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03.05.2011

16:57 Uhr

Fukushima

Atomare Strahlung im Meer 1000-mal höher als normal

Am Meeresboden vor der japanischen Atomruine Fukushima ist die Radioaktivität bis zu 1000-fach erhöht. Unterdessen ist der Problemreaktor Tsuruga Zwei heruntergefahren worden - vorsorglich.

Die Ruine des havarierten Atomkraftwerks Fukushima von der Seeseite aus. Quelle: dpa

Die Ruine des havarierten Atomkraftwerks Fukushima von der Seeseite aus.

Tokio

Die Radioaktivität im Meeresgrund vor dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins liegt 100- bis 1000-fach höher als im Normalfall. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag unter Berufung auf den Fukushima-Betreiber Tepco. Das Unternehmen hatte demnach Proben aus einer Tiefe von 20 bis 30 Metern untersucht, die am Freitag genommen wurden.

Nach dem Erdbeben und dem Tsunami am 11. März waren große Mengen radioaktiv belasteten Wassers aus dem am Ufer des Pazifik gelegenen Kraftwerk ins Meer gelaufen. Im Wasser wurde daraufhin eine stark erhöhte Radioaktivität gemessen.

Nach Problemen mit Brennstäben im Atomkraftwerk Tsuruga Zwei an der Westküste Japans wird der Betreiber Japan Atomic Power Co. (Japco) den Meiler herunterfahren. "Es gibt keine Auswirkungen auf die Umwelt", versicherte ein Mitarbeiter der japanischen Atomsicherheitsbehörde Nisa dem Sender MBS News in Osaka. Jeder der insgesamt 193 Brennstäbe soll auf Löcher und andere kleine Schäden untersucht und wenn nötig ausgetauscht werden. Das AKW liegt außerhalb der Erdbeben-Katastrophenzone.

Am Montag hatte ein Anstieg radioaktiver Substanzen im Kühlwasser des Reaktors Hinweise auf leicht defekte Brennelemente gegeben. Nach Einschätzung der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln wäre dies aber kein sehr ungewöhnlicher Vorgang. Ähnliches trage sich auch in anderen Reaktoren weltweit zu.

Unterdessen hat sich Nisa-Chef Nobuaki Terasaka für die Reaktorkatastrophe von Fukushima entschuldigt. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag. "Als die Person, die die Sicherheit der Atomkraftwerke regelt, entschuldige ich mich", sagte Terasaka dem Gouverneur der vom Unglück schwer getroffenen Präfektur Fukushima, Yuhei Sato.

Kommentare (4)

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Bert

03.05.2011, 19:47 Uhr

Stellen wir uns einmal vor, nach einem Störfall in Biblis müssten nicht nur einige Millionen Menschen umgesiedelt werden, sondern es würden auch größere Mengen radioaktiv verseuchten Wassers austreten. Dieses Wasser würde dann nicht im sehr großen Volumen des Pazifik verdünnt, sondern in das sehr viel kleinere Volumen des Rheins gelangen, aus dem 10 Millionen Menschen ihr Trinkwasser beziehen.

Ob dann der RWE-Chef Großmann (wie einstmals ein gewisser Herr Töpfer) vor laufenden Kameras durch den Rhein schwimmen würde, um den dummen Bürgern zu beweisen, dass sie Hysteriker sind und das doch eigentlich alles gar nicht so schlimm sei?

OPS

04.05.2011, 14:56 Uhr

Merken alle etwas in diesem Artikel?
Da steht keine konkrete Zahl.
Da steht eine Relation: 100 bis 1000 Mal so hoch.
Klingt viel.
Vorher war die Menge winzig, jetzt ist sie 1000 mal so hoch- aber immer noch klein.
Warum steht da keine konkrete Zahl?! Warum steht da nur eine Relation? Ich möchte eine Zahl sehen! Warum kriegen wir keine absolute Zahl?
Das ist Täuschung! Die konkrete Zahl ist klein und unbedeutend. Es gibt Gebiete in der Welt die sind von Natur aus stärker strahlend als das hier "verstrahlte" Wasser.
Wenn ich heute 1000 Mal mehr Geld habe als gestern- bin ich dann automatisch reich? Nicht wenn ich gestern nur 1 Cent hatte.

Bert

04.05.2011, 20:21 Uhr

Ganz bemerkenswert, wie sie argumentieren. Sie kennnen also die Zahl gar nicht, glauben aber ganz sicher zu wissen, dass sie ganz klein und unbedeutend ist.

Es ist genau diese Form der Argumentation, die die (Rest-)Glaubwürdigkeit der Atomindustrie so vollständig zerstört hat: Dass nämlich völlig unabhängig von den Fakten und oftmals, bevor diese Fakten überhaupt bekannt sind, schon fest steht, dass alle Risiken ganz harmlos und "klein und unbedeutend" sind.


Im Fall des Falles dürfen Sie dann gerne mit Herrn Großmann im Rhein baden gehen. Die Kontaminierung des Rheins nach einer Atomkatastrophe in Biblis ist sicher ähnlich "klein und unbedeutend" wie die Kontaminierung des Trinkwassers der zehn Millionen Menschen, die ihr Wasser aus dem Rhein beziehen.

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