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19.03.2012

16:28 Uhr

Flyer klären auf

Neue Kampagne soll Verschwendung von Essen verhindern

Weil zu viele Lebensmittel im Müll landen, hat die Bundesverbraucherministerin eine Infokampagne gestartet. Flyer in Supermärkten klären Verbraucher über die Haltbarkeit von Produkten auf. Der Handel findet das sinnvoll.

Laut einer Studie wirft jeder Bundesbürger im Schnitt jährlich rund 82 Kilo Lebensmittel weg. dpa

Laut einer Studie wirft jeder Bundesbürger im Schnitt jährlich rund 82 Kilo Lebensmittel weg.

BerlinMehr Aufklärung beim Einkaufen: Eine Informationskampagne soll dazu beitragen, dass Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum künftig nicht mehr automatisch im Müll landen. Bundesweit sollen Flyer in den Lebensmittelmärkten verteilt werden, um mit Missverständnissen über die Haltbarkeit von Lebensmitteln aufzuräumen. „Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum, sondern eine Orientierungshilfe“, sagte die Bundesverbraucherministerin und CSU-Politikerin Ilse Aigner am Montag in Berlin.

Insgesamt wandern in Deutschland laut einer aktuellen Studie jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel in den Abfall. Die Privathaushalte werfen jährlich 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll, zwei Drittel davon wären noch genießbar gewesen. Einen Grund für die Verschwendung sieht Aigner im falsch verstandenen Mindesthaltbarkeitsdatum. In der Regel könne ein Produkt auch mehrere Tage nach Ablauf der Frist ohne Bedenken verzehrt werden, betonte sie.

Was das Mindesthaltbarkeitsdatum aussagt

Was ist das Mindesthaltbarkeitsdatum?

Es wird auf der Verpackung mit „mindestens haltbar bis...“ angegeben und zwar in der Regel mit Tag, Monat und Jahr. Bei Milchprodukten oder abgepacktem Brot, die maximal drei Monate haltbar sind, müssen nur Tag und Monat der Mindesthaltbarkeit genannt werden.
Bei Waren wie Mehl und Nudeln, die zwischen drei Monaten und anderthalb Jahren haltbar sind, kann der Tag entfallen. Bei Dauerwaren wie Konserven oder Mineralwasser genügt die Jahresangabe „mindestens haltbar bis Ende...“.

Was sollen Verbraucher nach Ablauf des MHD tun?

Ob ein Lebensmittel noch genießbar ist, ist zumeist an Farbe, Geruch, Geschmack oder Konsistenz zu erkennen. Gibt es deutliche Veränderungen wie einen untypischen Geruch oder gar Schimmel, sollte die Packung entsorgt werden.

Was gilt für geöffnete Verpackungen?

Bei manchen Produkten wird angegeben, wie lange die Lebensmittel nach dem Öffnen haltbar sind. Die Produkte verlieren dann schneller an Frische und Haltbarkeit, dennoch lohnt es sich auch in diesem Fall, das Essen vor dem Wegwerfen nochmals zu prüfen.

Was ist das Verbrauchsdatum?

Das Verbrauchsdatum ist für besonders leicht verderbliche Produkte wie Hackfleisch oder frisches Geflügel vorgeschrieben. Im Unterschied zum MHD gibt es den Zeitpunkt an, bis zu dem ein Lebensmittel tatsächlich verbraucht sein sollte. Sie sollten also nach Ablauf des Verbrauchsdatums entsorgt werden, weil sie sonst gesundheitsschädlich sein könnten.

Welches Ziel verfolgt die neue Aufklärungsaktion?

Sie soll die Verbraucher besser über das Mindesthaltbarkeitsdatum aufklären. Den Kunden soll klar gemacht werden, dass die Produkte in der Regel auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch mehrere Tage genießbar sind. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sei „kein Wegwerfdatum, sondern eine Orientierungshilfe“, betont die Verbraucherschutzministerin.

Was ist der Auslöser?

Einer Studie zufolge wirft jeder Bundesbürger im Jahr rund 82 Kilogramm Lebensmittel in den Müll, das entspricht zwei voll gepackten Einkaufswagen. Eine Umfrage vom Januar hatte außerdem gezeigt, dass viele Deutsche häufig Lebensmittel wegwerfen, weil sie Mindesthaltbarkeit mit Verfall verwechseln. Allerdings sind auch zu große Packungen ein Grund, warum Lebensmittel in der Tonne landen.

Wie soll eine bessere Aufklärung erreicht werden?

Laut Verbraucherministerium sollen in bundesweit rund 21.000 Supermärkten vier Millionen Handzettel und Infokarten verteilt werden, die die wichtigsten Fragen rund um das Mindesthaltbarkeitsdatum und das Verbrauchsdatum beantworten.

Verbraucher sollten dann durch Sehen, Riechen und Probieren selbst beurteilen, ob die Lebensmittel noch genießbar seien, empfahl Aigner. Gleichzeitig rief sie dazu auf, im Supermarkt darauf zu achten, nicht zu viel einzukaufen. Ihr Ziel sei es, die Abfallmengen zu halbieren, sagte die Ministerin.

In den nächsten Tagen soll die Kampagne anlaufen. Dann werden vier Millionen Infoblätter in 21.000 Supermärkten verteilt. Diese enthalten auch Tipps zur richtigen Lagerung von Lebensmitteln.

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