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03.01.2015

16:09 Uhr

Frankreich

Bürgermeister verweigert Roma-Baby die Beerdigung

Nur wenige Monate nach seiner Geburt starb ein Roma-Baby an Weihnachten in Champlan. Der Antrag auf eine Beerdigung wurde vom Bürgermeister ohne Begründung abgelehnt. Schließlich mischte sich die Nachbarstadt ein.

Ein Holzkreuz steht auf einem Friedhof. Maria Francesca war in der Nacht zum 26. Dezember am plötzlichen Kindstod gestorben, doch eine Beerdigung wurde ihr in Champlan verwehrt. dpa

Ein Holzkreuz steht auf einem Friedhof. Maria Francesca war in der Nacht zum 26. Dezember am plötzlichen Kindstod gestorben, doch eine Beerdigung wurde ihr in Champlan verwehrt.

ÉvryEin rechtsgerichteter Bürgermeister in Frankreich hat einem zu Weihnachten verstorbenen Roma-Baby die Beerdigung in seiner Gemeinde verweigert. Der Bürgermeister von Champlan am Rand von Paris, Christian Leclerc, habe die Anfrage ohne Begründung abgelehnt, sagte der Bestatter Julien Guenzi am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Der Bürgermeister müsse sich nicht erklären, doch sei die Verweigerung einer Beerdigung „sehr selten“. Ein örtlicher Verein zur Unterstützung der Roma warf Leclerc „Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Stigmatisierung“ vor.

Das am 14. Oktober geborene Mädchen Maria Francesca war in der Nacht zum 26. Dezember am plötzlichen Kindstod gestorben, wie der Präsident des Vereins, Loic Gandais, mitteilte. Demnach starb das Kleinkind in einem Krankenhaus der an Champlan angrenzenden Gemeinde Corbeil-Essonnes. Die Familie stellte daraufhin in Champlan, wo sie mit anderen Roma in einem Camp wohnte, den Antrag, ihr Kind dort begraben zu dürfen. Angesichts der Weigerung des Bürgermeisters bot die nahe gelegene Gemeinde Wissous der Familie schließlich an, das Baby dort zu begraben.

Wer nimmt die meisten Flüchtlinge auf?

Anstieg der Flüchtlingszahlen

Aufgrund von internationalen Krisen rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit einem erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen in 2014. Im ersten Quartal 2014 haben rund 108.300 Flüchtlinge in einem der 28 EU-Staaten um Asyl angesucht. Doch kommen die meisten Asylsuchenden, die derzeit über das Mittelmeer nach Europa kommen, wirklich nach Deutschland?

Quelle: Eurostat/ Mediendienst Integration 2014

Platz 9

Griechenland: 2.440 Antragsteller

Platz 8

Ungarn: 2.735 Antragsteller

Platz 7

Österreich: 4.815 Antragsteller

Platz 6

Belgien: 5.065 Antragsteller

Platz 5

Großbritannien: 7.575 Antragsteller

Platz 4

Italien: 10.700 Antragsteller

Platz 3

Schweden: 12.945 Antragsteller

Platz 2

Frankreich: 15.885 Antragsteller

Platz 1

Deutschland: 36.890 Antragsteller

„Einfach aus Menschlichkeit konnte die Situation so nicht bleiben“, sagte der Bürgermeister von Wissous, Richard Trinquier. „Es gibt keinen Grund, einer Mutter, die neun Monate ein Kind getragen hat und es nach zweieinhalb Monaten verliert, weiteren Schmerz zu bereiten.“ In Frankreich können Menschen an ihrem Wohnort, an ihrem Sterbeort oder in einer Gemeinde begraben werden, wo die Familie eine Begräbnisstätte hat. In jedem Fall müssen die Angehörigen beim jeweiligen Bürgermeister um Erlaubnis bitten.

Von

afp

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