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08.06.2011

15:55 Uhr

Gefährlicher Darmkeim

Ehec-Erreger in Mülltonne aufgespürt

Ist das der entscheidende Hinweis? Im Müll einer an Ehec erkrankten Familie in Magdeburg wurde das mutierte Bakterium gefunden - auf einem Stück Gurke. Offen ist allerdings, ob die Gurke schon verseucht in die Tonne kam.

Sprossen, Gurken oder beide? Die Suche nach der Ehec-Quelle läuft weiter. Quelle: dpa

Sprossen, Gurken oder beide? Die Suche nach der Ehec-Quelle läuft weiter.

Magdeburg/HannoverIn einer Probe aus einem Abfallbehälter in Magdeburg ist das Ehec-Bakterium nachgewiesen worden. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte am Mittwoch in Magdeburg, bei dem gefundenen Bakterium vom Stamm O104:H4 handelte es sich um die mutierte Form, die in Norddeutschland grassiert und die schweren Ehec-Erkrankungen auslösen kann. Das Bakterium sei auf einem Gurkenrest gefunden worden. Da der Abfall aber zwei Wochen in der Tonne lagerte, könnten keine Rückschlüsse gezogen werden, wann und wie das Bakterium in die Tonne gelangte.

Das Ministerium hat bislang Proben von 147 Lebensmittelprodukten genommen, darunter auch Gurken und Sprossen. Bei 108 Untersuchungen seien keine Ehec-Erreger festgestellt worden. Zudem wurden noch 21 Proben aus dem Umfeld von Ehec-Erkrankten genommen. Auch hier waren alle Befunde bis auf den einen Fund aus der Bio-Tonne negativ.

Die wichtigsten Stationen aus vier Wochen Ehec

1. Mai

Das Robert Koch-Institut (RKI) datiert die erste blutige Durchfallerkrankung auf diesen Tag. Auslöser ist das Bakterium EHEC (enterohämorrhagisches Escherichia coli). Viele Patienten erleiden die schwere Verlaufsform HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom).

21. bis 23. Mai

Die Patientenzahlen steigen rasant. Bis zum 5. Juni werden 630 HUS-Fälle und 1601 bestätigte EHEC-Infektionen gemeldet.

22. Mai

Das RKI vermutet rohes Gemüse als Überträger.

25. Mai

RKI und Bundesinstitut für Risikobewertung warnen vor dem Verzehr von Salatgurken, Blattsalaten und rohen Tomaten insbesondere in Norddeutschland.

26. Mai

Forscher identifizieren den Keim für den aktuellen EHEC-Ausbruch (EHEC-Typ O104). Ein Schnelltest wird entwickelt. Spanische Salatgurken sind mit EHEC-Erregern belastet. Erst später stellt sich heraus, dass es sich dabei nicht um den gerade enttarnten Keim handelt.

2. Juni

Forscher entziffern das Genom des aggressiven Erregers.

5. Juni

Sprossen aus einem Betrieb in Niedersachsen geraten in Verdacht. Erste Proben untermauern das nicht.

Die belastete Probe wurde aus dem Bio-Abfall einer am 19. Mai erkrankten dreiköpfigen Familie aus Magdeburg entnommen. Ein Familienmitglied hatte auf den Verzehr von Gurken hingewiesen. Am 30. Mai konnte der Erreger auf dem Reststück einer Gurke nachgewiesen werden. Die Familie habe sich zuvor nicht in Norddeutschland aufgehalten.

 Der Ehec-Verdacht gegen den Sprossenerzeuger im niedersächsischen Bienenbüttel hat sich nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in Hannover derweildurch zwei neue Indizien erhärtet. Auch 18 Ehec-Patienten aus dem Landkreis Cuxhaven hätten in einer Kantine Sprossen aus dem Betrieb verzehrt, sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne am Mittwoch. Zudem habe sich herausgestellt, dass dort eine dritte Mitarbeiterin Anfang Mai an Durchfall gelitten habe. Die bundesweite Ehec-Welle könne aber weiterhin auf mehrere Ausbruchsherde zurückgehen, betonte er.

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