südchinesischen Meer sei scharfe Munition verwendet worden. Die Geschichte vom stundenlangen Flug in Richtung Süden sei erfunden worden, um sicherzustellen, dass das Wrack an falscher Stelle gesucht und nie gefunden wird. Seriöse Experten zweifeln dagegen nicht an den Angaben der Satellitenfirma Inmarsat, die Stunden nach dem Verschwinden Daten von der Maschine auffing.

Hat der Pilot selbst die Maschine ins Verderben gelenkt?

Das halten mehrere erfahrene Unfallermittler für die wahrscheinlichste Variante. Sie äußern sich in einer Dokumentation des Senders National Geographic: Der Pilot dirigiert den Kopiloten unter einem Vorwand aus dem Cockpit, nimmt eine Sauerstoffmaske, löst in der Kabine einen Druckabfall aus, der alle ins Koma versetzt und fliegt Richtung Süden, bis die Maschine mit leeren Tanks abstürzt. Warum würde aber jemand auf Suizid-Mission die Maschine so lange fliegen lassen?

Kann das Verschwinden mit einem technischen Defekt erklärt werden?

An Bord war zwar eine Ladung mit gut 200 Kilogramm hoch brennbaren Batterien. Ein Brand hätte womöglich die beiden Kommunikationssysteme zerstören können - aber die Piloten hätten zuvor im Cockpit Alarm gehört und über Funk eine Notsituation gemeldet, sagen Piloten. Hätten toxische Dämpfe oder ein Druckabfall Passagiere und Crew bewusstlos gemacht, hätte die Maschine nach dem letzten Radarkontakt nicht zwei abrupte Kursänderungen nehmen kön

MH370 stürzte im indischen Ozean ab

Die Ermittler hatten kaum Zweifel, dass die Maschine auf ihrem Weg von Kuala Lumpur nach Peking weit vom Kurs abwich und dann im Indischen Ozean abstürzte. Doch das Wrackteil wäre ein erster greifbarer Beweis dafür.

Die letzte bestätigte Radarposition von Flug MH370 war in der Straße von Malakka westlich von Malaysia. Von dort ermittelte ein Team von Experten mit Hilfe von sieben Satellitensignalen eines Triebwerks der Maschine an eine Bodenstation, wo sie in etwa niederging. Zunächst legten sie zwei Korridore fest, die von Kasachstan im Norden bis zum Südlichen Indischen Ozean reichten. Der nördliche Korridor wurde schließlich ausgeschlossen. Nicht jeder war aber überzeugt, dass sich der Absturz im Süden ereignete. Ozeanographen sehen mit dem Fundort in La Reunión, weiter westlich im Indischen Ozean, nun aber keinen Zweifel mehr daran.

Der genaue Absturzort bleibt unklar

Die Suchteams sehen den Fund der Wrackteile als deutlichen Hinweis darauf, dass sie in ihrem mehr als 4000 Kilometer östlich von La Réunion gelegenen Suchgebiet auf der richtigen Spur sind. Ein eindeutiger Beweis ist es allerdings nicht, weil die Rückverfolgung von Trümmerteilen durch die Meeresströmungen viele Unwägbarkeiten beinhaltet. Die Behörden wollen ihr Suchgebiet westlich von Australien aber beibehalten.

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