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15.08.2013

13:27 Uhr

Gerichtsurteil

Langjährige Haft für Alexanderplatz-Schläger

Der Berliner Jonny K. ist vor zehn Monaten ohne Anlass nahe dem Alexanderplatz brutal verprügelt worden. Er starb an Gehirnblutungen. Nun wurden sechs junge Männer wegen der Gewalttat zu langjähriger Haft verurteilt.

Urteil im Fall Jonny K.

Schläger müssen hinter Gittern

Urteil im Fall Jonny K. : Schläger müssen hinter Gittern

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BerlinZehn Monate nach der tödlichen Prügelattacke auf den jungen Berliner Jonny K. hat das Landgericht sechs Schläger zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der ehemalige Boxer Onur U. bekam mit viereinhalb Jahren Jugendhaft die höchste Strafe. Das Gericht verurteilte den 20-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die anderen fünf Angeklagten wurden wegen gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen bis zu zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Der Vorsitzende Richter sprach in der Urteilsbegründung von einer „Mischung aus Dummheit, Arroganz, Unverschämtheit und Aggressivität“.

Mit dem Strafmaß gegen Onur U. lag das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die fünfeinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Für seine Komplizen hatten die Ankläger zwischen zweieinhalb und drei Jahren Haft gefordert. Die jungen Männer im Alter zwischen 19 und 25 Jahren erhielten Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten und zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Die Verteidiger hatten für alle sechs Angeklagten Bewährungsstrafen beantragt.

Die tödliche Attacke hatte bundesweit Entsetzen und eine Debatte über Jugendgewalt ausgelöst. Der 20-jährige Jonny K. wurde im Oktober 2012 wie aus dem Nichts nach einem Barbesuch mit Freunden in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes mit Tritten und Schlägen malträtiert. Er starb wenig später an Gehirnblutungen. Die Angreifer kannten Jonny K. nicht. Ob er durch einen Sturz auf das Straßenpflaster oder die Misshandlungen starb, konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden. Bei dem Angriff war auch ein Freund des 20-Jährigen schwer verletzt worden. Jonny K. hatte ihm beistehen wollen.

Der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck sagte: „Es hat sich eine Tragödie abgespielt, bei der ein hilfsbereiter junger Mann ohne Anlass sein Leben verlor.“ Das Geschehen habe nicht lückenlos geklärt werden können. Die Angeklagten hätten nicht alles zu ihrer Tatbeteiligung gesagt. Doch Onur U. habe den ersten Schlag gesetzt - einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht - und damit das Signal für die Gruppe zum Zuschlagen gegeben. Es habe mindestens drei Fußtritte gegeben, als Jonny schon am Boden gelegen habe.

Die Männer hatten zwar Schläge und Tritte eingeräumt, jedoch keine Verantwortung für den Tod von Jonny K. übernommen. Auch Onur U. bestritt bis zuletzt einen Angriff auf das schmächtige Opfer. In seinem Schlusswort hatte sich der 20-Jährige bei der Familie des Opfers entschuldigt.

Zur Urteilsverkündung war auch die Schwester des Opfers, Tina K., mit ihrer Mutter erschienen. Sie engagiert sich seit dem Tod ihres kleinen Bruders gegen Gewalt. Sie hatte vor der Urteilsverkündung gesagt, sie könne keine Reue bei den Männern erkennen. Der vorbestrafte Onur U. war zunächst in die Türkei geflüchtet. Erst nach monatelangem Tauziehen stellte er sich den deutschen Behörden.

Von

dpa

Kommentare (22)

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Edina

15.08.2013, 13:48 Uhr

Onur U.?
Er sollte nach seiner Haftverbüßung in die Türkei zurückgehen, er wird hier in D wohl kaum noch Karriere machen können - allenfalls im kriminellen Milieu!

Account gelöscht!

15.08.2013, 13:56 Uhr

Wenn Sie nicht wissen, wozu Strafe dient, dann sollten Sie lieber nichts schreiben.

Null_Toleranz

15.08.2013, 15:05 Uhr

Langjährige Haft (Teil 1)?

Liebes HB, Sie sprechen von einer LANGjährigen Strafe?
Zur Erinnerung:
Diese Strafe soll ein feiges, gemeinschaftlich begangenes Kapitalverbrechen, das zumindest die Voraussetzungen für Totschlag, wenn nicht für Mord (niedere Beweggründe für die Verbrecherversteher unter den kommentatoren!)erfüllt, sühnen. Ein Verbrechen, dessen Haupttäter bereits früher durch schwere Körperverletzung aufgefallen ist und dafür nicht angemessen bestraft wurde und damit zu weiteren schweren Straftaten geradezu ermutigt wurde. Für einen erwachsenen Haupttäter, der nach seiner Tat im S-Klasse Mercedes in die Türkei geflüchtet ist, um da Immobiliengeschäften nachzugehen (wie das Jugendliche eben so machen!), der nur nach D zurückkam, weil er Angst vor einem Prozeß in der Türkei mit einer wirklich langjährigen Haftstrafe unter sehr viel unkomfortableren Bedingungen als in einer deutschen Verwahranstalt hatte, (...) halten sie alsi die Straf für LANGjährig?

Auf den Gedanken, dass hier eine völlig unangemessene Anwendung des Jugendstrafrechts vorliegt kommen Sie nicht? Wann kapiert diese Gesellschaft endlich, dass Subjekte wie dieser Onur bis in die Haarspitzen hochkriminell und gewalttätig sind und sich niemals an unsere Werte anpassen geschweige denn sie akzeptieren wird? Wann kapieren unsere Gutmenschen, dass in solchen Fällen sozialprognosen und das ganze Hätschel-/Tätschel-Verhamrlosungsprogramm sinnlos wenn nicht sogar kontraprodukttiv sind?

(...)


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