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04.06.2014

15:50 Uhr

Formel-1-Prozess

„Schön Sie zu sehen, Mr. Ecclestone“

VonCornelia Knust

Werner Schmidt, Ex-Vorstandschef der BayernLB, muss wöchentlich als Beklagter vor einer Strafkammer erscheinen. Diesmal als Zeuge im Ecclestone-Prozess. Doch Hände schütteln kann er noch problemlos mit dem Formel-1-Boss.

Formel-1-Chef Bernhard Ecclestone. EX-BayernLB-Chef Werner Schmidt hegt offenbar keinen groll gegen ihn. AFP

Formel-1-Chef Bernhard Ecclestone. EX-BayernLB-Chef Werner Schmidt hegt offenbar keinen groll gegen ihn.

MünchenVorstände arbeiten gerne an ihrem Denkmal, vor allem, wenn sie längst pensioniert sind und wöchentlich als Beklagter vor einer Strafkammer erscheinen müssen. Werner Schmidt, ehemals Vorstandschef der Bayerischen Landesbank, ist ganz offensichtlich so ein Fall.

Wenn schon der Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria ein Fehler, ja sogar Untreue gewesen sein soll, was gegen Schmidt und fünf seiner Vorstandskollegen gerade in einem Nachbarsaal des Landgerichts München I verhandelt wird, dann war doch der Verkauf der Formel1-Anteile wenigstens ein Coup.

Gegen Formel 1-Chef Bernhard Ecclestone jedenfalls scheint Schmidt keinen Groll zu hegen. Der ist hier angeklagt wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue, und Schmidt ist hier heute Zeuge. Nach Ende seiner Einlassungen umrundet Schmidt die Anklagebank und schüttelt Ecclestone, der sich gleich erhebt, die Hand: „Schön Sie zu sehen“, sagt der Banker auf Englisch mit schwäbischem Akzent. „Wäre besser unter anderen Umständen“. Dann verlässt er mit seiner Anwältin den Saal.

Ecclestone - Ein Kurzporträt

Der Funktionär

Kein anderer hat die Formel 1 so im Griff gehabt wie Bernie Ecclestone. Fast vier Jahrzehnte lang war der gerade mal 1,58 Meter große Brite derjenige, zu dem alle aufschauten.

Der Unternehmer

Ecclestone hat die Formel 1 zum Milliardengeschäft gemacht. Und er hat dabei selbst bestens mitverdient. Nachdem er schon im Kindesalter seinen Geschäftssinn entdeckt und gepflegt hatte, brachte es Ecclestone vom Gebrauchtwagenhändler zum Milliardär. Laut Forbes gehört er zu den reichsten Menschen der Welt.

Seine Jugend

Bernie Ecclestone wurde am 28. Oktober 1930 in Ipswich in England geboren. Nach der Schule arbeitete er bei den Stadtwerken.

Seine Frauen

Ecclestone hat dreimal geheiratet. Von seiner ersten Frau Ivy bekam er die Tochter Deborah, die ihm seinen ersten Enkel schenkte. Mittlerweile ist er sogar Urgroßvater.

Später heiratete Ecclestone das kroatische Modell Slavica Radic. Sie war 28 Jahre jünger und 29 cm größer als Ecclestone.

2012 heiratete Ecclestone schließlich Fabiana Flosi.

Sein Aufstieg

Aufgewachsen ist er im südenglischen Bexleyheath. Ecclestone versuchte sich als Rennfahrer - der Erfolg blieb aus, also stieg er als Team-Mitbesitzer und Fahrerberater in die Formel 1 ein. 1977 kaufte er die Werberechte für die Königsklasse, ein Jahr später die Übertragungsrechte.

Seine Herrschaft

Ecclestones Herrschaft war keineswegs ohne Widerstände. Er leistete sich teilweise haarsträubende verbale Entgleisungen, köderte Teams mit Geld und Sonderbehandlungen und schaltete und waltete mehr oder weniger nach Belieben.

Sein Deal

Nach der Formel-1-Übernahme durch die Investmentgruppe CVC wurde Ecclestone als Geschäftsführer eingesetzt. Der Verkauf der Anteile der BayernLB an die CVC brachte ihm den Vorwurf der Bestechung ein. Das Landgericht München stellte das Verfahren jedoch gegen einen Auflage von 100 Millionen Dollar ein.

Ist denn Ecclestone nicht der Mann, der die Bayerische Landesbank mit allen Tricks bekämpft und ständig an der Nase herumgeführt hat? Der ein Vorstandsmitglied der Bank (Gerhard Gribkowsky) bestochen und sich das Geld dafür über eine Verkaufsprovision von derselben Bank wiedergeholt hat? Der die Bankmitarbeiter als „Clowns“, Gribkowsky als eitlen Narren und Gesamtheit der Finanzdienstleister als „bloody bankers“ bezeichnet hat? Den der heutige Landesbank-Vorstand mit Schadenersatzklagen angehen will?

Das scheint für Schmidt keine Rolle zu spielen. Oder wenn doch, dann wiegt die am Ende erfolgreiche Verwertung eines Pfands von beispielslosem Ausmaß in seiner Amtszeit wohl schwerer. Denn die Anteile von knapp 50 Prozent an der Formel 1-Holding „Speed“ hatte Schmidt (Vorstandsvorsitzender der BayernLB von 2001 bis 2008) gleich zu Beginn seiner Amtszeit auf dem Tisch - als Pfand aus dem Kredit an den inzwischen insolventen Medienunternehmer Leo Kirch.

Dass Gerhard Gribkowsky als Risikovorstand der Bank dieses Pfand zu Geld gemacht hat, genauer zu 839 Millionen Dollar, das scheint er ihm immer noch hoch anzurechnen. Das hatte er schon als Zeuge in Gribkowskys Strafprozess 2011 durchblicken lassen, auch wenn er da den unsteten Charakter des Bankers offensiver schilderte. Heute lobt er den inzwischen verurteilten Gribkowsky für seine berufliche Leistung und sein großes Fachwissen und bescheinigt ihm unter der rauen Schale einen weichen Kern.

Kommentare (1)

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04.06.2014, 16:28 Uhr

Die Vorstandssitzung war am 9. November 2005, nicht 2011.
Der Anteil der Provision für Ecclestone, den BLB bezahlt hat, belief sich auf USD 41,4 Mio.
Der Nettoerlös der BLB berief sich auf USD 772,65 Mio., nicht USD 836 Mio.

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