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29.02.2012

08:30 Uhr

Geboren am 29. Februar

Ich feiere Geburtstag - alle vier Jahre

Wer am 29. Februar geboren wurde, hat es nicht leicht. Nur in Schaltjahren bekommen diese Geburtstagskinder die Chance, am richtigen Datum zu feiern. Eine davon ist Bernadette Hirschfelder. Und sie kommt gut damit klar.

Die Radiomoderatorin Bernadette Hirschfelder freut sich in diesem Jahr auf ihren Geburtstag. dpa

Die Radiomoderatorin Bernadette Hirschfelder freut sich in diesem Jahr auf ihren Geburtstag.

LeipzigAlle vier Jahre hat Bernadette Hirschfelder im Februar einen besonderen Grund zum Feiern. Die Radiomoderatorin aus Leipzig hat Geburtstag - richtigen, echten Geburtstag. Hirschfelder gehört zu jenen „Glückskindern“, die den 29. Februar abgepasst haben, um auf die Welt kommen. „Dieses Jahr werde ich 32. Also: acht!“, sagt Hirschfelder und zuckt lachend mit den Schultern. „Das ist so eine Frage, die immer kommt.“

Hirschfelder hat sich längst daran gewöhnt, die Frau zu sein, die nur alle vier Jahre Geburtstag hat. „Wenn mein Tag dann kommt, dann wird er immer ein bisschen zelebriert. Das wird ein richtig schöner Tag.“ Dieses Jahr wird sie Freundinnen einladen, es soll etwas Leckeres zu essen geben. „Es ist schon immer etwas Besonderes.“

Wie viele Menschen in Deutschland am 29. Februar ihren Geburtstag haben, darüber gibt es keinen bundesweiten amtlichen Überblick. Ganz durchschnittlich gerechnet müsste es in einem Schaltjahr ein 366stel der Kinder sein. Doch Statistiken weichen durchaus davon ab.

Das Schaltjahr

Was ist ein Schaltjahr?

Bei Schaltjahren wird in den Kalender ein zusätzlicher Tag eingefügt: der 29. Februar. Damit hat ein Schaltjahr nicht 365, sondern 366 Tage. Wie oft es Schaltjahre gibt, richtet sich nach festen Regeln: Alle glatt durch vier teilbaren Jahre und durch 400 teilbare Jahre sind Schaltjahre. Glatt durch 100 teilbare Jahre sind keine Schaltjahre.

Warum gibt es Schaltjahre?

Für einen Kalender gibt es natürliche Zeitmaße: Das Jahr als die Umlaufzeit der Erde um die Sonne, den Monat als die Umlaufzeit des Mondes um die Erde. Dazu den Tag, der durch die tägliche Sonnenbahn festgelegt wird. Das große Problem ist, dass alle diese Zahlen nicht rund sind. Das Jahr hat im Mittel 365,2422 Tage, zwischen zwei Neumonden liegen 29,5306 Tage. Regelungen für Schaltjahre können diese komplizierten Zahlenverhältnisse aber korrigieren.

Seit wann gibt es Schaltjahre - und wie funktionieren sie?

Jeder Kalender ist wegen der ungeraden natürlichen Zeitmaße ein Kompromiss. Kleinste Ungenauigkeiten können auf lange Sicht große Folgen haben. Das wussten schon die Babylonier im dritten Jahrtausend vor Christus und erfanden Schaltmonate. Die Ägypter ordneten 238 vor Christus für jedes vierte Jahr einen Schalttag an. Der römische Herrscher Gaius Iulius Caesar (Julius Cäsar) führte schließlich im Jahr 45 vor Christus einen Sonnenkalender mit einfacher Schaltjahresregel ein - jedes vierte Jahr.

Wie genau ist unser heutiger Gregorianischer Kalender?

Auch mit Caesars Modernisierung und dem Julianischen Kalender war das Kalenderjahr immer noch rund elf Minuten länger als das Sonnenjahr. Das addierte sich bis ins 16. Jahrhundert auf zehn Tage. Um den Kalender wieder der Wirklichkeit anzupassen, ließ Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 diese zehn Tage einfach ausfallen und modernisierte die Schaltjahresregeln. Auf diese Weise fallen 36524,25 Tage in ein Jahrhundert. Das kommt den natürlichen Zeitmaßen sehr nahe. Die bleibenden minimalen Abweichungen vom Sonnenjahr werden heute mit gelegentlich eingefügten Schaltsekunden ausgeglichen.

Ist der Geburtstag am 29.02. verbindlich?

Eltern konfrontieren Standesbeamte manchmal mit dem Wunsch, lieber den 28. Februar oder den 1. März als Geburtstag von neugeborenen Schaltjahreskindern zu beurkunden. „Das ist aber rechtlich gar nicht möglich“, stellt Jürgen Rast, Präsident des Bundesverbandes der Standesbeamten, klar. „Wenn auf der Geburtsanzeige des Krankenhauses der 29. Februar steht, dann ist das verbindlich.“

Hirschfelder erzählt, es habe sie als Kind nie gestört, dass „ihr Tag“ nur alle vier Jahre auf dem Kalender stand. „Das habe ich erst gar nicht so mitbekommen. Meine Eltern haben mir nicht gesagt, dass mein Tag nicht da ist. Gefeiert wurde und wird auch in jedem Nicht-Schaltjahr, und zwar - das ist Hirschfelder wichtig - am 28. Februar. „Ich habe im Februar Geburtstag, nicht im März.“

Ein einziges Mal hätten ihre Eltern die Februar-Regel missachtet und sich den 1. März ausgeguckt, berichtet die Moderatorin. „Ich war so sauer auf meine Eltern. Ich bin morgens aufgewacht und hab gesagt: „Wo sind meine Geschenke?“. Und nachdem ich fast den ganzen Tag durchgeheult hatte, haben wir das dann ein für alle Mal geklärt.“ Der Aberglaube, dass vorher gratulieren angeblich Unglück bringt, stört Hirschfelder nicht. „Aber zehn Prozent meiner Freunde gratulieren mir hartnäckig erst am 1. März“, erzählt sie.

Manchmal fühle man sich mit dem Schicksalstag aber auch ein bisschen verloren, sagt Hirschfelder. Sicher gebe es noch andere Geburtsdaten, die nicht gerade nullachtfünfzehn sind - zum Beispiel den 24. Dezember. „Aber der Tag ist wenigstens da!“ Es habe auch schon Jahre gegeben, in denen sei sie extra wach geblieben, und habe „in dem Sekündchen“ zwischen dem 28. Februar und dem 1. März gedacht, „das ist jetzt mein Geburtstag“.

Aber so im Großen und Ganzen sei der außergewöhnliche Tag schon okay. Was Hirschfelder sonst noch stört, stört andere Februar-Kinder auch. „Es ist immer Matsch draußen, es ist immer kalt.“ Wenn sie selbst mal ein Kind bekommt, würde sie es aber lieber nicht auf den 29. Februar anlegen, sagt Hirschfelder. „Obwohl - es kommt eben, wie es kommt.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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mli

29.02.2012, 13:40 Uhr

.. ein 1461stel der Kinder haben durchschnittlich am 29.02. Geburtstag, oder nicht ?

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