Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.07.2015

08:53 Uhr

Fünf Jahre danach

Duisburg gedenkt Loveparade-Opfern mit Lichtermeer

Die Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten ist genau fünf Jahre her. Duisburg gedenkt den Opfern mit einem Lichtermeer und einer Gedenktafel. Auch eine Stiftung für Verletzte und Hinterbliebene soll gegründet werden.

Ein Lichtermeer erinnert an die Opfer der Loveparade 2010. dpa

Nacht der 1000 Lichter

Ein Lichtermeer erinnert an die Opfer der Loveparade 2010.

DuisburgMit einer öffentlichen Gedenkfeier erinnert die Stadt Duisburg an diesem Freitag (17.45 Uhr) an die Opfer des Loveparade-Unglücks vor fünf Jahren. Am 24. Juli 2010 waren bei dem Technofestival bei einer Massenpanik 21 Menschen erdrückt worden. Mehr als 500 wurden verletzt. Viele Betroffene leiden noch heute an den Folgen der Verletzungen oder unter psychischen Belastungen.

Bei der Veranstaltung am Unglückstunnel wollen Künstler ein großes Blütenbild als Symbol des Friedens und der Vergänglichkeit auslegen. Musik soll es vom Jungen Ensemble Ruhr und von der Gruppe „Trionova“ geben.

Bereits am Donnerstag hatten am Ort der Katastrophe mehrere Dutzend Trauernde bei einer „Nacht der 1000 Lichter“ der Toten und Verletzten gedacht. Angehörige und Organisatoren teilten Grablichter an die Teilnehmer aus. Bis zum Ende der Veranstaltung sollten den Gedenkort 1000 Kerzen schmücken.

Auf einer Treppe stellten Angehörige 21 Blumentöpfe ab. Jeder Topf steht symbolisch für ein Todesopfer. Am Ort der Massenpanik legten Menschen zudem Blumensträuße nieder oder stellten Fotos ihrer Angehörigen auf. Einige weinten. Andere suchten Trost durch Gespräche oder Umarmungen.

Chronologie zur Loveparade-Tragödie

24.Juli 2010

Vor dem Eingang zum Loveparade-Gelände entsteht eine Massenpanik. Menschen werden erdrückt oder niedergetrampelt.

27. Juli 2010

Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nennt Rücktrittsforderungen gegen ihn nachvollziehbar, bleibt aber im Amt.

31. Juli 2010

Bei einer Trauerfeier nehmen Tausende in Duisburg Abschied von den Opfern. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hält eine bewegende Trauerrede.

18.Januar 2011

Die Staatsanwaltschaft Duisburg nimmt Ermittlungen gegen den damaligen Einsatzleiter der Polizei sowie gegen Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters Lopavent auf. Sauerland und Lopavent-Chef Rainer Schaller gehören nicht zu den Beschuldigten.

12. Februar 2012

Die Duisburger stimmen in einem Bürgerbegehren mit großer Mehrheit für die Abwahl des Oberbürgermeisters.

24. Juli 2013

Am dritten Jahrestag wird eine neue Gedenkstätte am Unglücksort eröffnet. Lange hatten die verschiedenen Opfergruppen und der Besitzer des Grundstücks, ein Möbelhaus-Investor, um die Gestaltung des Geländes gerungen. Nun erinnern 21 Holzkreuze und eine Gedenktafel an die Opfer.

11. Februar 2014

Die Staatsanwaltschaft Duisburg erhebt Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt und gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

An der Unglücksstelle erinnert seit dieser Woche eine neue Gedenkplatte des Duisburger Künstlers Rüdiger R. Lorenzo Eichholtz an die Toten. Der Satz „Liebe hört niemals auf“ in sieben Sprachen – den Muttersprachen der Gestorbenen – soll den Trauernden Trost zusprechen. Über dem Trauerort wurden zudem acht Nationalfahnen gehisst.

Am Donnerstagnachmittag hatten die Angehörigen eine Stiftung unter dem Namen „Duisburg 24.7.2010“ ins Leben gerufen. Sie soll künftig Therapieplätze vermitteln, Gedenktage organisieren und Selbsthilfegruppen einrichten, teilte der Ombudsmann der Opfer, Jürgen Widera, mit. Der Hilfsfonds mit einem Startkapital von 50.000 Euro müsse jedoch erst noch gegründet werden.

Auch Loveparade-Gründer DJ Dr. Motte nahm am Donnerstag an der Gedenkveranstaltung der Angehörigen teil. „Ich will einfach für die Betroffenen da sein, die zu Schaden gekommen sind“, sagte der Künstler. Er hatte sich bereits 2006 von der Loveparade distanziert, die nach seiner Ansicht zu einer „Dauerwerbesendung“ verkommen war.

An diesem Samstag soll in Berlin der „Zug der Liebe“ starten – er soll aber keine Neuauflage der Loveparade sein, die seit dem Unglück von Duisburg nicht mehr stattgefunden hat.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×