Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2011

04:35 Uhr

Fukushima-Betreiber

Im Stabilisierungs-Zeitplan verschätzt

Bisher ist unklar, ob das schwächer gewordene Unwetter über Japan noch zu Erdrutschen in der Region um das zerstörte AKW Fukushima führen wird. Dessen Betreiber räumt indessen Zweifel am eigenen Zeitplan ein.

Arbeit an Fukushima. Quelle: dpa

Arbeit an Fukushima.

TokioDer Betreiber der Atomruine Fukushima zweifelt langsam daran, die Lage in dem zerstörten AKW bis Jahresende stabilisieren zu können.

Mancher Vertreter des Energiekonzerns Tepco sei der Ansicht, dass die teilweise Kernschmelze in den Reaktoren 1 bis 3 die Reparaturarbeiten verzögern dürften, wie die Nachrichtenagentur Kyodo erfuhr. Tepco hatte am 17. April erklärt, die Atomanlage in sechs bis neun Monaten stabilisieren zu wollen.

Unterdessen warnte die Meteorologische Behörde am Montag vor möglichen Erdrutschen in der Katastrophenregion in Folge andauernder Regenfälle. Zwar schwäche sich der Regen inzwischen ab, doch sei der Boden nach dem Megabeben und dem Jahrhundert-Tsunami vom 11. März gelockert. Berichte über Schäden lagen aber zunächst nicht vor.

Der Regen ist eine Folge eines inzwischen zur Tiefdruckzone abgeschwächten Taifuns. Dieser hatte zuvor den Süden mit Regen und starken Winden überzogen. Ein Mensch starb, 61 wurden verletzt.

In der Kernkraftwerksruine Fukushima macht zudem hoch radioaktiv verstrahltes Wasser Probleme. Wie die Betreibergesellschaft Tepco am Dienstag mitteilte, wurde im Wasser am Boden des Reaktorgebäudes eins radioaktives Caesium mit Strahlenwerten von zwei Millionen Becquerel pro Kubikmeter gemessen. Es wird vermutet, dass das radioaktive Material von den geschmolzenen Brennstäben im Reaktor stammt und aus dem Druckbehälter austritt.

Angesichts der beginnenden Regenzeit bereitet vor allem der rasch steigende Wasserstand Sorge. Wie der Staatssender NHK berichtete, steigt das Wasser in den Turbinengebäuden von Reaktor zwei und drei mittlerweile um 3 bis 4 Millimeter pro Stunde, seit am Sonntag die ersten schweren Regenfälle in der Region eingesetzt hätten.

Die Frage der Entsorgung ist nach wie vor ungelöst. Es wird befürchtet, dass erneut verstrahltes Wasser ins Erdreich oder ins Meer gelangen könnte. Tepco hatte Mitte Mai die Installation einer Anlage angekündigt, mit der radioaktive Substanzen aus dem Wasser in den Gebäuden gefiltert und das Wasser zugleich zur Kühlung der Reaktoren eingesetzt werden soll. Die Anlage dürfte aber erst im Juli betriebsbereit sein.

Das radioaktive Wasser, das zur Kühlung der Reaktorbehälter in die Gebäude gepumpt wird, macht den Betreibern seit Beginn der Katastrophe Schwierigkeiten. Unter anderem konnte das reguläre Kühlsystem der Anlage nicht repariert werden, da ein Einsatz der Arbeiter in den überfluteten Bereichen zu gefährlich ist.

Das Atomkraftwerk Fukushima eins war durch das Erdbeben und den folgenden Tsunami am 11. März schwer beschädigt worden. Seither tritt Radioaktivität in die Umwelt aus. Es ist die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×