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24.05.2011

12:20 Uhr

Fukushima

Kernschmelze in zwei weiteren Reaktoren

Die Probleme mit der Kühlung in den Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima halten weiter an. Nun gab Betreiber Tepco bekannt, dass auch in zwei weiteren Blöcken wahrscheinlich eine Kernschmelze stattgefunden hat.

Fukushima

Kernschmelze in zwei weiteren Reaktoren

Fukushima: Fukushima-Betreiber: Kernschmelze in zwei weiteren Reaktoren

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Tokio Die schlimmen Befürchtungen haben sich bestätigt: In allen drei aktiven Reaktoren der japanischen Atomruine Fukushima hat schon kurz nach dem Erdbeben im März eine Kernschmelze eingesetzt. Der Kraftwerkbetreiber Tepco gab das erst am Dienstag zu. Die geschmolzene Masse werde aber ausreichend gekühlt und die Lage sei stabil, betonte Tepco. Experten hatten bereits vermutet, dass es eine Kernschmelze nicht nur im ersten Reaktor, sondern auch in den Blöcken zwei und drei von Fukushima Eins gegeben hatte.

„Das ist der Zustand, den die Fachwelt erwartet hat“, sagte Hans-Josef Allelein, Leiter des Lehrstuhls für Reaktorsicherheit und -technik der RWTH Aachen, der Nachrichtenagentur dpa. Die Situation werde nun nicht gefährlicher.

Bisher hatte Tepco lediglich eingeräumt, dass in Reaktor 1 die Brennstäbe größtenteils geschmolzen waren und sich die gefährliche Masse nun wahrscheinlich am Boden des Reaktor-Druckbehälters befindet. Auch in den Reaktoren zwei und drei dürfte der größte Teil der Brennstäbe bereits 60 bis 100 Stunden nach dem Beben am 11. März geschmolzen und nach unten gelaufen sein. Die Temperaturen an den Behältern deuteten aber darauf hin, dass es mit Wasser gelungen sei, die Schmelzmasse zu kühlen und stabil zu halten.

Was man zur Strahlenmessung wissen sollte

Welche Folgen hat Strahlung für die Gesundheit?

In sehr kleinen Dosen ist radioaktive Strahlung erlaubt. In Deutschland liegt zum Beispiel der zulässige Grenzwert für Menschen wie Mediziner, die beruflich bedingt damit zu tun haben, bei 20 Millisievert pro Jahr. Als Strahlenunfall bezeichnet das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) eine Dosis von mehr als 50 Millisievert.

Für einen Bereich von 1 bis sechs Sievert werden als Folgen Erbrechen, Fieber oder Haarausfall genannt. 1 Sievert entspricht 1000 Millisievert. Bei fünf bis 20 Sievert ist laut BfS unter anderem mit Blutungen zu rechnen. Nur im unteren Dosisbereich kann man demnach überleben. Bei mehr als 20 Sievert tritt der Tod binnen zwei Tagen ein.

Warum sind Jod, Cäsium oder Plutonium unterschiedlich gefährlich?

Das liegt unter anderem an der unterschiedlichen Halbwertszeit. Das ist die Zeit, nach der die Hälfte der radioaktiven Teilchen zerfallen ist. Bei dem in Japan ausgetretenen Jod betrage sie acht Tage, erklärte Atkinson. Gemäß einer wissenschaftlichen Norm gelte die Radioaktivität dabei nach 80 Tagen als abgeklungen. Bei Cäsium, das in Japan ebenfalls nachgewiesen wurde, dauert das je nach Isotop-Form 300 Jahre. Und beim Plutonium etwa aus den Mischoxid-Brennelementen (MOX) im Reaktor drei des havarierten AKW sind es mehrere tausend Jahre.

Warum sind die gemessenen Strahlungswerte so unterschiedlich?

Es wird nur punktuell gemessen. Daher können die Werte nie für eine ganze Region stehen, erläuterte der Leiter des Instituts für Strahlenbiologie am Helmholtz-Zentrum München, Professor Michael
Atkinson. „Sie können Hot Spots treffen, wo es zum Beispiel geregnet hat. Oder Sie messen im Schatten eines Gebäudes deutlich weniger.“ Dabei gebe es weder ein Richtig noch ein Falsch - „die Methode ist nun einmal so“. Eine Variante sei, immer an denselben Orten über mehrere Tage hinweg zu messen, um wenigstens den Verlauf verfolgen zu können.

Die biologische Wirkung der radioaktiven Strahlen wird in Sievert gemessen. Grenzwerte beziehen sich oft auf ein Jahr, die Messwerte in Japan werden oft pro Stunde angegeben. Lässt sich das umrechnen? Einige Experten sind der Meinung, dass dieselbe Strahlendosis verteilt über einen längeren Zeitraum weniger gefährlich ist. „Ich halte davon nichts, weil das Risiko kumulativ ist, sich also ansammelt“, sagte Atkinson. Beispielhaft könne man rechnen: Wer einen Tag lang einer Strahlung von 100 Mikrosievert pro Stunde ausgesetzt ist, bekommt insgesamt 2400 Mikrosievert oder 2,4 Millisievert ab. Das entspricht in etwa der natürlichen Hintergrundstrahlung in Deutschland im Jahr - zum Beispiel aufgrund radioaktiver Substanzen im Boden. Zwischen der Wirkung in beiden Fällen gebe es keinen Unterschied, sagte Atkinson.

Wie kommt Radioaktivität in Wasser und Lebensmittel?

Radioaktive Elemente wie Jod 131 oder Cäsium 137 sind zum Beispiel an feine Staubteilchen gebunden. Mit dem Regen gelangen die radioaktiven Stoffe nach der Freisetzung bei einem Atomunfall wieder auf die Erde - in den Boden, in Stauseen für Trinkwasser oder in Kläranlagen. „Radioaktives Cäsium 137 ähnelt, chemisch gesehen, dem Element Kalium“, erklärt Michael Welling, Sprecher des Johann Heinrich von Thünen-Instituts in Braunschweig. „Über den Boden und die Wurzeln gelangt daher auch Cäsium 137 in den Stoffwechsel der Zelle. Und von dort aus auch in eine Kuh, die auf der Weide frisst. Und über die Milch schließlich in den Menschen.“ Auch wenn der Mensch Gemüse direkt verzehrt, nimmt er die darin enthaltenen radioaktiven Stoffe auf.

Was bedeuten die Einheiten Becquerel und Sievert?

Becquerel beschreibt die Aktivität einer radioaktiven Substanz. Wenn in einem Stoff pro Sekunde ein Atom zerfällt, entspricht das dem Wert von einem Beqcuerel. Der amtliche Grenzwert beträgt in Deutschland 600 Becquerel pro Kilogramm Lebensmittel - für Milch und Babynahrung sind 370 Becquerel erlaubt. Der Wert selbst sagt aber noch nicht direkt etwas über die Gesundheitsgefahr aus.

Die Strahlenbelastung für den Menschen wird in Sievert gemessen. Ein Sievert ist dann erreicht, wenn pro Kilogramm Körpergewicht die Energiemenge von einem Joule aufgenommen wurde. Die natürliche Hintergrundstrahlung, die Menschen in Deutschland durchschnittlich abbekommen, liegt bei 2 Millisievert.

Eine Kernschmelze gilt als besonders gefährlich, weil sich die extrem heiße radioaktive Masse durch die Schutzwände des Reaktors oder den Boden fressen kann. Im schlimmsten Fall könnte es zu einer verheerenden Explosion kommen, wenn sie das Grundwasser erreicht.

Das Kraftwerk war durch das schwere Beben und den anschließenden Tsunami stark beschädigt worden. Das Kühlsystem fiel aus und die Lage konnte erst nach Wochen unter Kontrolle gebracht werden. Vor allem ins Meer trat massiv Radioaktivität aus.

Unterdessen teilte Industrieminister Banri Kaieda mit, dass die Regierung ein unabhängiges Gremium zur Untersuchung der größten Atomkatastrophe seit dem Reaktorunglück von Tschernobyl einberufen wird. Der Kommission mit zehn Mitgliedern, die noch bis Ende des Monats mit der Arbeit beginnen soll, würden neben Atomexperten auch Juristen angehören. Neben einer Untersuchung der Ursachen für das Fukushima-Desaster soll es auch darum gehen, wie solche Katastrophen in der Zukunft zu verhindern sind.

Von

dpa

Kommentare (3)

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HFriesen2

24.05.2011, 06:26 Uhr

Das einzig Gute an dem Super-GAU von Fukushima ist, daß die Menschheit sich und seine Nahrungsgründe endlich selber vernichtet, denn was dort freigesetzt wird, treibt im Wasser und in der Luft um die ganze Welt. Die Krebserkrankungen werden auch in Deutschland erheblich zunehmen, Kinder mit Erbgutschädigungen werden geboren werden. Von der Seite der Presse her halten sich alle in letzter Zeit mit Meldungen sehr zurück. Die Menschen sollen ja nicht verunsichert werden - Haptsache das Volk feiert und denkt nicht nach !

Account gelöscht!

24.05.2011, 08:52 Uhr

"Die Probleme mit der Kühlung in den Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima halten weiter an. Nun sind anscheinend die Brennstäbe in zwei weiteren Reaktoren teilweise geschmolzen."

Das, liebes HANDELSBLATT, ist plumpe Irreführung. Es hat Mitte März, also vor über zwei Monaten, in Fukushima drei Kernschmelzunfälle gegeben. Seitdem ist gemäß der Way-Wigner-Formel die von den Brennstabresten noch produzierte Nachzerfallswärme auf (per heute) auf 1,03 Promille der ursprünglichen thermischen Leistung der Reaktoren abgefallen, minus den Anteil, der von den ausgetretenen Spaltprodukten (überwiegend Cs-134 und -137) beigesteuert worden wäre. Es gibt seit vielen Wochen keinerlei Probleme mehr, die zerstörten Reaktorkerne oder auch die Brennelementebecken zu kühlen. Vielmehr geht es darum, jetzt geschlossene Kühlkreisläufe einzurichten, das kontaminierte und versalzene Wasser zu behandeln und jede weitere Freisetzung von Radionukliden in die Umgebung zu beenden.

Prenden

24.05.2011, 21:34 Uhr

Statt um Ehec sollte mal lieber über die Auswirkungen der Strahlung für die Bevölkerung auch in Deutschland berichtet werden. Warum wurde kurzerhand die erlaubte Strahlenbelastung in der EU auf das doppelte erhöht? Kein Wort in den Medien!? Am drigendsten würde mich ja mal interessieren, wie die Belastung der Anreinerstaaten aussieht. Aber es scheint ja alles in bester Ordung zu sein...,)

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