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16.04.2011

09:19 Uhr

Fukushima

Japan kämpft gegen verseuchtes Wasser

Nachbeben lassen Japan nicht zur Ruhe kommen. Derweil geht der Kampf gegen verseuchtes Wasser in den Katastrophenreaktoren weiter. Medien spekulieren, dass Betreiber Tepco unter Regierungsaufsicht gestellt werden könnte.

In den japanischen Unglücksregionen werden immer noch 14.400 Menschen vermisst Quelle: dapd

In den japanischen Unglücksregionen werden immer noch 14.400 Menschen vermisst

TokioDie Arbeiter im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima kämpfen weiter gegen verseuchtes Wasser. Mit Hilfe des Minerals Zeolith versuchen sie, ins Meer geflossenes radioaktives Material zu absorbieren. Im Schacht eines Meerwasserrohrs des Reaktors zwei ist das dort angesammelte hochgradig verseuchte Wasser bis zum Samstag um 1,5 Zentimeter gestiegen, wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete. Unterdessen hat ein weiteres Nachbeben der Stärke 5,9 die Katastrophenregion und den Großraum Tokio erschüttert. 

Unterdessen müssen japanische Atomkraftwerksbetreiber ihren Katastrophenschutz überprüfen. Bis zum 16. Mai sollen sie der japanischen Atomsicherheitsbehörde Bericht erstatten, wie diese am Freitagabend mitteilte. Zu den von der Anordnung betroffenen Betreibern gehören neben dem des havarierten Atomkraftwerks, Tepco, noch zwölf weitere. 

Die Zeitung „Asahi Shimbun“ berichtete, es zirkuliere ein geheimer Plan in der Regierung, wonach Tepco unter Regierungsaufsicht gestellt, die Insolvenz eingeleitet und das Vermögen umgeschichtet werden soll. 

Am Samstag begann Tepco damit, mit dem Mineral Zeolith gefüllte Sandsäcke im Meer zu deponieren. Das Mineral absorbiert radioaktives Cäsium. Das Unternehmen hofft, mit dieser Methode die radioaktive Verseuchung des Meeres einzudämmen.

Die Arbeiter in der Atomruine deponierten drei je 100 Kilogramm schwere Säcke mit Zeolith nahe der Ansaugrohre für den Reaktor 1 im Meer. Sieben weitere der 80 Zentimeter hohen Säcke seien vorbereitet worden, meldete Jiji. Die Arbeiten werden am Wochenende fortgesetzt.

Der Betreiber Tepco will zunächst prüfen, wie effektiv diese Methode ist. Es werde erwogen, Zeolith dann auch in den Turbinengehäusen der Reaktoren einzusetzen, wo sich verseuchtes Wasser angesammelt hat.

Unterdessen hat der Atombetreiber Tepco herausgefunden, dass das in einem Tunnelschacht des Reaktors zwei angesammelte stark verseuchte Wasser seit dem Abend des 15. April bis zum Samstagmorgen (Ortszeit) um 1,5 Zentimeter auf 88,5 Zentimeter Höhe gestiegen ist. Neben dem zur Kühlung des Reaktors eingesetzten Wassers könnte auch Grundwasser eingesickert sein, hieß es. Außer mit Säcken voll Zeolith versuchen die Arbeiter mit Stahlplatten die Verseuchung des Meeres einzudämmen.

Kommentare (1)

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Peter_Gutte

20.04.2011, 10:47 Uhr

Natürliches Zeolith kommt in über 40 Varianten in der Natur vor. Als Zeolith/Klinoptilolith wird es seit dem Atomunfall von Harrisburg 1979 eingesetzt, um Mensch und Umwelt zu dekontaminieren. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 waren es mehrere hunderttausend Tonnen Zeolith/Klinoptilolith aus Minen in der Ukraine und Georgien, die schlimmere Gesundheitsschäden verhinderten. Durch seine Fähigkeiten, einzelne Moleküle und Atome zu “filtern” und Ionen auszutauschen bindet Zeolith-Klinoptilolith radioaktive Nuklide (Isotope), bevorzugt Cäsium und Strontium, dauerhaft. Damit ist die Strahlung natürlich nicht verschwunden, das verseuchte Mineral muss dann seinerseits sicher (end)gelagert werden. Lesenswert: http://www.zeolithwelt.de/news/zeolith-gesundheit-medizin

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