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13.03.2012

15:43 Uhr

Foodwatch-Studie

Dickmacher für Kinder treiben Gewinne

Zu fett, zu süß, zu ungesund: Der überwiegende Teil der für Kinder hergestellten Lebensmittel macht krank. Das zeigt zumindest eine Foodwatch-Studie. Demnach forcieren die Konzerne das auch noch - wegen der Margen.

Ungesunde Produkte für Kinder sollen nicht mehr mit Spielzeugen und Gewinnspielen vermarktet werden, fordert foodwatch. dpa

Ungesunde Produkte für Kinder sollen nicht mehr mit Spielzeugen und Gewinnspielen vermarktet werden, fordert foodwatch.

BerlinViel zu süß und viel zu fett: Kinderprodukte sind nach einer Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch meist ungesunde Kalorienbomben. Von 1500 untersuchten Nahrungsmitteln, die für Kinder angepriesen werden, seien fast drei Viertel „süße und fettige Snacks“ gewesen, teilte Foodwatch am Dienstag in Berlin zur Stichpobe mit. Raffinierte Werbung verführe Kinder zum Konsum solcher dick machenden Happen und Softdrinks, hieß es. „Die Unternehmen tragen eine erhebliche Mitverantwortung für die grassierende Fehlernährung von Kindern“, sagte Foodwatch-Mitarbeiterin Anne Markwardt. Sie forderte ein Werbeverbot für solche Kinderprodukte.

Die extra für Kinder angebotenen Lebensmittel gehörten zu denen, die nach Expertenempfehlung nur sparsam verzehrt werden sollten. Produkte, die man reichlich essen kann, wie verarbeitetes Obst, Nudeln oder Säfte, waren laut Foodwatch dagegen nur zu zwölf Prozent unter der Stichprobe. Damit entspreche die Produktpalette der Industrie für Kinder „ziemlich genau dem Gegenteil“ der Empfehlungen.

Kinder verputzen laut Foodwatch nur die Hälfte der empfohlenen Menge an Obst und Gemüse. Aber sie ziehen sich über 200 Prozent der Menge an Süßwaren, Snacks und Soft Drinks rein, die sie höchstens konsumieren sollten. Die Folge: Der Anteil übergewichtiger Kinder sei im Vergleich zu den 1980er und 90er Jahren um 50 Prozent gestiegen. 15 Prozent der Kinder sind zu dick, sechs Prozent sogar fettleibig. Sie tragen ein erhöhtes Risiko für Diabetes und andere Krankheiten.

Markwardt hielt der Industrie ihr Interesse an besonders gewinnträchtigem Handeln vor. „Mit Obst und Gemüse lässt sich nur wenig Profit machen - mit Junkfood und Soft Drinks schon mehr.“ Hersteller wollten Kinder zudem früh an ihre Marken binden und bei ihnen schon in jungen Jahren Geschmacksprägungen erreichen. Foodwatch warf auch dem Staat Versagen vor. Anstelle klarer Vorgaben für die Hersteller binde die Bundesregierung die Junkfood-Industrie in ihre Initiativen und Aktionspläne gegen Übergewicht ein, hieß es.

Mit Verboten für die Industrie will Foodwatch den ungesunden Trend stoppen: Unausgewogene Nahrungsmittel wie Süßigkeiten sollten nicht mehr als Kinderprodukte beworben werden. Produkte dürften auch nicht mit Comicfiguren oder Gewinnspielen gezielt für Kinder vermarktet werden. Gemeinsame Programme von Herstellern im Kampf gegen Übergewicht mit staatlichen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten oder Sportverbänden seien zu beenden. Denn: „Der Bock macht sich selbst zum Kindergärtner“, so Markwardt. Schulen und Kindergärten müssten werbefreie Räume sein.

Kommentare (10)

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JAJA

13.03.2012, 13:28 Uhr

Verbote für die Lebensmittelindustrie?
Vergessen Sie das.
Frau Aigner, diejenige die vor dem Verbraucher schützt, kümmert sich jetzt erst mal darum, das wir zu viel von dem Schund wegwerfen.
Obwohl man es ja noch verwerten könne.
Dieser Ansatz ist freilich ein ganz anderer.
Das Ziel natürlich auch. Ab heute lernt klein Michel, dass der Schund aufgegessen werden muss.
Fehlt nur noch der Hinweis auf den Hunger in der Welt.
Warum wird so eine Knallcharge eigentlich gewählt?
Oder ist das schon Quote?

Kattskralle

13.03.2012, 14:02 Uhr

Vielleicht sollten wir Kindern ja einfach mehr Freiheit lassen - und nicht auch noch auf den Ausschlag der Waagen mit Verboten reagieren.

Die Zeit in der Schule nimmt stetig zu - sogar im Sportunterricht wird mehr vor Geräten angestanden als wirklich was gemacht das alle Kindern in Bewegung bringt und Spaß macht.
Dann Eltern die der Auffassung sind daß frei herumlaufende Kinder zu Junkies werden wenn sie nicht vorher auch noch mißbraucht werden. Also Schulwege auf kürzeste Wege minimiert - und wenn´s regnet fährt dann trotzdem noch Mammi in die Schule.

Hallo - Jeder Hundebesitzer ist sich darüber im Klaren daß sein Köter klatschenfett wird wenn das Vieh nicht ordentlich bewegt wird. Der Hund darf im Garten rumtoben - wird sogar an der Leine Gassi geradelt. Aber unsere Kinder - da fällt uns nichts besseres ein als Snacks zu verbieten? Geht´s noch?

Account gelöscht!

13.03.2012, 14:12 Uhr

Zucker macht übrigens nicht nur Kinder krank, sondern auch Erwachsene.
Eine Zuckersteuer wäre viel sinnvoller (nicht nur, weil sie auch einträglicher wäre) als diese blöde Finanztransaktionssteuer.
Wer meinen Vorschlag nicht ganz ernst nimmt, sollte das folgende Experiment durchführen:
Gucken Sie sich mal einen beliebigen gekauften Yoghurt näher an: In den allermeisten Fällen finden Sie, dass 100g Yoghurt ca. 18g Zucker (=Saccharose) enthält.
Im nächsten Schritt bereiten Sie sich eine normale mittelgroße Tasse Kaffee oder Tee zu, die etwa 100ml =100g fasst.
Im dritten Teil wiegen Sie mit Ihrer Briefwaage 18g Würfelzucker ab.
Glauben Sie, dass jemals ein vernünftiger Mensch diesen Berg Zucker in seine Kaffeetasse geben wird? Genau das mutet aber die Lebensmittelindustrie ihren Konsumenten zu, und die merken noch nicht mal, wie sie manipuliert werden.

Im vierten Teil können Sie sich fragen, welchen Zweck eigentlich ein Verbraucherministerium hat, wobei es völlig egal ist, ob dieses Ministerium schwarz, grün oder rot angestrichen ist.

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