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10.03.2014

11:58 Uhr

Gefängnis kaum zu vermeiden

„Die Luft für Uli Hoeneß wird dünner“

Uli Hoeneß will reinen Tisch machen. Er gesteht, nicht 3,5 sondern 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Doch was bringt die plötzliche Offenheit? Experten zufolge könnte er sich damit ins Aus manövrieren.

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Erste Bilder: Uli Hoeneß vor Gericht

Video: Erste Bilder: Uli Hoeneß vor Gericht

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MünchenUm die Mittagszeit kommt die große Neuigkeit, mit der bisher niemand gerechnet hatte und die den Fall Uli Hoeneß noch einmal in eine neue Dimension heben könnte: Hoeneß' Anwalt Hanns F. Feigen sagt vor dem Landgericht München aus, in den Jahren 2002 bis 2009 habe der Präsident des FC Bayern weitere 15 Millionen Euro am Fiskus vorbei geschleust. Das sind dann insgesamt 18,5 Millionen Euro und deutlich mehr als die 3,5 Millionen Euro, die ihm die Anklage bisher vorwirft.

Damit aber ändert sich alles: Denn nun scheint es beinahe unmöglich, dass Hoeneß auf Bewährung davonkommt. „Die Luft wird definitiv dünner“, sagt Christian Höll, Rechtsanwalt für Steuerstrafrecht und Wirtschaftsrecht von der Kanzlei CF Rechtsanwälte in Fürth.

Bislang stand theoretisch die Möglichkeit im Raum, dass Hoeneß auf Bewährung davonkommen könnte: Nämlich dann, wenn er beweisen könnte, dass er die Selbstanzeige rechtzeitig eingereicht hatte und die fehlerhaften Angaben in der Nacherklärung nicht von ihm, sondern vom Steuerberater stammten. Doch je höher die Steuerschuld nun wird, umso weniger plausibel scheint es, dass die fehlerhafte Steuernacherklärung derart strafmildernd ausgelegt wird, dass sie Hoeneß vor dem Gefängnis bewahren könnte.

Hoeneß entlasten könnte auch ...

... die freiwillige Selbstanzeige

Sollten die Richter zu der Überzeugung gelangen, dass Uli Hoeneß seine Selbstanzeige aus freien Stücken eingereicht hat, könnte dies für ihn strafmildernd berücksichtigt werden.

... die freiwillige Selbstanzeige II

Die freiwillige Selbstanzeige steht der taktischen Selbstanzeige entgegen. Sollten die Richtern zu dem Schluss kommen, dass Hoeneß erst handelte, als ihm bereits klar war, dass ihm Medien auf der Spur waren, kann er in diesem Punkt nicht mit Strafmilderung rechnen.

... die Kooperation mit seinem Steuerberater

Strafmildernd in Betracht könnten die Richter auch, dass Hoeneß bei der Selbstanzeige mit einem Experten, seinem Steuerberater, kooperiert hat, sich von ihm hat beraten lassen.

... die Kooperation mit seinem Steuerberater II

„Das Gericht hat die Aufgabe, den Sachverhalt vollumfänglich zu würdigen, und insbesondere alle Umstände zu berücksichtigen, die für den Mandanten sprechen“, sagt Christine Varga, Rechtsanwältin bei Rödl & Partner. Die Tatsache, dass Hoeneß sich habe beraten lassen, sollten die Strafverteidiger in jedem Falle aufgreifen.

Warum aber sollte Hoeneß kurz vor Prozessauftakt Steuerschulden zugeben, die ihm die Staatsanwaltschaft bis dato noch gar nicht vorgeworfen hatte – mit denen er sich aber gegebenenfalls selbst hinter Gitter manövriert?Zur Erinnerung: Peter Graf etwa musste wegen 12,3 Millionen D-Mark drei Jahren und neun Monate hinter Gitter.

Die neue Offenheit könnte ein strategischer Zug der Verteidigung sein, vermutet Anwalt Höll: Hoeneß könnte hoffen, dass das Gericht anerkennt und es gegebenenfalls strafmildern auslegt, dass er wirklich alles aufdeckt – sogar Spekulationsgewinne nennt, die in 2002 angefallen und damit tatsächlich verjährt sein könnten.

Bislang ist nicht klar, wie viel der weiteren 15 Millionen Euro aus den Jahren 2002 bis 2009 in 2002 selbst angefallen sind. Dank Verjährung könnte sich die eigentliche Steuerschuld nicht um die vollen 15 Millionen Euro erhöhen. Dennoch: Ein paar Millionen Euro mehr werden es vermutlich dennoch sein.

Kommentare (35)

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Account gelöscht!

10.03.2014, 10:18 Uhr

Kopf hoch Ulli!
Wie hieß es früher schon?
Wem Gott will rechte Gunst erweisen, dem schenkt er eine Wurstfabrik.
Also: nicht heulen, sondern wacker durch: wie ein Mann durch den Generalverwurster.

Account gelöscht!

10.03.2014, 10:31 Uhr

Was der Ulli H. alles auf dem Kerbholz hat, da ist eine Menge kriminelle Energie dabei. Eiskalt, nervenstark, gierig. Und braucht man das, um im Fußball als Manager erfolgreich zu sein?

Account gelöscht!

10.03.2014, 10:47 Uhr

Ich verstehe nicht warum er sich das antut? Er hätte schon längst Deutschland verlassen können? Diesen Bürgerfeindlichen Staat hintersich lassen. Vorallem gehört Schäuble auch vors Gericht. Er veruntreut mehrere Milliarden an Steuergelden siehe illegale, verbotene Bankenrettung, Eurorettung, ESM, Milliarden in die Pleitestaaten verschieben. Aber da geschieht nichts weil alle unter einer Decke stecken!!

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