Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.09.2011

11:34 Uhr

Fünf Jahre nach Unglück

Transrapid in Deutschland vor dem Aus

Fünf Jahre nach dem Transrapid-Unglück auf einer Testrecke im niedersächsischen Lathen mit 23 Toten steht die Magnetschwebe-Technologie in Deutschland vor dem endgültigen Ende - nicht jedoch im Ausland.

Beim Transrapid-Unglück auf der Teststrecke in Lathen kamen 23 Menschen ums Leben. ap

Beim Transrapid-Unglück auf der Teststrecke in Lathen kamen 23 Menschen ums Leben.

LathenFünf Jahre nach dem Transrapid-Unglück im Emsland am 22. September 2006 scheinen die Tage des Magnetschwebebahn sowie der Teststrecke endgültig gezählt zu sein. Im Entwurf zum Bundeshaushalt 2012 sind laut Verkehrsministerium keine Mittel mehr veranschlagt. Zuvor hatten bereits die Entwickler Siemens und ThyssenKrupp mitgeteilt, dass sie die Versuchsanlage für verzichtbar halten. In der Region sieht man das mit gemischten Gefühlen. Seit etwa 30 Jahren ist der Ort Lathen im niedersächsischen Emsland mit dem Transrapid verbunden. Noch heute steht auf der Homepage der Gemeinde der Hinweis, der Ort sei „weltweit bekannt durch die Magnetschwebebahn Transrapid“. Mit dem Unglück am 22. September 2006, das 23 Tote forderte, wussten das plötzlich nicht zur zufällige Besucher der Seite, sondern tatsächlich die ganze Welt. .

Gemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber (CDU) sieht das prophezeite Ende der Teststrecke nüchtern. „Wie alles im Leben ist auch die Versuchsanlage zeitlich begrenzt“, sagt er. Noch in diesen Jahr rollt wohl der letzte Zug auf der Teststrecke.

An der Teststrecke herrscht derweil fünf Jahre nach dem Unglück eine fast schon gespenstische Atmosphäre. Wo früher mehr als eine halbe Million Besucher mit dem Transrapid ihre Runden drehten, ist es still geworden. Touristenfahrten sind seit dem Unglück nicht mehr erlaubt, dennoch hat das Besucherzentrum weiterhin täglich geöffnet. Das neue Transrapid-Modell TR 09 darf zwar fahren, tut es aber nur noch selten. Gänzlich menschenleer ist eine Originalsektion des Modells TR 07, das bis 1999 zehn Jahre im Einsatz war. „In dieser Zeit schwebte er fast 558.000 Kilometer“, ist auf einer Schautafel vor dem schon leicht verwitterten Ausstellungsstück zu lesen. Die beiden Fahrdienstleiter sind im März zu Bewährungsstrafen verurteilt worden - ein weiterer Schlusspunkt für den Transrapid. Das Unglück scheint der Anfang vom Ende dieser einst als Vorzeigeobjekt deutscher Ingenieurskunst gepriesenen Technologie zu sein.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

22.09.2011, 12:50 Uhr

Der Transrapid ist tot, seit die Entscheidung für die Strecke Würzburg - Kassel in konventioneller Technik fiel. Wie viele Milliarden wurden seitdem beim Transrapid verschwendet?

wsi

23.09.2011, 09:10 Uhr

Es ist erschütternd zu sehen, wie politische Blindheit diese segensreiche Technologie ins Abseits stellt. Mit einem Bruchteil des Geldes unsinniger Rettungsaktionen hätte man in Deutchland ein funktionierendes Netz hocheffizienter, umweltfreundlicher (auch der Lärm ist beherrschbar)Schnellstverbindungen zwischen den grossen Knoten Berlin - Leipzig - Nürnberg - München - Stuttgart - Frankfurt - Köln - Bremen - Hamburg schaffen können. Doppelt so schnell wie der ICE und halb so schnell wie der Flieger, aber in die Zentren der Städte, also schneller.
Das wäre vorausschauende Verkehrspolitik gewesen angesichts des drohenden Kollaps des Strassenverkehrs. Eine spätere Ausweitung auf europäische Städte (Amsterdam, Wien, Paris, London (durch den Tunnel), hätte gigantische Auswirkungen durch effiziente Vernetzung. Die Brüsserler Milliarden würden dann nicht nur in den dubiosen Kanälen in Griechenland, Italien oder Spanien versickern, sondern echte Gegenwerte für die Menschen schaffen. Von den Exportmöglichkeiten dieser Verkehrstechnologie ganz zu schweigen. In einigen Jahren werden wir dannn bei den Chinesen sehen, wie es gemacht wird. Wenn dann die deutsche Technologie vollständig in deren Hände übergegangen ist.
Armes Deutschland, es tut einfach weh.

Account gelöscht!

23.09.2011, 14:14 Uhr

Deutschland schafft sich ab. Auf allen Ebenen. So auch hier. Das Geld wird verschenkt - an jeden der es haben will, wenn er nur im Ausland sitzt - und die eigene Zukunft wird abgewrackt. Transrapid, Kernkraftwerke, Panzer und U-Boote, Pharma, alles Technologien, in denen wir einst dominierten. Dafür werden Milliarden in absolut sinnloses und unbrauchbares Zeug gesteckt - und dann mit weiteren Abermilliarden die Produktion subventioniert. Oder es werden die vernünftigen Konkurrenzprodukte (Glühlampen)kurzerhand verboten.

Verkehrsminister Ramsauer hatte sich als letzter noch für den Transrapid stark gemacht - damit lag er genau richtig! Aber auch falsch! Denn für den Transrapid brauchen wir eine nationale Vision. Wir haben das Thema vor ein paar Jahren untersucht und festgestellt, daß sich die Reisezeiten entlang der von einem zukünftigen Transrapidnetz erschlossenen Hauptverkehrsachsen um den Faktor 2 bis 3 verbessern lassen. Die ICE-Bahn des Stahlrad-Establishments schafft derweil nur Verspätungen. Ich möchte den Transrapid gern hier - und nicht auf Teneriffa.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×