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11.07.2014

20:38 Uhr

Fußball-WM

Illegaler Tickethändler auf der Flucht - oder nicht?

Der Hauptverdächtige im Ticketskandal, Ray Whelan, ist der brasilianischen Polizei entkommen – sein Arbeitgeber Match Services leugnet währenddessen Whelans Verstrickung in illegale Geschäfte irgendwelcher Art.

Der Brite Ray Whelan, Hauptverdächtiger im WM-Ticketslkandal, ist der Polizei durch eine Hotel-Hintertür entkommen. Der leitende Angestellte des FIFA-Vertragspartner Match Services soll offizielle Ticket-Kontingents auf dem Schwarzmarkt angeboten haben. AFP

Der Brite Ray Whelan, Hauptverdächtiger im WM-Ticketslkandal, ist der Polizei durch eine Hotel-Hintertür entkommen. Der leitende Angestellte des FIFA-Vertragspartner Match Services soll offizielle Ticket-Kontingents auf dem Schwarzmarkt angeboten haben.

Rio de JaneiroDie Szenen, die sich kurz vor dem WM-Finale in einem Hotel in Rio de Janeiro abspielen, sind filmreif - auch wenn sie nur von Sicherheitskameras festgehalten wurden: Kurz bevor die Polizei den Hauptverdächtigen im WM-Ticketskandal in dem Luxushotel in Untersuchungshaft nehmen will, flüchtet dieser durch die Hintertür. Seitdem fehlt von dem leitende Angestellten beim Fifa-Ticketing-Vertragspartner Match Services, Ray Whelan, jede Spur.

Der 64-jährige Brite gilt als Schlüsselfigur in dem Skandal um illegal verkaufte WM-Tickets. Er war schon einmal am Montag verhaftet und verhört worden, kam am folgenden Tag aber wieder auf freien Fuß. Am Donnerstag, drei Tage vor dem WM-Finale, wurde nun Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Nach Angaben von Chefermittler Fábio Barucke verließ Whelan das Hotel an der berühmten Strandpromenade Copacabana eine Stunde vor Eintreffen der Polizei. Kameras des internen Überwachungssystems zeichneten demnach den Vorfall auf: „Wir sahen, wie er in großer Eile wegging“.

WM in Brasilien: Fifa verteilt Geld

Prämien, Einnahmen und Kosten

Die Weltmeisterschaft in Brasilien ist ein Milliardengeschäft für den Weltfußballverband Fifa. Wie sich Einnahmen, Ausgaben und Prämien verteilen.
Quelle: dpa

Milliardengeschäft

Die WM-Gesamteinnahmen der Fifa belaufen sich auf 4,5 Milliarden Dollar. Nach Abzug der Kosten rechnet der Weltverband mit 2,2 Milliarden Dollar.

Nutznießer

Von der Nettoeinnahme werden 1,624 Milliarden Dollar in die Fußball-Entwicklungshilfe (800) oder andere FIFA-Turniere (524) investiert. 200 Millionen Dollar gehen an die nationalen Verbände und 100 Millionen als WM-Hinterlassenschaft an den Gastgeber Brasilien, der seinerseits rund 11 Milliarden Dollar an Infrastrukturkosten für das Turnier gestemmt hat.


Team-Prämien

Insgesamt schüttet die FIFA mit rund 422 Millionen Euro (576 Millionen Dollar) die höchste Summe der WM-Geschichte aus - in Südafrika waren es 2010 rund 420 Millionen Dollar.

Vereine

Die Vereine, die Spieler zur WM abstellen, bekommen insgesamt rund 70 Millionen Dollar Entschädigung.

Vorrunde

Die 16 Teams, die nach der Vorrunde nach Hause reisen müssen, bekommen eine Garantiesumme von 5,8 Millionen Euro.

Achtel- und Viertelfinale

Das Achtelfinale ist knapp 6,6 Millionen Euro wert, der Einzug ins Viertelfinale bringt 10,2 Millionen Euro.

Vize-Weltmeister

Der unterlegene Finalist streicht immerhin noch 18,3 Millionen Euro ein (25 Millionen Dollar).

Weltmeister

Der neue Fußball-Weltmeister kassiert von der FIFA eine Rekordprämie. Der Sieger des Endspiels am 13. Juli bekommt aus dem Topf des Weltverbandes 25,7 Millionen Euro (35 Millionen Dollar).

Auf den vom brasilianischen Fernsehen veröffentlichten Aufnahmen ist zu sehen, wie sich Whelan in blauem T-Shirt und in Begleitung eines Mannes dem Lieferanteneingang nähert. Der Begleiter bedeutet Whelan, sich auf einen Stuhl nahe Tür zu setzen. Das Hotel, in dem viele hochrangige Fifa-Mitglieder abgestiegen sind, ist schwer bewacht. Dann verschwindet Whelan.

Die Ermittler haben den Briten inzwischen zur Fahndung ausgeschrieben. Zwar hatten die Behörden Whelans Reisepass bereits einkassiert, allerdings könnte er sich beim britischen Konsulat Ersatz besorgt haben, befürchtet die Polizei.

Im Zuge der Ermittlungen hatten die Ermittler bereits Anfang Juli elf Verdächtige festgenommen. Bis auf einen geständigen Kronzeugen sitzen sie in Untersuchungshaft. Alle Verdächtigen einschließlich des flüchtigen Briten müssen sich wegen organisierten Verbrechens, illegaler Eintrittskarten-Verkäufe, Geldwäsche und Steuerbetrugs verantworten.

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