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17.04.2015

15:06 Uhr

Gedenkfeier für Absturz-Opfer in Köln

Wenn Trauer auf Tourismus trifft

VonLisa Hegemann

In Köln gedenken Angehörige bei einem Gottesdienst der Todesopfer des Germanwings-Absturzes. Vor dem Dom teilt sich die Stimmung in Sensationswahn und Sicherheitsbedenken. Nur in einigen Momenten wird die Trauer spürbar.

3 Wochen nach der Tragödie

Trauerfeier für Germanwings-Opfer im Kölner Dom

3 Wochen nach der Tragödie: Trauerfeier für Germanwings-Opfer im Kölner Dom

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KölnAls die symbolischen Holzengel während des Gottesdienstes an die Angehörigen übergeben werden, verstummen die Gespräche schlagartig. Auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz, auf dem die Trauerfeier für die Opfer des Germanwings-Fluges 4U9525 auf einer Leinwand übertragen wird, ist es plötzlich still, es macht sich Betroffenheit breit, eine Frau mit dunklen Haaren wischt sich Tränen aus den Augen. Es ist einer der wenigen Momente, in denen sich die Trauer im Dom auf die Zuschauer draußen überträgt.

Dreieinhalb Wochen nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine über den französischen Alpen sind 500 Gäste in den Kölner Dom zur offiziellen Trauerfeier gekommen – Angehörige, Freunde und Bekannte der Passagiere, Arbeitskollegen der Crewmitglieder, die ersten Helfer vor Ort. Auch hochrangige Politiker sind nach Köln gereist, um ihre Anteilnahme zu zeigen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck verfolgen mit ernsten Mienen den Gottesdienst, spanische und französische Regierungsmitglieder lassen sich die Trauerfeier via Knopf im Ohr übersetzen.

Die Zitate des Trauerakts

Joachim Gauck

„Es ist etwas zerstört worden, das in dieser Welt nicht mehr geheilt werden kann.“

„Dieser eine hat die vielen anderen mit in den Tod gerissen, den er für sich selber gesucht hatte. Uns fehlen Worte für diese Tat“

„Vielleicht ist es ja das, was uns so sehr erschreckt hat: die Sinnlosigkeit des Geschehens. Wir sind konfrontiert mit einer verstörenden Vernichtungstat.“

Kardinal Rainer Woelki

„Bloße Worte sind zu schwach, Sie zu trösten. Aber dass wir alle hier sind, und dass auch so viele Menschen in diesem Moment durch die Medien mit uns zusammen Ihnen unser menschliches Mitleid und Beileid zeigen wollen, das soll Ihnen Trost sein, dass Sie nicht allein sind in diesen Stunden der Einsamkeit.“

„Die Liebe ist stärker als der Tod, glauben wir Christen. Die Liebe - sie bleibt.“

Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus

„Unbegreifliches ist geschehen. Und Unbegreifliches wurde getan.“

„Nie sind wir mehr Mensch als dann, wenn wir weinen.“

„Familien, Häuser und Nachbarschaften, Schulen, Dörfer und Städte, ein ganzes Land, ja mehr als nur ein Land, rücken zusammen im Aushalten-Müssen und im Begreifen-Wollen.“

Eine Angehörige in einer Fürbitte

„Trockne unsere Tränen, stärke die schönen Erinnerungen und schenke uns allen neuen Lebensmut.“

Während die Menschen im Dom der Opfer des Unglücks gedenken, trifft draußen an der Kölner Domplatte eine absurde Mischung aufeinander – aus Trauer und Tourismus, aus Sensationswahn und Sicherheitszone.

Noch vor Beginn der Trauerfeier stehen schon Dutzende Kameras vor dem Kölner Wahrzeichen, Stativ an Stativ, und filmen die Menschen, die sich der Kirche nähern. Während die geladenen Gäste durch das von den Augen der Öffentlichkeit geschützte Domgäßchen halbwegs abgeschirmt zu ihren Plätzen gelangen, müssen Zuschauer, die spontan vorbeigekommen sind, am Medienrummel vorbei, an den Schaulustigen und Touristen. „Schon krass“, sagt eine junge Frau im Vorbeigehen.

Trauerfeier im Kölner Dom: „Wir sind konfrontiert mit einer verstörenden Vernichtungstat“

Trauerfeier im Kölner Dom

„Wir sind konfrontiert mit einer verstörenden Vernichtungstat“

Gedrückte Stimmung in Köln: Mit einer Trauerfeier im Dom wurde der Opfer des Germanwings-Absturzes gedacht. Passanten legen Blumen nieder, für jeden Toten brennt eine Kerze. Der Bundespräsident spendet Trost.

Zwei in schwarz gekleidete Frauen mit gelben Rosen in ihren Händen fragen einen Polizisten, ob es noch möglich wäre, die Trauerfeier zu besuchen. Er bejaht, die Damen gehen hinter die Absperrung und warten auf Einlass, auch andere entscheiden sich spontan für den Besuch der Zeremonie. Einige Fernsehteams fangen sie ab und fragen nach dem Grund. „Müssen da denn so viele Kamerateams aus aller Welt anreisen?“, fragt ein älterer Mann kopfschüttelnd.

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