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10.04.2015

13:13 Uhr

Frankreich will Magermodels verbieten

„Mode ist ein Katalysator der Neurose“

Frankreich ist das Land der Haute Couture, magere Modells gehörten lange dazu. Nun will die Nationalversammlung den Schlankheitswahn auf dem Laufsteg per Gesetz stoppen. Doch wie will man eine solche Regel überprüfen?

Das Thema ist nicht neu. In Israel gibt es bereits ein Gesetz, in anderen Ländern Selbstverpflichtungen der Branche. dpa

Neue Initiative gegen Magermodels

Das Thema ist nicht neu. In Israel gibt es bereits ein Gesetz, in anderen Ländern Selbstverpflichtungen der Branche.

ParisEs sind solche Erfahrungsberichte ehemaliger Models, die aufschrecken. „Man hat mir in diesem Milieu auf die Finger gehauen, weil ich erzählt habe, was ich gesehen habe“, sagte Géraldine Maillet, früher selbst auf Pariser Laufstegen unterwegs. „Mädchen, die eine oder zwei Wochen vor den Modenschauen abends nichts mehr essen, die nur einen Apfel am Tag essen, sich mit Kaffee volllaufen lassen oder nur rauchen, um den Hunger zu bekämpfen.“

Was die Französin der Tageszeitung „Libération“ erzählte und auch schon in einem Buch verarbeitet hat, führt sie zu dem Schluss: „Die Mode ist ein Katalysator der Neurose.“

Steckt hinter den feenhaften Körpern bei den legendären Pariser Modenschauen also ein System, das die Gesundheit der Models auf die leichte Schulter nimmt? Das damit noch dazu ein verzerrtes Schönheitsideal verbreitet und die Magersucht fördert?

So sehen es jedenfalls die französischen Sozialisten - die von ihnen dominierte Nationalversammlung will jetzt durchgreifen: Wer zu wenig wiegt, soll künftig nicht mehr auf den Laufsteg.

Maßnahmen gegen Magermodels

Israel

Seit 2013 verbietet Israel als weltweit erster Staat untergewichtigen Models per Gesetz die Arbeit. Auch Fotografen, Agenturen und Magazine werden in Verantwortung genommen.

Spanien

Madrid entschied 2006 als erste internationale Modemetropole, zu magere Models von den Laufstegen zu verbannen. Die Veranstalter der Madrider Modewoche schließen in nahezu jedem Jahr einzelne Models wegen Untergewichts von der Teilnahme aus.

Italien

Die Regierung in Rom einigte sich 2006 mit den Modeverbänden des Landes auf eine Grundsatzerklärung gegen Magersucht. Bei Modenschauen in Mailand setzen seitdem viele Designer auf kurvigere Models.

Großbritannien

Die Londoner Modewoche startete 2009 eine Kampagne gegen Magermodels. Die britische Modeindustrie setzt sich seit 2007 für unterschiedliche Konfektionsgrößen ein, nachdem drei Models an Magersucht gestorben sind.

Deutschland

2012 riefen die Veranstalter der Berliner Fashion Week und das Magazin „Vogue“ die Designer vor der Modewoche dazu auf, sich beim Casting an die Prinzipien einer internationalen Gesundheitsinitiative der Zeitschrift zu halten. Die Frauen sollen demnach ein „gesundes Körperbild“ transportieren. Das Bundesgesundheitsministerium hatte bereits 2008 an die Designer appelliert, auch bei der Modewoche keine Magermodels einzusetzen.

Diesen Passus nahm das Parlament jetzt in die geplante Gesundheitsreform auf. Am Dienstag (14.4.) soll über das Gesetz abgestimmt werden. Unterhalb eines noch festzulegenden Body-Mass-Indexes, der das Gewicht ins Verhältnis zur Größe setzt, wäre die Arbeit als Model in Frankreich damit tabu.

Wer trotzdem Magermodels beschäftigt, dem würden 75 000 Euro Geldstrafe und bis zu sechs Monate Gefängnis drohen. Zu dünne Models vermittelten ein gefährliches Körperbild, mahnte der sozialistische Abgeordnete Olivier Véran.

Die Modebranche ist bereits auf den Barrikaden. Die Model-Agentur-Organisation Synam beklagte eine Benachteiligung von Frauen, die von Natur aus sehr dünn sind - und nannte als Beispiel die androgyne Figur des früheren Starmodels Inès de la Fressange.

Die Agenturen fühlen sich zudem zu Unrecht am Pranger und verwiesen auf die Wünsche ihrer Kunden - also: der Designer, Werbeleute und Modemagazine.

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