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09.02.2015

11:33 Uhr

Flughafen Hamburg

Keine Strafanzeigen mehr gegen Pfandsammler

VonTina Halberschmidt

Am Hamburger Flughafen ist Pfandsammeln wieder erlaubt: Fast 60.000 Menschen haben eine Online-Petition unterzeichnet und dafür gesorgt, dass der Flughafen keine Strafanzeigen mehr gegen Flaschensammler stellt.

Für viele Menschen ist das Sammeln von Dosen und Pfandflaschen zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. dpa

Für viele Menschen ist das Sammeln von Dosen und Pfandflaschen zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden.

Hamburg97 Mal hat der Hamburger Flughafen im vergangenen Jahr Anzeige gegen Pfandsammler erstattet, die ein zuvor ausgesprochenes Hausverbot missachtet hatten. Für den Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer ein Unding: „Ich war schockiert, dass nun auch mit Strafanzeigen gegen Arme vorgegangen wird“, so Karrenbauer, der für das Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunz arbeitet.

Er kennt viele der Betroffenen persönlich: „Die meisten der Flaschensammler, die zu mir kommen, sind ehrliche und fleißige Menschen. Sie versuchen, sich legal über Wasser zu halten. Wenn sie dafür dann auch noch Anzeigen bekommen, ist das Gift für ihr Selbstwertgefühl.“
Für Karrenbauer war klar: Er wollte die Sammler unterstützen. Auf einem Online-Portal startete er eine Petition und forderte den Flughafen auf, die Anzeigen zurückzunehmen und das Pfandsammeln wieder zu erlauben. Innerhalb weniger Tage unterschrieben über 57.000 Menschen seinen Aufruf. Wenige Tage später reagierte der Flughafen: „Wir haben verstanden.“
Gemeinsam mit Stephan Karrenbauer und seinem Team verständigte man sich auf eine Lösung, die das Pfandsammeln am Flughafen – zunächst für eine dreimonatige Testphase – wieder erlaubt. Alle 97 Strafanzeigen werden ohne Ausnahme zurückgenommen.
Bei Twitter zeigten sich die Unterstützer der Petition erleichtert.


Auch bei Facebook und Change.org war die Freude über das Ergebnis groß: „Toll! Und schön zu sehen, wie empathielose Sesselfurzer sich plötzlich bewegen können, wenn potenzielle Kunden Druck machen“, schreibt ein Kommentator. Ein anderer fügt hinzu: „Das ist ja super, dass die Strafanzeigen zurückgenommen werden. Da sieht man wieder, wie von unten nach oben verteilt werden soll und Reisende aus aller Welt ja keine Armut in Deutschland sehen sollen… Doch das ist in Deutschland leider die traurige Realität, dass Menschen nicht mal von ihrer Erwerbstätigkeit ein Leben in Würde führen können.“
Offiziell war das Sammeln von Flaschen am Airport verboten, weil man einen „ungestörten Betrieb“ gewährleisten und den Fluggästen einen „angenehmen Aufenthalt“ ermöglichen wolle, erklärte Stefanie Harder, Sprecherin des Hamburger Flughafens, auf Nachfrage des Straßenmagazins Hinz & Kunzt.

Bereits Anfang 2014 hatte das Hamburger Straßenmagazin eine öffentliche Debatte über die Verdrängung von Armen und Obdachlosen angestoßen. Damals hatte die Hansestadt neue Mülleimer aufgestellt, die das Hineingreifen unmöglich machen. Nach empörter Kritik der Hinz&Kunz-Leser stimmte die Stadtreinigung zu, an einigen Mülleimern in der Innenstadt Pfandregale anzubringen, die den Sammlern das Leben erleichtern sollen.

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