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05.09.2014

13:54 Uhr

Gefährliche Islamisten

„Scharia-Polizei“ macht Wuppertal unsicher

Keine Drogen, kein Glücksspiel, keine Musik. In Wuppertal versucht eine selbsternannte „Scharia-Polizei“, Jugendliche zum Salafismus zu rekrutieren. Die Polizei warnt die Bürger vor der Glaubens-Gruppe.

Die Scharia ist das religiöse Gesetz des Islam und basiert auf dem Koran. In Wuppertal predigt jetzt die „Scharia-Polizei“ den Menschen die Gesetze ihres Glaubens. dpa - picture-alliance

Die Scharia ist das religiöse Gesetz des Islam und basiert auf dem Koran. In Wuppertal predigt jetzt die „Scharia-Polizei“ den Menschen die Gesetze ihres Glaubens.

WuppertalDie Gruppenmitglieder tragen orangefarbene Westen mit der Aufschrift „Shariah-Police“. Abends laufen sie durch das Wuppertaler Zentrum und sprechen vor Diskotheken und Kneipen Jugendliche an. Die selbsternannte Glaubens-Polizei predigt den jungen Leuten ihre Verhaltensregeln: Kein Alkohol, Glücksspiel, Musik oder Konzerte.

Dabei belässt es die „Scharia-Polizei“ offenbar nicht bei mündlichen „Belehrungen“. Nach Angaben der „WAZ“ versuchten die Mitglieder zuletzt gezielt, Jugendliche an dem Besuch von Diskotheken zu hindern. Wer sich weigerte, wurde verfolgt. Auch vor Geschäften machten die „Islam-Wächter“ keinen Halt.

Die Polizei leitete daraufhin ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz gegen die Mitglieder der „Scharia-Polizei“ ein. Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher erklärte: „Das Gewaltmonopol liegt ausschließlich beim Staat! Ein Auftreten, das einschüchtert, verunsichert oder provoziert, wird nicht geduldet.“

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft betonte außerdem, dass geprüft werden müssen, ob eine Nötigung vorliege, falls junge Menschen tatsächlich aufgefordert wurden, eine Diskothek nicht zu betreten. Der Staatsanwalt sagte aber auch, dass „das bloße Empfehlen religiöser Regeln“ nicht strafbar sei.

Bis vor kurzem verbreitete die „Scharia-Polizei“ ihre Propaganda auch über eine Facebook-Gruppe und ein Video auf YouTube. Die Gruppe sowie das Original-Video wurden gelöscht. Doch das Video wurde bereits erneut hochgeladen. Dort gibt die Gruppe an, dass sie plant, ihre Aktionen bald auch auf andere Städte auszuweiten. Mit gelben Flyern erheben sie Anspruch auf eine „Shariah Controlled Zone“ (Scharia-kontrollierte Zone).

Kommentare (26)

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Herr Mike Maier

05.09.2014, 14:04 Uhr

Die kulturelle Bereicherung geht Schritt für Schritt voran.

Herr Frank Wieckhorst

05.09.2014, 14:19 Uhr

Holen die Kinder von der Straße, ist doch schön!

Herr Kah Sieben

05.09.2014, 14:29 Uhr

„Wir haben eine multikulturelle Gesellschaft in Deutschland, ob es einem gefällt oder nicht […] Die Grünen werden sich in der Einwanderungspolitik nicht in die Defensive drängen lassen nach dem Motto: Der Traum von Multi-Kulti ist vorbei.“
Claudia Roth

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