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07.01.2005

21:10 Uhr

Fotografieren kann zur Bedrohung werden

Ohrfeigen in der New Yorker U-Bahn

Ein neues Gesetz zur Terrorismus- Bekämpfung macht Fotografieren in der New Yorker U-Bahn zur Bedrohung für die Sicherheit und die körperliche Gesundheit von Touristen.

HB BERLIN Wer dieser Tage in der New Yorker U-Bahn Fotos macht - sei es als Tourist oder als Künstler - muss damit rechnen, zurechtgewiesen, denunziert oder sogar geschlagen zu werden. Schuld daran ist ein neues Gesetz zur Terrorismus-Bekämpfung, berichtet die «New York Times», über das in dieser Woche entschieden werden soll. Allerdings wendeten manche New Yorker es in Hilfssheriff-Manier bereits an, so der Bericht.

Es gehe nicht darum, Bürgerrechte zu beschneiden, verteidigt ein Sprecher der New Yorker Verkehrsbehörde das Vorgehen. Doch seien Vollzugsbehörden bei der Verfolgung von terroristischen Gruppen mehrfach auf Fotos von U-Bahn- und Fernbahnsystemen gestoßen. «Und ich glaube nicht, dass die fürs Skizzenbuch bestimmt sind.»

Der mögliche Foto-Bann fällt in eine Zeit, in der so genannte Subway-Fotografie gleich in mehreren Ausstellungen und Büchern gefeiert wird. Künstler wie der verstorbene Walker Evans, der zwischen 1938 und 1940 rund 600 Aufnahmen in der Subway machte, oder Bruce Davidson, der in den achtziger Jahren dort arbeitete, müssten sich eine Genehmigung holen, um fotografieren zu dürfen.

«Die U-Bahn ist eine eigene Welt in der Welt. Es ist ein Ort, an dem sich Menschlichkeit offenbart wie sonst nirgendwo. Für Fotografen ist es eine Art Spielplatz», erklärt Bob Shamis, Kurator für Fotografie am Museum der Stadt New York, das künstlerische Interesse an der Untergrundbahn.

Camilo José Vergara, der ein Buch mit entsprechenden Fotografien unter dem Titel «Subway Memories» (U-Bahn-Erinnerungen) veröffentlicht hat und seit 1970 in der U-Bahn fotografiert, hat die Umsetzung des noch nicht verabschiedeten Gesetzes bereits zu spüren bekommen. Seitdem Plakate mit der Aufschrift «Wenn Sie etwas sehen, sagen Sie etwas» gebe, fühle er sich von selbsternannten Anti-Terror-Agenten bedroht. Es sei ihm auch schon passiert, dass er sich vor der Polizei, der er offensichtlich gemeldet worden war, erklären musste. «Ich habe die Tauben fotografiert», habe für die Beamten nicht sonderlich überzeugend geklungen, zitiert ihn die Zeitung.

Martha Rosler, die seit den achtziger Jahren in der Subway fotografiert, sagte, dass der Bann angesichts der technischen Entwicklungen sowieso unwirksam sei. Die Kameras seien doch mittlerweile so klein, dass man sie gar nicht bemerke.

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