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22.04.2015

12:21 Uhr

Geburten in Deutschland

Kein Babyboom nach dem WM-Sieg

Gut neun Monate ist Deutschlands Triumph bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien her. Im Freudentaumel hatten die deutschen Fans allerdings anscheinend anderes im Kopf, als Weltmeister-Kinder zu zeugen.

Im Kreis Konstanz am Bodensee kamen im März 101 Kinder mehr auf die Welt als im Vorjahresmonat. dpa

Zufall oder WM-Nachwirkungen?

Im Kreis Konstanz am Bodensee kamen im März 101 Kinder mehr auf die Welt als im Vorjahresmonat.

BielefeldNeun Monate nach dem Finale der Fußball-WM und dem vierten Titelgewinn der Nationalmannschaft werden in Deutschland keine ungewöhnlich hohen Geburtenzahlen registriert. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Standesämtern und Kliniken.

„Fußball-Babys, gezeugt im Hochgefühl der WM-Wochen, sind zwar eine schöne Vorstellung, dazu hätten aber die meisten Mütter bewusst die Pille absetzen müssen“, sagt Professor Ralf Ulrich, der an der Universität Bielefeld das Institut für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung leitet.

Für den Demografie-Experten gehören Spekulationen über einen Baby-Boom nach der Weltmeisterschaft ins Reich der Fabeln. Die Entbindungszahlen im März und April 2015 waren meist ähnlich hoch wie in den Vorjahresmonaten, wie die dpa-Umfrage ergab. Von einem Babyboom wollte keiner der Befragten sprechen.

Kinder in Deutschland

Neugeborene

2013 kamen gut 682 000 Kinder zur Welt - das waren 8500 mehr Neugeborene als im Jahr zuvor.

Alter der Mütter

Das Durchschnittsalter der Mutter lag bei 29 Jahren, bei 3 Prozent der Erstgeburten war die Mutter älter als 40.

20 Prozent: alleinerziehend

Mehr als 136 000 minderjährige Kinder waren 2013 von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, 20 Prozent aller Eltern in Deutschland waren alleinerziehend.

Jede siebte Familie ist kinderreich

Nur jede siebte Familie gilt als kinderreich, hat also 3 oder mehr Kinder im Haushalt.

Minderjährig

Es gab 2013 8,1 Millionen Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind. Von den insgesamt 18,6 Millionen Kindern in diesen Familien waren 13,6 Millionen unter 18.

Kinder in Armut

Laut Unicef mussten zwischen 2000 und 2010 8,6 Prozent der Kinder in Deutschland mehrere Jahre lang in Armut leben.

Akute Gefährdung für Kinder

Laut Studie zeigt rund ein Fünftel der Kinder von drei bis 17 Jahren psychische Auffälligkeiten, Jungen häufiger als Mädchen. Bei 17.000 Kindern und Jugendlichen haben die Jugendämter 2013 eine akute Gefährdung festgestellt – es ging um Vernachlässigung, seelische und körperliche Misshandlung sowie sexuelle Gewalt.

Alkohol bei Jugendlichen#

Mehr als die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen hat einer Studie zufolge schon einmal Alkohol getrunken. Bei 15,8 Prozent ist der Alkoholkonsum riskant.

In der Klinik für Geburtsmedizin der Charité in Berlin wurden rund 40 Wochen nach dem WM-Finale vom 13. Juli 2014 nicht mehr, sondern sogar weniger Kinder geboren als üblich. Vom 4. bis 6. April kamen insgesamt 14 Babys zur Welt, wie Klinikdirektor Wolfgang Henrich berichtete. Durchschnittlich gebe es dort neun bis zehn Geburten am Tag. Die Berliner seien am Endspieltag wohl abgelenkt gewesen, sagte Henrich. „Wahrscheinlich waren sie zu sehr in Feierlaune oder haben zu viel Alkohol getrunken, um Kinder zu zeugen.“

Ähnlich sieht man es im Standesamt Mannheim: „Die Männer sind wohl zu sehr mit dem Fußballschauen beschäftigt gewesen“, hieß es dort. Das Standesamt registrierte seit Anfang April 187 Geburten – im gesamten Vorjahresmonat waren es 304. Obwohl der April noch nicht vorbei ist, wird nicht erwartet, dass die Marke von 300 in diesem Jahr noch erreicht wird.

In Einzelfällen lag die Zahl der Geburten leicht über dem üblichen Schnitt. So verzeichnete das Klinikum Frankfurt Höchst in den vergangenen Jahren insgesamt steigende Geburtenzahlen. 2013 betrug der Anstieg zwölf Prozent, 2014 zehn Prozent, was 2154 Neugeborenen entsprach. Der Trend habe sich auch in diesem Jahr fortgesetzt. Ein Zusammenhang mit der WM sei möglich, könne aber hieraus nicht abgeleitet werden, erklärte eine Sprecherin.

Auch im westfälischen Münster hält man sich bei der Bewertung steigender Geburtenzahlen zurück. „Münster wächst seit Jahren. Und dass wir mehr Kinder zur Welt bringen, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass im Münsterland eine andere Klinik ihre Geburtshilfe geschlossen hat“, sagt Professor Walter Klockenbusch, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Uniklinik Münster.

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