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19.03.2013

08:39 Uhr

Fukushima

Stromausfall legt Kühlsysteme lahm

Ein Stromausfall hat die Kühlung der Abklingbecken des japanischen Atomkraftwerks Fukushima ausfallen lassen. Die Lage sei unter Kontrolle, erklärte Betreiber Tepco – wie schon im Vorfeld des Zwischenfalls.

Die Ruine des Atomkraftwerks Fukushima. dpa

Die Ruine des Atomkraftwerks Fukushima.

TokioNach einem Stromausfall im havarierten Atomkraftwerk Fukushima haben Reparaturtrupps am Dienstag mit Hochdruck am Wiederanfahren der Kühlsysteme gearbeitet. Betroffen sind die Abklingbecken der Reaktoren 1,3 und 4 sowie ein weiteres Abklingbecken. Wie japanische Medien unter Berufung auf den Betreiber Tepco weiter meldeten, ist die Zufuhr von Wasser zur Kühlung der beschädigten Reaktoren Nummer 1 bis 3 nicht beeinträchtigt. In diesen Reaktoren war es in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 zu Kernschmelzen gekommen. Sorge bereitet jedoch das Becken des Reaktors 4, da dort viel mehr Brennstäbe liegen als in den anderen.

Das Dach des Beckens im Reaktor 4 war bei dem Erdbeben und Tsunami vor zwei Jahren durch eine Explosion zerstört worden. Der Reaktor selbst war zum Zeitpunkt des Tsunamis abgeschaltet. Die „höchste Priorität“ habe die Wiederherstellung des Kühlsystems für das Becken des Reaktors 4, hieß es.

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Das Wasser in diesem wie auch in den anderen Becken sei allerdings noch „ausreichend kühl“. Tepco versucht, die Temperatur weiter unter der Sicherheitsgrenze von 65 Grad zu halten. Bis diese Temperatur im Becken des Reaktors 4 erreicht sei, würde es vier Tage dauern, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Um 10.00 Uhr vormittags (Ortszeit) habe sie bei etwa 30,5 Grad gelegen.

Im Becken des Reaktors 1 lag die Temperatur zu dem Zeitpunkt demnach bei 17,1 Grad, im Becken des Reaktors 3 bei 15,9 Grad sowie in einem weiteren Becken bei 28,6 Grad, berichtete die Agentur Jiji Press. Wie lange es dauert, bis die Kühlsysteme wieder einsatzbereit sind, sei noch nicht abzuschätzen. Tepco versuche aber, dies noch im Laufe des Tages zu erreichen. Sollte sich das Wasser so weit erwärmen, dass es zu verdampfen beginne, sei man darauf vorbereitet, Wasser zur Kühlung in die Abklingbecken zu führen, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf einen Sprecher von Tepco.

Als Ursache für den Stromausfall vom Vorabend wird ein Problem an einer Behelfs-Schaltanlage vermutet, berichteten Medien weiter. Insgesamt seien durch den Stromausfall neun Anlagen in der Atomruine betroffenen, so Tepco. Die Regierung hatte Ende vergangenen Jahres erklärt, das havarierte Atomkraftwerk sei unter Kontrolle

Von

dpa

Kommentare (18)

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HofmannM

19.03.2013, 09:16 Uhr

Bitte bringt auch einen Artikel über die Lösung des Kühlsystemausfall. Wir wollen hier nicht nur die Problem-Meldungsartikel, bei einem Handelsblatt, lesen, sondern insbesondere auch die Lösung dieses Problem über die erfolgreiche Wiederinbetriebnahme des Kühlsystems! Zu einer ausgewogenen wirtschaftlichen und technsichen Berichterstattung in einer offenen und neutralen Zeitung gehört nämlich auch das! Nicht nur von Angst und Gier schreiben, sondern auch von Fortschritte und Lösungen.
Danke!

vandale

19.03.2013, 09:22 Uhr

Kernbrennstoff klingt nach der Bestrahlung exponentiell ab.

Anders ausgedrückt, im Reaktorbetrieb finden Kernspaltungen von Uran und dem gebildeten Plutonium statt. Die entstehenden Spaltprodukte sind grösstenteils radioaktiv. Diese zerfallen nach und nach zu nicht-radioaktiven Spaltproduken, manche schneller, manche etwas langsamer. Insgesamt nehmen Radioaktivität und Wärmeabgabe nach der Entnahme eines Brennelements aus dem Reaktor exponentiell ab*.

Der abgebrannte Kernbrennstoff in den Abklingbecken von Fukushima befindet sich mittlerweile mehrere Jahre in den Becken. Die Radioaktivität und die Wärmeabgabe hat sich sehr vermindert.

Insofern dauert es Tage bis das Wasser die Obergrenze von 60°C erreicht und möglicherweise ist die Wärmeentwicklung bereits zu gering um das Wasser zu verdampfen.

Das Risiko und das Risikopotential einer ausgefallenen Ampelanlage in Düsseldorf (HB) ist grösser.

Vandale

*Faszinierend ist in diesem Zusammenhang dass man aus vermeintlicher Atomangst kein Tiefgenlager für radioaktive Abfälle errichtet, sondern die Abfälle in der Periode des grössten Risikos an der Oberfläche zwischenlagert. Im Grunde eine Risikomaximierungsstrategie. Anders ausgedrückt das Oekoatomspektakel um die Endlagerung maximiert das Risiko aus dem Atommüll.

Nordmann

19.03.2013, 10:13 Uhr

Selten habe ich so einen gequirlten Quatsch gelesen und dann auch noch in wissenschaftlichem Gewande.

Die Wirkung und die zeitliche Entwicklung exothermer Kernspaltung hängt ganz wesentlich von den Umgebungsbedingungen, insbesondere von der Mischung der vorliegenden Isotope ab. Pu239 hat eine Halbwertszeit von über 20.000 Jahren. In dieser Zeit werden 50% der bestehenden Isotope aufgespalten. Dann entstehen aber nicht zwangsläufig harmlose Spaltprodukte. Manchmal entstehen durchaus hochgefährliche, wenn auch kleinere Isotope, wie Jod oder Cäsium.

Kernspaltung wird als Energiequelle in Kriegsschiffen deswegen eingesetzt, weil über einen sehr langen Zeitraum eine hohe Wärmeleistung abgerufen werden kann. In der zeitlichen Betrachtung sind die paar Monate, die seit der Kernschmelze vergangen sind, zu vernachlässigen. TEPCO wird mit diesem Problem noch Hunderte von Jahren, wenn nicht länger, zu kämpfen haben.

Das sei eine Warnung für die ganzen Politiker, die heute schon wieder an eine Wiedergeburt der Kernkraft denken.

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