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19.03.2013

14:59 Uhr

Gelöschte Beiträge

Facebook entschuldigt sich bei Domian

Talkmoderator Jürgen Domian veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite kritische Kommentare über die katholische Kirche. Plötzlich wurden sie von Facebook gelöscht. Menschliches Versagen, sagt das Unternehmen nun.

Domian hatte unter anderem einen kritischen Eintrag zum Auftritt des Katholiken Martin Lohmann bei der Talksendung von Günter Jauch verfasst. dpa

Domian hatte unter anderem einen kritischen Eintrag zum Auftritt des Katholiken Martin Lohmann bei der Talksendung von Günter Jauch verfasst.

KölnFacebook hat Beiträge des WDR-Moderators und Talkmasters Jürgen Domian (55) gelöscht und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. „Ich bin äußerst verärgert und fassungslos“, schreibt Domian auf seiner Facebook-Seite. Eine Sprecherin des Sozialen Netzwerks entschuldigte sich inzwischen und bezeichnete die Löschung als bedauerlichen Fehler.

Domian hatte unter anderem einen kritischen Eintrag zum Auftritt des Katholiken Martin Lohmann bei der Talksendung von Günter Jauch verfasst. Diese Mitteilung sei später gelöscht worden. Auch Einträge über den neuen Papst oder zur Homo-Ehe seien verschwunden, erklärte Domian. Die Texte „hätten in jeder Zeitung stehen können“, meint der Moderator. „Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun.“ Der Kritik, die er auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, schlossen sich mehr als 20 000 Personen mit einem Klick auf den „Gefällt mir“-Button an.

Facebook in Zahlen

Transparenz dank Börsengang

Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

Schon früh profitabel

In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

Werbung als wichtigste Geldquelle

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

Beispielloses Wachstum

Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

Zuckerberg hat die Kontrolle

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

Dominant in aller Welt

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Keine Chance für StudiVZ

Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Riese Datenmengen

Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Seine Äußerungen zu der Jauch-Sendung hätten vor der Löschung immerhin 1,1 Millionen Menschen gelesen, schrieb Domian. Der Eintrag zum neuen Papst sei „völlig harmlos“ gewesen und hätte nach einiger Kritik mit versöhnlichen Worten geendet. „Offensichtlich haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist“, mutmaßte der Moderator. Nutzer können bei Facebook unliebige oder beleidigende Kommentare melden, die das Netzwerk dann überprüft.

Das zuständige Team von Facebook schaue sich „Hunderte von Tausenden von Reports zu Inhalten jede Woche an“, erklärte eine Sprecherin. Die Melde-Systeme seien dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hass-Reden und Mobbing zu schützen. Es sei „bedauernswert“, wenn dabei Fehler gemacht werden. „Und wir wissen, dass dies frustrierend sein kann, wenn wie in diesem Fall, solch ein Fehler passiert“, erklärte sie. „Entschuldige bitte, Domian!!!“

Facebook werden hin und wieder übereifrige Löschaktionen vorgeworfen. So verschwand im Sommer 2012 eine Titelseite des „Zeit Magazin“, die einen nackten Mann zeigte, von der zugehörigen Facebook-Seite. Nutzer kritisierten am Dienstag, dass Seiten von Rechtsextremen teilweise bestehen dürften. So unterhält die rechtsextreme Partei NPD eine Facebook-Präsenz. Nutzer versuchten in der Vergangenheit wiederholt, Facebook durch massenhafte Beschwerden zum Löschen der NPD-Seite zu bewegen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

19.03.2013, 18:12 Uhr

Ganz davon abgesehen wie das zu bewerten ist: Facebook hat sich entschuldigt, jedoch behauptet, die Posting leider nicht wiederherstellen zu können.

Dass die keine Datensicherungen haben, um versehentlich gelöschte Postings wieder her zustellen, das kaufe ich denen definitiv nicht ab.

zimbo

19.03.2013, 19:06 Uhr

Die Kommentare von Domian sind von selbstauflösender Wichtigkeit. Das zeigt uns das Leben jeden Tag.
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Frank62

20.03.2013, 02:27 Uhr

Das ist nur der Anfang!
Wenn jemand eine Körperverletzung begeht, dann wird er vielleicht zu einer Strafe verurteilt und nach verbüßen der Strafe kann er in eine neue Gegend ziehen und versuchen neu anzufangen.
Bald wird es so sein, dass Leute die lediglich eine unbequeme Meinung haben, Medial gemieden werden – also E-Mails werden nicht zugestellt, Kommentare in Foren werden gelöscht usw. - oder sogar Medial an den Pranger gestellt werden und das ein Leben lang.
Menschen werden Angst haben ihre Meinung zu äußern. Heutzutage schon in „Schurkenstaaten“ Realität, bald überall.

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