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15.06.2015

11:06 Uhr

Gefährlicher Selfie-Trend

Zum Posieren auf die Bahngleise

Ein Foto von Mädchen, die Hand in Hand auf Bahngleisen balancieren, dazu ein Schwur der ewigen Freundschaft: Gerade für Mädchen ist die Inszenierung auf sozialen Netzwerken wichtig. Dabei riskieren manche ihr Leben.

Ein Foto mit der besten Freundin auf den Gleisen soll signalisieren, dass man mit ihr sogar in den Tod gehen würde. dpa

Bahngleise als gefährliche Selfie-Kulisse

Ein Foto mit der besten Freundin auf den Gleisen soll signalisieren, dass man mit ihr sogar in den Tod gehen würde.

BremenDie drei Mädchen wollten ein Selfie machen. Sie kletterten die Böschung an einer Eisenbahnbrücke in Bremen hoch und posierten auf den Gleisen. Das hätte sie beinahe getötet: Ein Lokführer konnte gerade noch bremsen, die Regionalbahn blieb wenige Meter vor den Teenagern stehen. Ein schnellerer Zug hätte sie wohl überrollt.

Immer wieder wagen sich junge Leute für Fotos auf Schienen – es geht dabei um Fernweh, um ein Symbol für Unendlichkeit, um ein Zeichen treuer Freundschaft. Ein gefährlicher Trend, den die Bundespolizei deutschlandweit vor allem unter Mädchen beobachtet. „Hinterher tat es ihnen furchtbar leid“, sagt Holger Jureczko von der Bundespolizei in Bremen über den Vorfall mit den drei Mädchen, der sich im April ereignete. „Ihnen war die Gefahr gar nicht bewusst.“

Bereits vor vier Jahren erfasste im schwäbischen Memmingen ein Zug eine 13- und eine 16-Jährige. Die Ermittler entdeckten später Fotos auf deren Handys und in Profilen in sozialen Netzwerken, die sie auf den Gleisen zeigten. Zwei Jahre später kamen zwei 14 und 15 Jahre alte Freundinnen im westfälischen Lünen bei einem ähnlichen Unfall ums Leben. Auch dort fand die Polizei solche Fotos.

Mädchen, die Hand in Hand auf Bahngleisen balancieren und dazu ein Spruch, der ewige Freundschaft beschwört – Bilder wie diese tauchen nach Angaben des Sprachwissenschaftlers Martin Voigt seit einigen Jahren in den sozialen Netzwerken auf. Er hat in seiner Doktorarbeit an der Uni München den Einfluss von Facebook und Co auf Mädchenfreundschaften untersucht.

Gerade 12- bis 16-Jährige sei es wichtig, wie sie im Internet rüberkommen, erläutert Voigt. „Sie wollen beliebt sein, hübsch aussehen, eine beste Freundin haben. Entsprechende Priorität hat die „Öffentlichkeitsarbeit“ online.“ Mädchen sind mit der besten Freundin auf Facebook wie „verheiratet“.

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