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26.01.2006

09:04 Uhr

Frauen haben ohne Kopftuch gebetet

Tabu-Bruch in der Türkei

In der Türkei bleiben die Männer beim Gebet in der Moschee unter sich. Wenn Frauen am Freitagsgebet teilnehmen, dann streng getrennt - und den Kopf natürlich bedeckt.

HB ISTANBUL.Umso mehr Aufsehen erregte jetzt eine bunt gemischte Gruppe von Männern und Frauen, die in einer Reihe aufgestellt in einer Istanbuler Moschee betete. Besonders pikant an dem Foto, das wie ein Lauffeuer durch die Zeitungen ging: Unter den Frauen, die ihr Haar in der Moschee offen zur Schau trugen, erkannten aufmerksame Betrachter die Frau von Cüneyd Zapsu - seines Zeichens Berater des islamisch-konservativen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Der Imam der Subasi-Moschee im asiatischen Stadtbezirk Üsküdar, in der im 17. Jahrhundert gelegentlich Sultan Mehmet IV. das Freitagsgebet verrichtete, wurde nach dem Aufsehen erregenden Tabu-Bruch von der Polizei verhört. Er wisse nicht, wer der „Anführer“ der Gruppe sei und kenne auch sonst niemanden. Allen Ermahnungen zum Trotz seien die Frauen auch weiterhin ohne Kopftuch zum Gebet erschienen, sagte Imam Ahmet Yilmaz der türkischen Zeitung „Hürriyet“. „Unsere Aufgabe ist es, die Gläubigen richtig zu unterweisen. Dennoch werden wir niemanden vertreiben, der zum Gebet in die Moschee kommt.“

Einer der „Abtrünnigen“, Ahmet Küre, ein Zahnarzt im Ruhestand, gab sich am Mittwoch öffentlich zu erkennen. „Wir gehören keinem Orden an und haben auch keinen Anführer.“ Die Gruppe treffe sich schon seit längerer Zeit, zum Gespräch, zum Teetrinken und zum gemeinsamen Gebet. „Die meisten von uns sind Hochschulabsolventen, können mindestens zwei Sprachen. Wir sind gebildete Menschen, die (den Republikgründer) Atatürk zum Vorbild haben. Deshalb kommen die Frauen ohne Kopftuch zum Gebet.“

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