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12.06.2015

14:02 Uhr

Freispruch für Ex-IWF-Chef

Strauss-Kahn ist kein Zuhälter

Freispruch für den Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds: Dominique Strauss-Kahn ist der Zuhälterei unschuldig. Die Vorwürfe gegen „DSK“, der gern Frankreichs Präsident geworden wäre, resultierten aus wilden Orgien.

Strauss-Kahn ist kein Zuhälter

„Harter Sex, ja - Prostituierte, nein“

Strauss-Kahn ist kein Zuhälter : „Harter Sex, ja - Prostituierte, nein“

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LilleIm aufsehenerregenden Prozess um Zuhälterei ist Dominique Strauss-Kahn freigesprochen worden. Der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) habe sich durch seine Teilnahme an Sexpartys mit Prostituierten nicht strafbar gemacht, entschied ein Gericht im französischen Lille am Freitag. Damit folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

In dem Prozess ging es um freizügige Partys zwischen 2008 und 2011. Neben Strauss-Kahn saßen noch 13 weitere Beteiligte auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft hatte für Strauss-Kahn und andere Angeklagte Freisprüche gefordert, in einigen Fällen auch Bewährungs- und Geldstrafen.

Zuhälterei und Prostitution in Frankreich und Deutschland

Zuhälterei

Zuhälterei ist in Frankreich verboten. Der Begriff wird im französischen Strafrecht deutlich weiter gefasst als das, was im deutschen Sprachgebrauch darunter verstanden wird. Eine Übersicht. (Quelle: dpa)

Frankreich - Strafbar

Strafbar sind im wesentlichen Beihilfe und Unterstützung zur Prostitution. Das ist etwa der Fall, wenn jemand Prostituierte für andere bezahlt.

Frankreich - Straffrei

Sex mit mehreren Partnern oder in Gruppen ist nicht strafbar, solange nicht Prostituierte von dritter Seite bezahlt werden. Entscheidend dabei ist das Wissen darum. Wer keine Kenntnis von bezahlten Prostituierten hat, bleibt straffrei.

Frankreich - Strafe

Zuhälterei kann in Frankreich mit bis zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 150 000 Euro bestraft werden. Das Strafmaß erhöht sich auf bis zu zehn Jahre und 1,5 Millionen Euro unter anderem dann, wenn eine organisierte Gruppe handelt.

Frankreich - Prostitution

Prostitution selbst ist in Frankreich nicht verboten. Noch im Gesetzgebungsverfahren ist eine umstrittene Regelung, wonach Freier für gekauften Sex bestraft werden sollen.

Deutschland - Gesetz

Hier gilt seit 2002 ein liberalisiertes Prostitutionsgesetz. Hauptziel war, die rechtliche und soziale Lage von Prostituierten zu verbessern. Zuvor galt Prostitution als sittenwidrig.

Deutschland - Streit

Union und SPD haben 2013 im Koalitionsvertrag vereinbart, man wolle „Frauen vor Menschenhandel und Zwangsprostitution besser schützen und die Täter konsequenter bestrafen“. Über eine Neuregelung ist sich Schwarz-Rot grundsätzlich einig, aber in den vergangenen Monaten ist der Gesetzgebungsprozess kaum vorangekommen.

Deutschland - Strafe

Das deutsche Strafgesetzbuch spricht unter anderem dann von Zuhälterei, wenn jemand „eine andere Person bei der Ausübung der Prostitution überwacht, Ort, Zeit, Ausmaß oder andere Umstände der Prostitutionsausübung bestimmt oder Maßnahmen trifft, die sie davon abhalten sollen, die Prostitution aufzugeben“. Es droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Der Vorsitzende Richter Bernard Lemaire wies in der Urteilsbegründung für Strauss-Kahn erneut darauf hin, es sei in dem Prozess nicht um Sexpraktiken gegangen. Auch aus Strauss-Kahns früherer Stellung als IWF-Chef sei kein Nachteil erwachsen. Der 66-Jährige habe die Prostituierten nicht bezahlt.

Zuhälterei wird in Frankreich deutlich weiter ausgelegt als in Deutschland und kann zum Beispiel auch Prostitution umfassen, die von Dritten bezahlt oder bei Sexpartys organisiert wird. Strauss-Kahn betonte allerdings stets, er habe nicht gewusst, dass die beteiligten Frauen Prostituierte waren.

Der nach einem Luxushotel benannte „Carlton“-Prozess stand vor allem wegen der pikanten Details über das Sexleben des ehemaligen Ministers in den Schlagzeilen. Prostituierte berichteten teils unter Tränen von den Abenden.

Strauss-Kahn musste seine Ambitionen auf die französische Präsidentschaft aufgeben, nachdem er 2011 wegen einer Affäre um Vergewaltigungsvorwürfe von seinem Job als IWF-Chef zurückgetreten war.

Von

dpa

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